Königheim

Vor 170 Jahren Zwei aus Königheim und Gissigheim stammende Revolutionäre, Carl Höfer und Gottfried Bauer, wurden hingerichtet

„Tätigsten Anteil an der Meuterei genommen“

ZweiMänner aus der Gesamtgemeinde Königheim gehörten bei der Badischen Revolution 1848/49 zu den Vorkämpfern für Demokratie und Freiheit im Land und mussten dies mit dem Leben bezahlen.

Königheim. Zum 170. Mal jährt sich jetzt die Hinrichtung des aus Brehmen stammenden Lehrers Carl Höfer, der im Odenwald eine Bürgerwehr führte, und des Gissigheimers Gottfried Bauer, der bei einer Soldatenrebellion zu den Rädelsführern gehörte. Sie wurden bald nach dem Scheitern der revolutionären Bewegung in Baden standrechtlich erschossen, Höfer im August 1848 in Mannheim, Bauer am 4. Oktober in Pforzheim.

Weitgehend in Vergessenheit

Die Revolutionäre und ihr Schicksal sind in ihrer Heimatgemeinde weitgehend in Vergessenheit geratenen. Im Brehmer Heimatbuch von Pfarrer Franz Gehrig wird Höfer kurz erwähnt, über Bauer findet sich in Gehrigs Gissigheimer Ortschronik ein Absatz.

Die Schlagworte der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – haben sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in deutschen Landen verbreitet; in den 1830er Jahren bildeten sich demokratische Bewegungen. Die Februarrevolution in Frankreich war schließlich eine Initialzündung für die Märzrevolution in anderen Teilen Europas, besonders auch in Baden. Zwar galt das Großherzogtum als relativ liberal, nachdem das Land 1818 eine Verfassung erhalten hatte, aber radikaldemokratische und antimonarchistische Kräfte wie Friedrich Hecker und Gustav Struve forderten umfassende weitere Veränderungen, unter anderem uneingeschränkte Pressefreiheit, eine Heeresreform, eine sozial gerechte Besteuerung und die Beseitigung von Vorrechten des Adels.

Angesichts der problematischen Lage, geprägt von Hungersnot und Massenarmut, fielen revolutionäre Forderungen auf fruchtbaren Boden; bereits in den ersten Märztagen 1848 gab es Massenunruhen im deutschen Südwesten. So auch im badischen Frankenland. In Brehmen, wo der spätere Revolutionär Carl Höfer am 11. November 1819 geboren wurde, vermerkte Dominikus Walzenbach in seinem Hausbuch, dass vielerorts die Revolution losgebrochen sei: „Es ist keine Ruh . . .“ Dass der Heimatsohn Höfer zu den führenden Aufrührern gehörte, ist in den Aufzeichnungen nicht zu lesen, aber über seine Person ist dank der Recherchen von Karl Mossemann aus Sachsenhausen, veröffentlicht 1953 in Heft vier der Zeitschrift „Badische Heimat“, einiges bekannt.

Carl Höfer, der als sechstes Kind des aus Wertheim stammenden evangelischen Schullehrers Andreas Höfer in Brehmen zur Welt kam, war von 1843 bis Oktober 1846 als Volksschullehrer in Sachsenhausen tätig. Bereits hier hat er, wie Forschungen ergaben, die Auflehnung der Bauern gefördert. Noch 100 Jahre später soll man im Ort davon erzählt haben, wie er die Bauern im Gebrauch von Waffen – Sensen und Dreschflegel – unterwiesen hat.

In Altneudorf, wohin er 1846 versetzt wurde, wurde Höfer zu einem der führenden Männer der Volkserhebung. Im Mai 1849 wurden ihm als Hauptmann die Bürgerwehren mehrerer Gemeinden unterstellt.

Es deutet einiges darauf hin, dass Höfer erst angesichts der bevorstehen Rückkehr des geflüchteten Großherzogs „das Treiben der Freischärler nicht mehr gutheißen konnte“, stellte der Forscher Mössemann mit Hinweis darauf fest, dass der Hauptmann an mehreren Orten, unter anderem auch in Wertheim und Hardheim, davor gewarnt hat, Bürgerwehren gegen Regierungstruppen ausrücken zu lassen, da die Aktion des führenden Revolutionärs Struwe zusammengebrochen sei. In Brehmen soll Höfer dem „Rosen“-Wirt aufgetragen haben, die Bürger zu beruhigen.

Trotzdem und obwohl er das Amt des Hauptmanns niedergelegt hatte, zog Höfer nach der Rückkehr nach Altneudorf auf Druck des Ortspfarrers am 21. Juni mit einem Trupp von Männern gegen preußische Soldaten aus, um nach kurzem Gefecht wieder umzukehren.

In Altneudorf verhaftet

Bereits am 24. Juni wurde Höfer in Altneudorf verhaftet. In Mannheim wurde er vor Gericht gestellt. Die Anklage lautete auf Hochverrat, Teilnahme an einem Angriff und Widerstand gegen die bewaffnete Macht. Er habe sich mit seiner politischen Gesinnung gegen die Verfassung gestellt, das Volk im republikanischen Sinne bearbeitet und sich als Agitator an der Vorbereitung der Revolution beteiligt. Höfers Verteidiger versuchte, seinen Mandanten damit zu entlasten, dass er politische Aktivitäten nur aufgrund des starken Einflusses des vorgesetzten Pfarrers entwickelt habe. Diese Rechtfertigung nützte ebenso wenig wie die guten Beurteilungen als Lehrer, die Bitten seiner Gemeinde um Freilassung oder seine angeblichen Versuche, das Ausrücken von Bürgerwehren zu verhindern. Am 16. August wurde Höfer vom Gericht mit fünf gegen eine Stimme zum Tod durch Erschießen verurteilt. Auf angeblich eigenen Wunsch hin wurde Höfer noch am gleichen Abend um 19.15 Uhr hingerichtet.

Wie Höfer musste auch der Gissigheimer Gottfried Bauer seine revolutionäre Gesinnung mit dem Leben bezahlen. Über ihn ist kaum mehr bekannt als das, was in den Gerichtsakten steht. Er wurde am 8. November 1825 in Gissigheim als Sohn des Zimmermanns Andreas Bauer geboren und kam als Soldat nach Rastatt, wo am 12. Mai 1849 Soldaten der Garnison gegen ihre Offiziere rebellierten. Bauer soll an der Meuterei maßgeblich beteiligt gewesen sein. In der Akte des Kriegsgerichts vom 5. Oktober 1849 heißt es: „Gottfried Bauer aus Gissigheim, Pionier vom 3. Infanterie-Regiment, hat tätigsten Anteil an der Meuterei genommen.“ Einem Schreiben des Gerichts zufolge wurde Bauer am 4. Oktober 1849 zum Tod durch Erschießen verurteilt; das Urteil wurde noch am selben Tag vollstreckt. Sein Vermögen von 256 Gulden fiel an den Staat.

Von den Todesurteilen, die die auf Initiative des preußischen Militärs am 27. Juli in Mannheim, Freiburg und Rastatt gebildeten Standgerichte bis Ende Oktober 1849 verhängten, wurden 19 in Rastatt, sechs in Mannheim und drei in Freiburg vollzogen. In Rastatt wurden die im Festungsgraben Erschossenen, darunter Gottfried Bauer, ohne Sarg und Namenstafel auf dem alten Friedhof verscharrt. Erst 1874 wurden die Ruhestätten mit Namensschildern versehen. 1895 folgte die Umbettung der sterblichen Überreste in ein gemeinsames Grab, später wurde ein Gedenkstein errichtet. In Karlsruhe findet sich am Kaiserplatz eine Gedenkstätte mit Namenstafeln für Carl Höfer, Gottfried Bauer und die 25 anderen badischen Freiheitskämpfer, die 1849 hingerichtet wurden – darunter als weiterer zum Tod Verurteilter der Soldat Peter Jäger (gestorben 22. September 1849) aus Assamstadt. Die Inschrift lautet: „Unter dem Oberkommando des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I., schlugen Truppen des Deutschen Bundes im Jahre 1849 die demokratische Revolution in Baden und der Pfalz nieder. 27 Freiheitskämpfer wurden standrechtlich erschossen.“