Königheim

FN-Interview Hartmut Jenner, Vorsitzender des Vorstands bei Alfred Kärcher, äußert sich zum bevorstehenden Umzug des Werks von Gissigheim nach Buch

Service Center nimmt zentrale Rolle ein

Archivartikel

Die Alfred Kärcher SE & Co. KG.verlegt ihr Servicecenter von Gissigheim nach Buch. Der Vorstandsvorsitzende Hartmut Jenner sprach mit den FN über die Gründe.

Königheim/Buch. Mit dem Erwerb eines 54 000 Quadratmeter großen Grundstücks in der Gemeinde Ahorn im Ortsteil Buch im Main-Tauber-Kreis investiert Kärcher in den Bau eines neuen, zentralen Service Centers. Ein entscheidendes Kriterium für die Wahl ist die verkehrsgünstige Lage und die großen Expansionsmöglichkeiten, wie der Vorstandsvorsitzende im Interview sagte. Kärcher ist weltweit führender Lösungsanbieter rund um Reinigung und Pflege.

Was gab letztendlich den Ausschlag, den Standort Gissigheim aufzugeben? Vor nicht allzu langer Zeit hatten Sie ja noch ein klares Bekenntnis zu Gissigheim gegenüber den FN geäußert?

Hartmut Jenner: Wir haben uns aufgrund zahlreicher Standortvorteile schlussendlich für einen Umzug in die nahegelegene Gemeinde Ahorn entschieden. Die topographische Lage des dortigen Grundstücks bietet gute ökonomische Voraussetzungen für die Bebauung und für mögliche künftige Erweiterungen. Darüber hinaus befinden sich in Ahorn zwei Autobahnausfahrten der A 81. Der Erwerb des Grundstücks und die damit verbundene kräftige Investition von mehr als zehn Millionen Euro ermöglicht es uns, Arbeitsplätze in einem für uns wichtigen Geschäftsfeld langfristig in der Region zu sichern und aufzustocken.

Sie sind in Gissigheim im Besitz von einer zusätzlichen Fläche zur Vergrößerung der Produktionsstätte. Gab es keine Möglichkeit diese zu nutzen?

Jenner: Das wäre nicht sinnvoll gewesen. Aufgrund der Beschaffenheit des Grundstücks in Gissigheim wären umfangreiche Erdarbeiten und Abstützmaßnahmen des Geländes erforderlich gewesen. Darüber hinaus hätte auch noch das bestehende Werksgebäude aufwendig saniert, modernisiert und eventuell auch umgebaut werden müssen. Am Standort Gissigheim sind die einzelnen Bereiche auf zwei Stockwerke verteilt. Das führt bei den Mitarbeitern zu unnötigen Transportwegen und großen Effizienzverlusten. In dem neuen ebenerdigen Gebäude im Ortsteil Buch können wir die Abläufe auf einem Stockwerk koordinieren und damit die Wege und Durchlaufzeiten erheblich verkürzen.

Sie hatten, nach Informationen der FN, mehrere Standorte, darunter auch im benachbarten Ausland, ins Auge gefasst. Was gab letztendlich den Ausschlag für Buch?

Jenner: Das ist korrekt. Wir haben alle Optionen sorgfältig in Betracht gezogen. Letztlich hatte der Erhalt der Arbeitsplätze in der Region für uns ein höheres Gewicht, weil wir uns sowohl der Region als auch den Menschen hier sehr verbunden fühlen. Darüber hinaus haben wir in Ahorn ein ideales Grundstück für den Neubau des Service Centers gefunden, das gleichzeitig für unsere Mitarbeiter auch nicht weit entfernt vom alten Standort liegt.

Die Produktionshalle ist viel größer als die am bisherigen Standort in Gissigheim. Auch die Erweiterungsmöglichkeiten sind immens. Was plant Kärcher konkret in Buch? Wie viele Arbeitsplätze wird es im neuen Service-Center geben? Was passiert mit der bisherigen Belegschaft?

Jenner: Derzeit beschäftigen wir 80 Mitarbeiter am Standort Gissigheim und wachsen kontinuierlich. Mit dem Grundstückserwerb und den geplanten Investitionen in Ahorn schaffen wir mittel- und langfristig zusätzliche Arbeitsplätze in einem für Kärcher wichtigen Geschäftsfeld. Ein ganz wichtiger Punkt für uns ist, dass die Mitarbeiter von Beginn an in den Umzug einbezogen werden. Das bedeutet, dass sie die neuen Arbeitsplätze und die Arbeitsumgebung mitgestalten. Zu diesem Zweck wird es eine sogenannte Ideenwerkstatt geben, in der Abläufe und Prozesse von den Mitarbeitern durchgespielt werden. Die optimale Gestaltung der Arbeitsplätze erfolgt damit durch die Mitarbeiter selbst.

Wie ist der zeitliche Rahmen für die Baumaßnahme? Wann will Kärcher die Produktion in Buch aufnehmen?

Jenner: Der Spatenstich für den Neubau ist für das zweite Quartal 2021 vorgesehen. Den Umzug der Mitarbeiter in die neuen Gebäude planen wir derzeit für das Jahr 2022. Vieles wird aber natürlich auch davon abhängen, wie schnell die Arbeiten vorankommen.

Welchen Stellenwert hat die neue Produktionsstätte innerhalb des Konzerngefüges?

Jenner: Das neue Service Center spielt in unseren mittel- und langfristigen Planungen eine ganz wesentliche Rolle, da es sich um einen für Kärcher wichtigen Geschäftsbereich handelt. Gerade unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit werden die Wartung, Instandsetzung und Reparatur unserer Geräte zunehmend wichtiger. Künftig werden in Ahorn Geräte aus zehn europäischen Ländern gewartet und repariert.

Wie ist Kärcher bislang durch die Pandemie gekommen? Und wie sieht es im Bereich Export aus?

Jenner: Wir sind bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Die Umsatzeinbußen im März und April waren zwar dramatisch. Diese konnten wir allerdings im Juni und Juli wieder ausgleichen und haben im ersten Halbjahr 2020 mit etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz unser Vorjahresniveau erreicht. Auch der Start ins zweite Halbjahr war gut für uns. Wir rechnen deshalb für das laufende Jahr mit einem Umsatz von gut 2,6 Milliarden Euro und damit über dem Niveau des Vorjahres.