Königheim

Tag der offenen Baustelle Bürger konnten die Kunstmühle besichtigen und sich ein Bild von den geplanten Sanierungsmaßnahmen machen

Mammutaufgabe mit großem Aufwand

Archivartikel

Viele Königeimer nutzten die Gelegenheit, am Tag der offenen Baustelle die Kunstmühle und die schon erfolgten sowie noch geplanten Sanierungsarbeiten in Augenschein nehmen.

Königheim. Die Pläne versprechen, ein lange Jahre dem Verfall preisgegebenes historisches Gebäude zum Schmuckstück werden zu lassen. Bis das der Fall sein wird, dürfte aber noch viel Wasser den Brehmbach hinunterfließen. Mit dem Kauf der Kunstmühle am Königheimer Ortsrand und der Absicht, das 170 Jahre alte Objekt grundlegend zu sanieren, haben sich die neuen Eigentümer Martin Krentz und Barbara Müller einer großen Herausforderung gestellt, deren Bewältigung nicht zuletzt auch einen erheblichen Zeitaufwand fordert. Unmittelbar vor Beginn der aufwändigen Generalsanierung gaben sie am Sonntag im Zusammenwirken mit dem Heimatverein den geschichtsinteressierten Königheimern Gelegenheit zum Einblick in das denkmalgeschützte Bauwerk und die Umbaupläne.

Hoher Standard für 1849

Die 1849 am Ortsausgang Richtung Hardheim gebaute Kunstmühle – der Wortbestandteil „Kunst“ verweist auf einen in der damaligen Zeit besonders hohen Standard der Mühlentechnik, also auf Ingenieurs-Kunst – schien dem Verfall preisgegeben, bis im vergangenen Jahr Martin Krentz und seine Frau Barbara Müller das historische Gebäude von der Gemeinde erworben haben, um es grundlegend zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen.

In unzähligen Arbeitsstunden und mit bewundernswertem Idealismus haben der Niedersachse Krentz, freiberuflicher Ingenieur und Sachverständiger für Spezialtiefbau, und seine Frau, die in ihrer Werkstatt im fränkischen Neuhaus/Pegnitz Floralkunst unter anderem für Feste, Messen und Kongresse kreiert, in den vergangenen Monaten in der Königheimer Mühle in Aufräum- und Sicherungsarbeiten geleistet, eine Bestandserhebung vorgenommen, die denkmalrechtliche Baugenehmigung erwirkt und die Vorarbeiten für die Generalsanierung getroffen, die nach der Zusage von Fördermitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) und der Einrüstung des Gebäudes nun mit der Erneuerung des Dachs in die heiße Phase geht.

Rund 200 Besucher

Bereits vor Weihnachten hatten die neuen – in Königheim bereits integrierten – Eigentümer dem Heimatverein „Brehmbachtal“ einen „Tag der offenen Baustelle“ in Aussicht gestellt, um der geschichtsinteressierten Bevölkerung die Möglichkeit zu einem Einblick in die alte Mühle zu geben, die seit der Hochwasserkatastrophe von 1984 kaum jemand betreten hat, und über die Generalsanierung und die künftige Nutzung zu informieren. Dieser vom Verein unter Federführung von Burkard Gassenbauer und Lothar Achstetter organisierte Tag der offenen Tür fand nun – auf den Tag genau 36 Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser – statt und verzeichnete großes Interesse, wenngleich den Besuchern aufgrund der Corona-Bestimmungen einige Unannehmlichkeiten wie Wartezeiten vorausgesagt worden waren und auf die ursprünglich geplante Bewirtung verzichtet werden musste.

Über den Nachmittag verteilt, wurden insgesamt weit über 200 Besucher in kleinen Gruppen durch das Gebäude und zum Mühlrad geführt. Fotografien zeigten alte Ansichten und dokumentierten den (erbärmlichen) Zustand des Hauses beim Besitzerwechsel und die seither erfolgten Arbeiten; großformatige Pläne vermittelten einen Eindruck von der anstehenden Neugestaltung im Inneren und im Außenbereich.

Mühlrad soll sich wieder drehen

Lothar Achstetter, Vorsitzender des Heimatvereins, führte die Gruppen zum Mühlrad, dessen Metallkonstruktion teils erhalten ist, und zum weitgehend verlandeten Mühlkanal, der einst rund 250 Meter westlich in Höhe der Firma Walzenbach von einem Wehr gespeist wurde.

Das Mühlrad war eine in der Zeit seiner Erbauung hochmoderne Konstruktion, die die Wasserkraft mit hoher Effizienz nutzte. Es wird in den nächsten Tagen abgebaut und soll sich, wie bei der Führung herausgestellt wurde, nach der originalgetreuen Rekonstruktion in nicht allzu ferner Zeit wieder drehen– angetrieben wie früher vom Wasser des Mühlkanals, der ebenfalls reaktivieren werden soll. Dafür sind wesentliche Abstimmungen mit den Behörden erfolgt, so dass die wasserrechtliche Genehmigung jetzt beantragt werden kann. Diese wurde vom Landratsamt bereits in Aussicht gestellt, sofern bestimmte Vorgaben erfüllt werden.

Im Gebäude selbst führten die Eigentümer Martin Krentz und Barbara Müller sowie Heimatvereins-Vorstandsmitglied Martin Zimmermann durch den Mühlen-Teil, der etwa zwei Drittel des Hauses eingenommen hat, und die auf der Ostseite gelegenen früheren Wohnräume. Besonders beeindruckt zeigten sich Alt und Jung von den teils gut erhaltenen Relikten der Mühlentechnik, die auch nach dem Umbau sichtbar bleiben: Im Mühlenraum im Erdgeschoss reihen sich auf der Bachseite große und kleine Zahnräder und viele Bestandteile der Transmissionstechnik aneinander, die früher Mahlsteine und diverse Maschinen angetrieben haben. Diese wurden vermutlich bereits im Zweiten Weltkrieg entfernt.

Die Kunstmühle hatte, wie informiert wurde, der vormalige Besitzer der Schlossmühle, Georg Joseph Martin, für seinen Sohn Franz Jakob Mitte des 19. Jahrhunderts bauen lassen. Der letzte Kunstmüller Josef Uihlein und seine Frau Anna, geb. Sans, haben das Mahlrecht bereits 1939 verkauft. Allerdings wurde die Transmissionstechnik noch bis hinein in die 1960er Jahre für eine Obstpresse genutzt, an deren Betrieb sich ältere Bürger noch gut erinnern.

Nach dem 1984er Hochwasser wurde die Mühle nicht wieder bewohnt. Die damaligen Eigentümer verkauften das Anwesen, zu dem auch eine (2014 in sich zusammengefallene) Scheune gehörte, an einen Investor, der allerdings scheiterte, bevor er in die Erneuerung investieren konnte, so dass die Kunstmühle in den Besitz der politischen Gemeinde gelangte. Sie suchte seither vergebens nach einem Käufer, bis Martin Krentz und seine Frau Barbara Müller im Mai vergangenen Jahres auf das Objekt aufmerksam wurden und sich nach sorgsamer Prüfung im Oktober entschlossen, die Kunstmühle zu erwerben, zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Im Gebäude und in einem Anbau, der sich architektonisch vom Altbestand abheben wird, sollen auf einer Gesamtfläche von etwa 300 Quadratmetern auf drei Etagen denkmalgerecht ausgebaute Wohn- und Büroräume entstehen; Martin Krentz will in der Mühle sein Ingenieurbüro einrichten, Barbara Müller ihre „Werkstatt für lebendige Dekoration“ nach Königheim verlagern.

In zwei bis drei Jahren sollen, wenn alles nach Plan läuft, die wesentlichen Komponenten des „baulichen Abenteuers“ abgeschlossen sein.

Idealismus gewürdigt

Bürgermeister Ludger Krug, der ebenfalls an einer Führung teilnahm, würdigte einmal mehr Idealismus, Unternehmergeist und Investitionsbereitschaft von Martin Krentz und Barbara Müller. Lothar Achstetter dankte den neuen Eigentümern namens des Heimatvereins für die Bereitschaft, Haus und Grundstück für einen Tag der offenen Baustelle zu öffnen. bg