Königheim

Schutzengelfest Gissigheimer feiern Gottesdienst am Dorfteich / Mitgestaltung durch die seit 165 Jahren bestehende Musikkapelle

In heutiger Zeit als Engel für andere wirken

Archivartikel

Die Messe zum Schutzengelfest in Gissigheim wurde wegen Corona am Sonntag unter freiem Himmel gefeiert. Zudem beging der Musikverein sein 165-jähriges Bestehen.

Gissigheim. Lange im voraus hatten sich die Verantwortlichen der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Gissigheim angesichts der Corona-Pandemie Gedanken über die Ausgestaltung des traditionsreichen Schutzengelfests gemacht. Da ein festlicher Gottesdienst in der Pfarrkirche mit Gesang und Orgelklängen und einer anschließenden Prozession durch die Straßen nicht stattfinden konnte, verlegte man die Festmesse an den Dorfteich. Im Freien konnten dort die zurzeit geltenden Hygienevorschriften eingehalten werden.

Über 100 Gläubige

Weit über 100 Gläubige versammelten sich am Dorfteich, wo Geistlicher Rat Johannes-Georg Ghiraldin zusammen mit Diakon Alois Ganz den feierlichen Gottesdienst zelebrierte. Alle Gebete und Fürbitten bezogen sich auf das Wirken der Engel, die als Boten Gottes den Menschen begleiten.

Ausgehend vom Evangelium, bei dem Jesus besonders den Schutz der Kinder durch ihren Engel deutlich machte – „denn ihre Engel schauen allezeit das Antlitz Gottes“ – ging Ghiraldin auf das Wesen dieser mächtigen Gestalten ein. Diese seien schon bei den alten Ägyptern, Babyloniern und den alttestamentlichen Juden als Stellvertreter Gottes hervorgehoben worden.

Projekte in Brasilien

Auch in der heutigen „Corona-Zeit können sie den Menschen beistehen. Jeder könne als „Engel für andere“ wirken, betonte der Seelsorger, wobei er auf die Unterstützung der Projekte von Pater Alido in Brasilien durch viele Gissigheimer im Kampf um das Überleben der indigenen Volksgruppe verwies.

Nach der Messe zogen die Ministranten mit den Zelebranten und der Monstranz in einer kleinen Prozession zur Kirche.

Zur besonderen Festtagsstimmung trug auch der Musikverein Gissigheim bei, der mit den Liedern der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert die Gläubigen beim Singen unterstützte. Zudem erfreuten die Musiker mit „Festmusik“ von Richard Wagner und „Hallelujah“ von Leonard Cohen mit weiteren festlichen Klängen. Mächtig wirkte am Ende des Gottesdienstes der „Choral“ von Ted Huggens, „Lasst uns den Engel preisen“ und „Großer Gott, wir loben dich“.

Die Mitgestaltung des Schutzengelfests hatte der Verein auch zum Anlass genommen, auf seinen 165. Geburtstag hinzuweisen. Deshalb spielte er nach der kirchlichen Feier noch einige schwungvolle Stücke, für die das Publikum reichen Applaus spendete.

Am Spätnachmittag traf man sich zum Festausklang in der Schutzengelkapelle, um mit einer Andacht den Schutz der Engel zu erflehen. Gestaltet wurde sie von der Frauengemeinschaft Gissigheim (kfd), die hierzu sinnreiche Texte ausgewählt hatte. Auch dazu fanden sich viele Gläubige ein.

Die Ortsherren von Bettendorff hatten die Schutzengel-Kapelle als Gruftkapelle 1712 erbaut und diese zu Ehren des heiligen Philipp Neri, dem Namenspatron des hier sesshaften Johann Philipp von Bettendorff, weihen lassen.

Um ein Gelübde zu erfüllen, widmete der Nachkomme des Erbauers, Christoph Friedrich von Bettendorff, vor 281 Jahren (1739) die Kapelle den heiligen Schutzengeln. Zudem stiftete er das Schutzengelfest, das seither jeweils am ersten Sonntag im September in Gissigheim festlich begangen wird. emü