Königheim

Naturschutz In Gissigheim wurden vor 25 Jahren Biotopvernetzungen angelegt und somit wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen

Bereicherung für tauberfränkische Landschaft

Archivartikel

Biotopvernetzungen in der heimischen Landschaft wurden vor 25 Jahren in Gissigheim vorgenommen. Sie sind wichtige Lebensräume für die Pflanzen- und Tierwelt.

Main-Tauberkreis/Gissigheim. Wer heute offenen Blicks durch die tauberfränkische Landschaft fährt, kann sich an den vielen Streuobstwiesen und mancherorts auch an schönen Heckenbiotopen erfreuen. Auffallend sind sie vor allem im Frühling, wenn sie ihre bunte Blütentracht entfalten.

Korrektur der Flurbereinigungen

Infolge der Flurbereinigungen vor mehr als 50 Jahren mussten viele Hecken, Obstbäume und Kleinbiotope verschwinden, um großflächigen Maschineneinsatz in der Landwirtschaft zu ermögliche. Diesen Verlust wollte man durch neue Heckenpflanzungen korrigieren.

Vor genau 25 Jahren ging der Kreisverband für Obst-, Garten und Landschaft (KOGL) daran, zusammen mit einigen örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen Biotopvernetzungen durchzuführen. Erfahrungen hierzu hatte man schon durch Heckenpflanzungen in Gissigheim im Jahr 1991 gewonnen.

Wichtig für Flora und Fauna

Ziel war es nun, einzelne bestehende Biotope wie Waldgehölze, Wegraine und Streuobstwiesen miteinander zu vernetzen. Dadurch konnten Käfer, Kriechtiere, Eidechsen und andere Tiere leichter in andere Biotope wechseln und ihre Population stabilisieren.

Auch bot man damit dem Niederwild den Schutzraum, den eine offene Land nicht bieten kann. Schließlich wollte man vielen ehemals heimischen Sträuchern, die inzwischen in der Landschaft selten geworden sind, hier wieder einen Standort geben. Einig war man sich auch, dass diese Pflanzungen Schutz gegen Bodenerosion bieten, sie im Boden Feuchtigkeit binden, einen wirksamen Windschutz bieten und so für die umgebenden Ackerflächen ein günstiges Kleinklima schaffen.

Oberamtsrat Max Braun, Leiter des Umweltschutzamtes am Landratsamt Main-Tauber-Kreis, als damaligem Vorsitzendem des Kreisverbandes für Obst, Garten und Landschaft, überzeugte auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Kreisjägervereinigung und einige örtliche Vereine von der Wichtigkeit der Biotopvernetzungen, die sich dann finanziell daran beteiligten.

1330 Mark als Zuschuss

So entstanden 1995 solche Feldgehölz-Pflanzungen unter anderem in Großrinderfeld, Heckfeld und auch wieder in Gissigheim, hier am Uhlberg direkt neben dem später errichteten Windrad an der Kreisstraße. (Siehe Bild 432) Obwohl diese Pflanzung in Eigenleistung durch Mitglieder des Gissigheimer Obst- und Gartenbauvereins unter seinem damaligen Vorsitzende Ludwig Leimbach und durch einige Jagdpächter durchgeführt wurde, war der rund 200 Meter lange und zehn Meter breite Feldgehölzstreifen ein kostspieliges Projekt, zu dessen Finanzierung das Umweltschutzamt im Landratsamt Tauberbischofsheim 50 Prozent der Kosten und somit 1330 Mark als Zuschuss bewilligte.

Große Biodiversität

Gepflanzt wurden damals unter anderem: Eberesche, Vogelkirsche, Wildbirne, Ahorn, Gemeiner Schneeball, Hundsrose Traubenkirsche, Hartriegel, Holunder, Heckenkirsche, Schlehen, Pfaffenhütchen und der ehemals weit verbreitete Speierlingsbaum. Bereichernd für diesen Biotop wirkte auch, dass man zwei Streuobstwiesen in dieses Areal miteinbinden konnte. Hier wachsen Hochstämme mit alten Obstsorten, die auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten können. Vielfältig ist auch die Vogelwelt, deren Gesang man weithin hören kann.

Bunte Schmetterlinge wie Pfauenauge und Zitronenfalter, Laufkäfer, Rauben, Hummeln, Wildbienen und viele Ameisenarten sind hier zuhause. Inzwischen haben sich auch viele typische Pflanzen angesiedelt wie der Großer Wiesenknopf, Wiesenlabkraut, Sichelblättriges Hasenöhr, gelber Steinklee, Sichelblättriges Hasenöhr, Skabiosenblättrige Flockenblume, Waldglockenblume, Taubenkropf, Leinkraut, ganze Kissen von der violett blühenden Vogelwicke und viele andere.

Heute nach 25 Jahren zeigen diese damals angepflanzten Biotope eine große Biodiversität. Sie sind für die heimische Natur eine echte Bereicherung und begeistern alle Naturfreunde, vor allem jetzt, da gerade die Holundersträucher, die Heckenrosen und die Vogelwicken in voller Blüte stehen und ihre Düfte aussenden. emü