Königheim

Pfarrkirche St. Kilian Beseitigung der durch Brandstiftung entstandenen Schäden wird mit Innenrenovierung und Umgestaltung verbunden

Altar rückt näher an die Gläubigen heran

Archivartikel

Die Spuren des Brandes in der Pülfringer Pfarrkirche werden nun beseitigt. Zudem erfolgen eine Anpassung des Chorraums an die liturgischen Erfordernisse und der Einbau eines barrierefreien Zugangs.

Pülfringen. Über die im Oktober beginnende Innensanierung der Pülfringer Pfarrkirche St. Kilian sowie der Lourdesgrotte informierten die Verantwortlichen am Donnerstagabend in dem Gotteshaus. Pfarrer Franz Lang freute sich, dass 35 Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde – immerhin zehn Prozent der Gläubigen – gekommen waren und so ihr Interesse bekundeten.

Schädlicher Rußfilm

Zurückblickend erinnerte der Seelsorger an die Brandstiftung am 3. April 2019. Damals wurde an drei Stellen in der Kirche und in der Lourdesgrotte Feuer gelegt. Der Täter ist unbekannt. Durch das Feuer sei das komplette Inventar mit einem Rußfilm überzogen worden, der dringend entfernt werden müsse. Die auf über 100 000 Euro geschätzten Kosten für die Reinigung der Wände, der Orgel und der beiden beschädigten Figuren übernehme die Versicherung. Für die Arbeiten müsse der Innenraum eingerüstet werden. Dies wolle man nutzen, um beispielsweise Risse in den Wänden zu schließen und die Elektrik zu erneuern.

Doch nicht nur Reparaturen sind geplant. Nach dem Beschluss des Stiftungsrats der Kirchengemeinde ist auch die Umgestaltung des Chorraums im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgesehen. Dazu „wird der Altar weiter vorgerückt“, so Lang, näher an die Gläubigen heran. Der riesengroße Altar passe maßstabsmäßig nicht zur Kirche. Das gelte auch für die Bestuhlung des Chors. Dabei handele es sich „eigentlich um Esszimmerstühle aus den 1970er Jahren“. Mit der Schaffung eines barrierefreien Zugangs zur Kirche erfülle sich ein Wunsch der Gemeindeglieder.

Gemeinde zahlt 186 000 Euro

Der Seelsorger erklärte gegenüber den FN, dass alle Arbeiten, die nicht mit dem Brandschaden zusammenhängen, nicht von der Versicherung bezahlt werden. Der Kostenvoranschlag belaufe sich auf 311 000 Euro, wovon 124 000 Euro die Erzdiözese Freiburg als Zuschuss zahle. Somit müssen 186 000 Euro von der Kirchengemeinde finanziert werden.

Die Pläne zur Innensanierung und Umgestaltung der Kirche, die ein Jahr dauern soll und der die Untere und die Obere Denkmalschutzbehörde bereits zugestimmt haben, stellte Architekt Hanno Roters vom Erzbischöflichen Bauamt in Heidelberg vor. Begleitet wurde er von Architektin Sarah Blossfeldt, welche als Bauleiterin fungiert.

Nachdem der Erzbischöfliche Bauoberamtsrat die Interessierten mit alten Aufnahmen der Kirche überrascht hatte, ging er auf das Projekt ein. Wohl am auffälligsten ist dabei die Versetzung des Altars nach vorne. Dieser habe bestimmt schon bei der Innenrenovierung 1962 an seinem Platz gestanden, vermutete Roters. Denn: „So ein schweres Ding verschiebt man nicht so leicht. Man könnte drei Altäre daraus machen.“ Sein Mittelteil ist gemauert, Seitenteile und Platte sind massiv.

Damals habe er in der Tradition der Hochaltäre gestanden. Die Gemeinde versammelte sich nicht um den Altar herum. Um das zu ermöglichen, sollen die drei hinteren Stufen im Chorraum etwa um 1,5 Meter nach hinten und der Altar nach vorne versetzt werden. Wie er dann genau aussehen werde, stehe noch nicht fest, betonte Roters. „Aber wir werden ihn verkleinern.“ Auf der hinteren Treppenstufe ist unter dem Kreuz eine Bank für Priester und Ministranten vorgesehen.

Die Schaffung eines barrierefreien Zugangs unter dem letzten Fenster auf der rechten Seite des Kirchenschiffs erfordert die Verkürzung von drei Kirchenbänken in diesem Bereich. Der Zugang zur neuen Tür erfolgt von außen über ein kleine, gepflasterte Rampe.

Weiter vorgesehen sind die Reinigung aller Oberflächen – auch in der Grotte – sowie die Verlegung der Elektrokabel unter Putz und Änderungen an der Beleuchtung. Die Marienfigur soll nicht mehr die rechte, sondern die linke Wand neben dem Chor zieren. Denn „jetzt schaut sie in die falsche Richtung“, betonte Roters. Die Figur des Heiligen Kilian soll einen Platz über dem rechten Seitenaltar bekommen. Der Ambo (Lesepult) bleibt, wo er ist, werde aber kleiner. Drei Kreuzwegstationen müssen dem neuen Zugang weichen. Sie werden wie auch das „Ewige Licht“ nach links verschoben.

Was die Risse am Chorbogen angeht, machte Roters klar: „Sie werden wieder auftauchen.“ Denn: Die Kirche sei „verspannt“. Der Fachmann ist überzeugt, dass es beim Bau Änderungen gab und der Chorbogen nicht geplant war.

Toilettenanlage erwünscht

Auf Roters Frage nach Vorschlägen der Bürger zur Umgestaltung wurde auch der Einbau einer Toilettenanlage genannt. Deren Finanzierung sei in dem „nun geschnürten Paket“ nicht vorgesehen, bedauerte der Architekt. Doch mit einem „Fachmann, sprich Installateur, im Hintergrund“, sei eine solche sicherlich durch Eigenleistungen relativ einfach zu verwirklichen. Nachgedacht werden soll über den Vorschlag, auf der Empore statt der Kirchenbänke Stühle aufzustellen.

Zur Senkung der Kosten für die Kirchengemeinde, können deren Mitglieder selbst Hand anlegen: etwa beim Ausbau der Kirchenbänke, Abschlagen der schadhaften Putzstellen oder dem Reinigen. Auch die Überlassung eines trockenen Platzes zum Einlagern der Bänke kann Geld sparen. Denn in nächster Zeit werden wohl noch weitere Kosten auf die Gemeinde zukommen. So hofft Roters, dass die Kirchenheizung „noch fünf Jahre hält“.