Kickers Würzburg

Das ist der neue Kickers-Trainer Bernhard Trares ist ein Mann der alten Schule, der aber modernen Fußball spielen lässt / Einst Spieler unter Felix Magath

Sein Erfolgsrezept ist eine besondere Mixtur

Archivartikel

Bernhard Trares unterbrach die komplexe Passübung schon früh. Laut und bestimmt erklärte er nochmals, was im wichtig ist: Passschärfe, Ballannahme und -mitnahme. Einige Meter entfernt stand Felix Magath und nickte kaum merklich. Es gefiel dem Fußball-Chef von „Flyeralarm“, wie der neue Trainer des FC Würzburger Kickers mit der Mannschaft sprach. „Als ehemaliger Bundesliga-Spieler kennt er die Bundesliga durch und durch. Er hat jetzt aber eine schwere Aufgabe, denn er hat weniger Spiele“, hatte Magath kurz zuvor über Bernhard Trares gesagt.

Beide sind alte Weggefährten: Zwischen 1998 und 1999 war der heute 55-jährige Trares Spieler unter Coach Magath bei Werder Bremen. Dort gewann der neue FWK-Coach den DFB-Pokal. „Es ist super, dass er uns unterstützt. Wir passen gut zusammen. Aber ich versuche, ich selbst zu sein“, sagte Trares auf die Personalie Magath angesprochen.

Auf einen Spielstil möchte sich der neue Kickers-Trainer nicht festlegen: „Wir müssen da variabel sein. Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, immer Ballbesitz zu haben. Ich würde das eher ganzheitlich sehen.“ Eine außerordentlich defensive Herangehensweise möchte er aber auch nicht: „Wir wollen nicht um den eigenen Sechzehner einen Handballkreis bauen.“

Bei Labbadia vorbeigeschaut

Bernhard Trares’ Erfolgsrezept ist eine ganz besondere Mixtur: Er vereint die „alte Schule“, in der Disziplin und harte Arbeit oberste Gebote sind, mit modernem Fußball – auch wenn er schon aufgrund seines Alters nicht zu der Generation der „Laptoptrainer“ gehört. Bei seinem Kumpel Bruno Labbadia hat er im Spätsommer mal vorbeigeschaut und sich ein Bild von der Hertha gemacht; er hat Zweitliga-Spiele in Sandhausen und Karlsruhe im Stadion sehen können. Und: Er ist Motorrad gefahren; mit einem Kumpel nach Frankreich und mehrmals durch den Odenwald. „Ich rase nicht um die Häuser, sondern alles in der Vernunft des Alters“, sagte er mit unterdrücktem Grinsen.

Von seiner vorigen Station beim SV Waldhof hört man nur Gutes über Bernhard Trares: „Die Mannschaft, die er in der Regionalliga übernommen und in die 3. Liga geführt hat, ist immer besser geworden“, sagt Alexander Müller, Sportredakteur des Mannheimer Morgen. Hinten sei nie der Ball heraus geschlagen worden. Es wurde großen Wert auf ordentlichen Fußball gelegt, so Müller. Die eingangs erwähnte Passübung unterstreicht diese Aussage. Zudem habe Trares intern einen großen Zusammenhalt in der Mannschaft geschaffen. Die Spieler standen immer hinter ihm, man hörte kein schlechtes Wort – auch nachdem klar war, dass sein auslaufender Vertrag im Sommer nicht verlängert werden würde. Trainer und Vereinsverantwortliche hatten damals keinen Konsens gefunden.

Das Heidenheim-Spiel der Würzburger hat Bernhard Trares „zufällig“ bei einem Freund im Fernsehen geschaut. Am Sonntag dann habe Felix Magath angerufen und man habe sich lange unterhalten. Und am Montag stand er schon auf dem Trainingsplatz der Kickers…