Kickers Würzburg

3. Liga Nach zehn Spieltagen sieht man bein den Würzburger Kickers, in welche Richtung es in dieser Saison gehen wird

Maximum Mittelmaß

Archivartikel

Nachdem der zarte Aufschwung mit dem 0:3 in Magdeburg jäh gestoppt wurde (wir berichteten), reift bei den Würzburger Kickers die Erkenntnis, dass die Mini-Hoffnung, doch noch an die Spitzengruppe der 3. Liga anzudocken, eine Hoffnung bleiben wird. Zehn Spieltage wollten sie sich beim FWK Zeit geben, um zu beurteilen, in welche Richtung der Weg der neu formierten Mannschaft geht. „Wenn wir einen Punkt geholt hätten, hätte man sagen können, dass die Tendenz nach oben geht“, sagte Trainer Michael Schiele nach dem Freitagsspiel. Die Würzburger haben aber verloren und stehen auf dem zwölften Platz. Die FN gehen den wichtigsten Fragen zum Saisonstart nach.

Wie gut ist der FC Würzburger Kickers als Mannschaft wirklich?

„Man hat heute auch die Qualität des Gegners gesehen.“ Dieser simple Satz von Trainer Michael Schiele nach der Magdeburg-Begegnung sagt viel aus. Die Würzburger Kickers werden in dieser Runde sicher keine Spitzenmannschaft mehr werden. Die Einschätzung vor der Spielzeit, einen „einstelligen Tabellenplatz“ zu erreichen, ist realistisch. Primäres Ziel muss es sein, vom Abstiegskampf verschont zu bleiben; das ist schwer genug. „Wir könnten besser, aber auch schlechter dastehen“, stellte Sebastian Schuppan „vielsagend nichtssagend“ fest. Diese Aussage verdeutlicht das Niemandsland, in dem sich der FWK bewegt.

Warum kassieren die „Rothosen“ so viele Gegentore?

In den Begegnungen in Mannheim und gegen Meppen freuten sich die Kickers-Fans über eine neu gewonnene Stabilität in der Mannschaft, die sich auch im „Rückzug“ von Daniel Hägele aus dem Mittelfeld in die Abwehr begründete, aber auch mit den Nachverpflichtungen von Robert Herrmann und Simon Rhein. In Magdeburg kam der Gegner wieder zu deutlich mehr Chancen als die Kontrahenten zuvor. Dabei fiel auf, dass diese meist durch „Laissez-faire“-Verteidigungsaktionen der FWK-Akteure zustande kamen. Als „zu billig“ bezeichnete Kapitän Schuppan auch das erste Gegentor, das den FWK auf die Verliererstraße brachte. Es ist also nicht unbedingt an der mangelnden Qualität der Defensiv-Akteure festzumachen, dass die Würzburger 2,7 Gegentreffer im Schnitt pro Begegnung kassiert haben, sondern mehr an der bedingungslosen Hingabe, das eigene Tor bis zum Letzten zu verteidigen. „Die Gegentore müssen wir unbedingt reduzieren“, weiß Trainer Schiele.

Ist der Kader ausreichend gut besetzt?

Jein! Die ersten 14, 15 Spieler im Team werden dem Anspruch „ordentliche Drittliga-Qualität“ gerecht. Es darf also nicht viel mit Verletzungen passieren. Im Angriff besteht jetzt schon ein Engpass, nachdem Dominic Baumann länger ausfällt (Knöchelbruch). Ein „offensiver Nachkauf“ gelang dem Verein nicht mehr. Die als „Perspektivspieler“ geholten Frisorger, Kraus, Zulciak, Meisel, Langhans und Cakmak machen noch viel zu wenig Druck auf die Etablierten. Und das ist nicht leistungsfördernd fürs Team. Hier muss schnell eine Entwicklung her. Verstärkungen sind die Neuzugänge Vrenezi, Pfeiffer (hauptsächlich wegen der Torquote, im Spiel hat er noch Luft nach oben), Rhein und Ronstadt. Kwadwo und Widemann haben nur marginal überzeugt, Hemmerich lediglich nach vorne, nicht aber in der Defensive. „Premium-Neuzugang“ Lion Schweers hinkt seiner Bestform meilenweit hinterher und war jetzt sogar drei Mal in Folge nicht im Kader.

Sind die Kickers fußballerisch gut genug?

Ja. Trainer Michael Schiele verfolgt einen spielerischen Ansatz. Zu Beginn der Runde war man oft zu verspielt; das wurde nun nivelliert. Variabel – mit Pressingphasen und dann auch wieder tief stehend – begegnen die Würzburger ihren Kontrahenten. Der Coach hat während seiner Amtszeit zudem gezeigt, dass er das Team immer wieder aus Krisen führen kann. Ziel sollte es sein, dass man erst gar nicht mehr in eine solche gerät. Das wäre die Basis für eine grundsolide Saison im Mittelfeld – mehr ist nicht zu erwarten.