Kickers Würzburg

Fußball Die Würzburger Kickers ziehen auch beim Auswärtsspiel in Düsseldorf gegen den KFC Uerdingen durch, während die Aufstiegs-Konkurrenz erneut schwächelt

Große Gelassenheit beim Galopp nach oben

Archivartikel

Diese Szene war nun wirklich nicht alltäglich: Würzburgs Trainer Michael Schiele scharte nach dem Sieg der Kickers seine Spieler auf dem Rasen der Düsseldorfer Bundesliga-Arena in einem Kreis um sich und stellte konkrete Fragen. Darauf meldeten sich einige Spieler per Handzeichen. Hätte man diese Szene nach solch einem 2:1-Sieg wie dem der Kickers gegen Uerdingen am Dienstag (wir berichteten) bei Amateur-Fußballern gesehen, hätte man sicher sagen können, der Coach habe abgefragt, wer nach der Rückkehr noch mit ins Sportheim zum Feiern ginge.

Klar: Das hatte der 42-jährige Fußball-Lehrer freilich nicht abgefragt. FWK-Kapitän Sebastian Schuppan hatte schon vor Beginn der Dauer-Englischen-Wochen absolute Professionalität von den Spielern gefordert und Alkoholverbot ausgesprochen („An ein Siegerbierchen ist nicht zu denken“).

Der Inhalt dieses kurzen Gesprächs nach Spielschluss war ganz anderer Natur, und er zeigt einen Grund auf, warum die Kickers aktuell in der 3. Liga dermaßen steil gehen und im Galopp Richtung 2. Bundesliga unterwegs sind: „Es ging um die ersten Regenerationsmaßnahmen direkt nach dem Spiel und dann auch schon um die, wenn wir daheim sind“, verriet Michael Schiele später und fügte mit einem Augenzwinkern an: „Ich habe nicht gefragt, wer das nächste Mal wieder spielen will.“ Die Kickers leben diese „Nach-Corona-Wochen“ sehr intensiv, haben sich mit jeder Faser diesem Saisonendspurt und dem Aufstieg verschrieben – auch wenn dieses Wort weiter keiner in den Mund nimmt.

In dieser Hinsicht sorgte Leroy Kwadwo schließlich für den Schenkelklopfer des Abends: Markus Höhner, der Reporter, der das Spiel der Kickers in Düsseldorf gegen Uerdingen live kommentiert hatte, fragte den Linksverteidiger: „Wenn man solche Spiele so spät gewinnt und sich noch belohnt – steigt man dann auch auf?“ Kwadwo lächelte milde und sagte: „Uns ist das relativ egal.“ – Logisch: Es ist den FWK-Profis ganz und gar nicht egal; aber in dieser Aussage steckt ein weiterer Grund für den Höhenflug. Es ist auch eine große Portion Gelassenheit, die die Würzburger durch die letzten Wochen trägt. Während Duisburg, Rostock, Braunschweig oder Ingolstadt aufsteigen „müssen“, ist das bei den Kickers mehr ein „Wollen“ und „Möchten“ als ein „Müssen“.

Unterschiedsspieler gebracht

Wie bereits gegen Chemnitz, hatten die Unterfranken auch in Düsseldorf das „Momentum“ auf ihrer Seite. Die sehr harte Gelb-Rote Karte gegen die Uerdinger führte letztlich dazu, dass die Kickers die totale Kontrolle auf dem Platz übernahmen und den KFC müde spielten. Damit wurde die Tatsache ein wenig übertüncht, dass die Kickers am Dienstag erstmals ein wenig müder und nicht so leichtfüßig wirkten, wie in den vergangenen Begegnungen. Dazu erreichten einige Spieler wie Gnaase, Hemmerich, Breunig oder Vrenezi bei weitem nicht ihr Leistungsmaximum. Aber auch das macht derzeit nichts aus: Der FWK gewinnt trotzdem, auch weil Trainer Schiele wie in Düsseldorf vor allem in Person von Herrmann und Pfeiffer nochmals Spieler von der Bank bringen konnte, die derzeit Unterschiedsspieler sind und Begegnungen entscheiden können – siehe Pfeiffer mit seinem späten Siegtreffer zum 2:1 in der 88. Minute.

Dazu kommt nun noch, dass die Konkurrenz kurzatmig wird und den Anschluss verliert – so wie am Dienstag Rostock (1:1 gegen Kaiserslautern) und Duisburg (0:1 bei Fortuna Köln). Die Mittwochsspiele waren bei Redaktionsschluss dieser Seite noch nicht alle beendet.

Am Samstag kommen die Rostocker nach Würzburg, und sollten die Kickers auch da gewinnen, „dann wird der Aufstieg nicht mehr zu verhindern sein“, wie es ein Journalist kürzlich süffisant ausdrückte. Das Schiele-Team weiß das. Auch wenn das Wort „Aufstieg“ weiter keiner in den Mund nimmt, so sind sich doch alle der Tatsache bewusst, dass sie in dieser Saison Großes schaffen können – und auch unbedingt wollen . . .