Kickers Würzburg

Fußball In den FN erklärt Peter Kurzweg die Missverständnisse um seinen Wechsel nach Ingolstadt

„Er ging nicht ans Telefon“

Die ernüchternde englische Woche mit null Punkten und 4:11 Toren aus drei Spielen, offenbarte eine Menge ungeahnter Baustellen im Drittliga-Team des FC Würzburger Kickers. Eine die den Verantwortlichen schon seit Wochen bekannt ist, ist jene auf der linken Abwehrseite. Auch nach vier Spieltagen schafften es die Kickers noch nicht, einen nominellen Linksverteidiger für den Kader zu verpflichten.

Beim 0:3 in Ingolstadt musste Mannschaftskapitän Sebastian Schuppan links hinten ran. Für den 33-Jährigen war das keine neue Rolle, spielte er doch einst jahrelang in der 3. und 2. Liga als Linksverteidiger. Doch es war unweigerlich zu erkennen, dass er in Sachen Geschwindigkeit auf der Außenbahn deutlich größere Probleme hat, als auf seiner mittlerweile angestammten Position als Innenverteidiger.

Einen, den man bei den „Rothosen“ gerne auf der Linksverteidiger-Position gesehen hätte, stand bei den „Schanzern“ auf den Rasen – das sogar als Rechtsverteidiger, weil der FCI – im Gegensatz zum FWK – links-defensiv überbesetzt ist. Die Rede ist von Peter Kurzweg, der von 2015 bis 2017 und dann noch mal in der vergangenen Saison (als Leihgabe von Union Berlin) im Trikot der Kickers in insgesamt 91 Spielen aufgelaufen ist. Vermutlich ist der 25-Jährige sogar nicht unschuldig am derzeitigen „linken“ Dilemma der Würzburger. Schließlich hat man sich in Unterfranken große Hoffnungen gemacht, dass Kurzweg auch in dieser Saison am Dallenberg seine berüchtigten Grätschen auspackt. Es kam anders.

Am 19. Juli wurde sein Wechsel von Union Berlin zum Zweitliga-Absteiger FC Ingolstadt publik. Tags drauf machte Michael Schiele aus seinem Herzen keine Mördergrube und verriet gegenüber den Fränkischen Nachrichten: „Eigentlich hatte ich mit ihm die Vereinbarung, dass er es erstmal bei Union Berlin probieren wird und wenn das nicht klappt, wollten wir gemeinsam nach einer Lösung suchen.“ Aus einem „gemeinsam“ sollte nichts werden. Schiele erfuhr vom Wechsel aus dem Internet.

Gewohnt zweikampfstark

Nun kam es zum Wiedersehen. Kurzweg machte ein starke Partie – hatte sogar zwei hervorragende Einschussmöglichkeiten auf dem Fuß. Aber ein Torjäger war er auch zu Kickers-Zeiten nicht. Ansonsten bot er sein gewohnt lauf- und zweikampfstarke Begegnung. Auf dem Spielfeld gilt Peter Kurzweg als beinhart, nach den 90 Minuten gegen „den Ex“ war er aber doch auf sehr Versöhnung aus.

In einem Gespräch mit den FN versuchte der Defensivspezialist die Situation aus dem Juli zu erklären: „Das mit Ingolstadt ergab sich relativ kurzfristig. Ich habe auch versucht Michael (Schiele) telefonisch zu erreichen, um ihn meine Entscheidung mitzuteilen. Er ging damals nicht ran. Ich habe es dann verplant, es noch einmal zu probieren. Das tut mir wirklich leid, und es war keine böse Absicht von mir. Ich bin keiner, der jemanden hinter seinen Rücken hintergeht. Trotzdem war das nicht korrekt von mir. Ich habe Michael auch sehr viel zu verdanken.“

In Würzburg wurde der Ex-Löwe in seinen drei Jahren zu einer der großen Identifikationsfiguren, in dem sonst von großer Fluktuation geprägten Profikader der letzten vier Jahre. Auch wenn er mittlerweile ein „Schanzer“ ist, glaubt er weiter an die „Rothosen“: „Man hat auf dem Platz schon gemerkt, dass die Mannschaft durch die letzten Spiele sehr verunsichert ist. Die Jungs haben aber viel Qualität. Ich bin mir sicher, dass der Trainer das wieder hinbekommt und die Kickers wieder punkten werden.“

Schließlich kommen in den nächsten Wochen in der 3. Liga auch deutlich kleinere Kaliber als der FC Ingolstadt auf Würzburg zu. Die Oberbayern zeigten deutlich auf, dass im Aufstiegsrennen mit ihnen zu rechen ist, die Kickers hingegen, dass das kuriose 4:5 gegen Unterhaching doch deutliche Spuren hinterließ und für eine erste sportliche Krise in der noch jungen Saison führte. Die offenen Baustellen gilt es schleunigst zu beheben, um wieder in die Spur zu kommen. Den Glauben hat die Mannschaft trotz der zwei 0:3-Pleiten jedoch nicht verloren. „Wir wissen was wir können und wir kommen sowieso wieder“, gab sich Torwart Eric Verstappen nach Schlusspfiff kämpferisch, bevor er enttäuscht in der Gastkabine des „Audi-Sportparks“ verschwand.

Dort stand dann auch noch Peter Kurzweg zusammen mit Michael Schiele für ein Vieraugengespräch. Zumindest diese Baustelle scheint geschlossen.