Kickers Würzburg

3. Liga Nach dem 0:2 gegen Duisburg tun sich die Kickers-Protagonisten schwer, die Leistung einzuordnen / Die Fakten sind eindeutig

Eine teuflische Mischung

Archivartikel

FC Würzburger Kickers – MSV Duisburg 0:2

Würzburg: Müller, Kaufmann, Gnaase (83. Widemann), Vrenezi (59. Hemmerich), Sontheimer, Pfeiffer, Hägele, Schuppan, Rhein (70. Breitkreuz), Ronstadt, Herrmann.

Duisburg: Weinkauf, Brügmann, Stoppelkamp (89. Budimbu), Daschner (82. Scepanik), Albutat, Sicker, Mickels, Jansen, Vermeij (73. Sliskovic), Gembalies, Boeder.

Tore: 0:1 (17.) Stoppelkamp, 0:2 (45.) Daschner. – Schiedsrichter: Eric Müller (Bremen). – Zuschauer: 5355.

Wie schwer es fällt, die Leistung der Würzburger bei der 0:2-Heimniederlage gegen den MSV Duisburg einzuordnen, zeigt die Aussage von FWK-Linksverteidiger Robert Herrmann nach dem Schlusspfiff: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht; naja, was heißt ein gutes Spiel…“ Trainer Michael Schiele war da schon etwas forscher: „Ich wusste, dass die Mannschaft ein gutes Spiel machen wird.“ Co-Kapitän Daniel Hägele stellte dagegen fest: „Die Leistung hat nicht gereicht.“

Auch die Zuschauer waren geteilter Meinung: Während einige rot-weißen Schalträger noch kurz vor dem Schlusspfiff händeklatschend versuchten, die Kickers zum Anschlusstreffer zu treiben, hatte schon 15 Minuten vor dem Ende ein Anhänger auf der Haupttribüne die Darbietung des FWK als „Gekäsper“ bezeichnet. Ja was nun?

Die „Rothosen“ haben sich gegen den Aufstiegsaspiranten Duisburg eine Vielzahl ordentlicher Chancen erspielt – aber diese eben nicht genutzt. Im Spiel nach vorne war das fußballerisch eine so gute Darbietung, dass Gäste-Trainer Torsten Lieberknecht „Matchglück“ als Grund für den Sieg der Seinen nannte. Dieses Wort tat Kickers-Coach Michael Schiele sichtlich gut, doch auch er verhehlte nicht, dass es im Spiel seiner Mannschaft „Dinge gab, die mir nicht gefallen haben“.

Laissez-faire verteidigt

Die Spielverlagerung sei mangelhaft gewesen, zu wenig Flanken kamen außen in den Strafraum, „obwohl wir wussten, dass sie da verwundbar sind“ und das von laissez-faire geprägte Abwehrverhalten kritisierte Schiele. Viel zu leicht kamen die Duisburger zu ihren Treffern. Die Torschützen Moritz Stoppelkamp und Lukas Daschner standen bei ihren „Buden“ jeweils „glockenfrei“. Die Würzburger haben es in 13 Spielen nicht einmal geschafft, hinten zu null zu spielen.

Diese Tatsache und die schlechte Chancenverwertung am Samstag sind eine teuflische Mischung im Fußball. So schwer wie nämlich die Leistung vom Samstag als „gut oder nicht so gut“ einzuordnen ist, so einfach ist es, aus den Fakten abzulesen, dass nun auch die kühnsten Optimisten, welche die Kickers eigentlich in der Spitzengruppe wähnten, zu Realisten werden sollten: 1,23 Punkte holten die Würzburger bisher im Schnitt. Das wären am Rundenende 46,7. Zum Vergleich: Cottbus ist in der vorigen Saison mit 45 Zählern abgestiegen. Rechnet man die bisher 31 Gegentore hoch, dann haben die Kickers am Rundenende 90,6 Gegentreffer „gefangen“ – so viele hatte in der zurückliegenden Spielzeit noch nicht einmal einer der vier Absteiger kassiert…

Vielleicht sind alle Handelnden der Kickers bei der Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Mannschaft gut beraten, sich einzugestehen, dass es in dieser Saison nur um den Klassenerhalt gehen kann. Aussagen wie die von Albion Vrenezi vor dem Duisburg-Spiel, man wolle den Abstand nach oben so gering wie möglich halten, sind nicht zielführend. Vielmehr müsste bei allen Protagonisten die Einsicht reifen, dass es ausschließlich um den Klassenerhalt geht und man diesen nur mit einer stabilen Defensive erreichen kann. Trainer Michael Schiele scheint der Erste zu sein: „Wir werden den Fokus mehr auf hinten legen.“ Verteidiger sind ja genug im Kader. . .