Kickers Würzburg

Fußball Die gute Leistung von Vincent Müller gegen „Sechzig“ bestätigt Trainer Schiele, dass er mit dem Torwartwechsel richtig gelegen ist

„Ab jetzt immer 2:1 gewinnen“

Als sich die Kickers-Mannschaft direkt nach dem Schlusspfiff hüpfend zu einem Kreis versammelte, setzte Trainer Michael Schiele zum Sprint an. Er wetzte auf seine Spieler zu und sprang, übermütig wie ein kleiner Junge, in den Pulk seiner Schützlinge. Ausgelassen feierten sämtliche Protagonisten der Würzburger, die am Montagabend in einem packenden Kampfspiel den TSV 1860 München mit 2:1 niedergerungen hatten (wir berichteten). „Heute haben wir zum Schluss mal kein Tor bekommen“, sagte der FWK-Trainer einige Minuten später mit einem dicken Augenzwinkern.

Er spielte damit auf die latent schwelende Diskussion um die vielen Gegentreffer der Kickers an, die dem Coach sichtlich auf die Nerven geht. Freilich hat auch er das Defensiv-Defizit erkannt, und er arbeitet mit seiner Mannschaft Woche für Woche intensiv an diesem Problem. Nach der Umstellung in der Viererkette vor einigen Wochen hat der 41-jährige Fußballlehrer nun eine zweite einschneidende Maßnahme getroffen: Gegen „die Löwen“ aus München spielte erstmals Vincent Müller im Tor der Kickers in einem Liga-Spiel von Beginn an. Und wie!

Klasse Paraden

Der 19-jährige „Benjamin“ im Kickers-Kader hielt mit zwei klasse Paraden in der Schlussphase den Sieg der Unterfranken gegen die Oberbayern fest. Sagen durfte der Torhüter, der vor der Saison von der U19 des 1. FC Köln nach Würzburg kam, nichts. Er verschwand wortlos in der Umkleidekabine. Dafür sprachen andere: „Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, er soll ruhig bleiben und sich nicht so viele Gedanken machen“, berichtete Dave Gnaase und fügte an: „Er hat das überragend gemacht.“ Fabio Kaufmann sagte: „Er hat Ruhe ausgestrahlt.“

Es war ja nicht so, dass da ein „Wildfremder“ im Tor stand. Vincent Müller hatte bisher in den bayerischen Verbandspokal-Begegnungen gespielt. „Das hat er gut gemacht, und jetzt hat man im Training gemerkt, dass er beißt“, berichtete Trainer Michael Schiele. Am Tag vor dem Spiel hatte der Trainer seinem Schützling mitgeteilt, dass er für Eric Verstappen zwischen den Pfosten stehen würde. „Bei den vielen Gegentoren war es an der Zeit, etwas zu ändern“, begründete Schiele seine Maßnahme und fühlte sich danach bestätigt: „Er hat seine Sache ordentlich gemacht und auch fußballerische Lösungen gefunden.“

Neben seinen Paraden gegen „Sechzig“-Torjäger Sascha Mölders (70./90.) zeigte Vincent Müller auch seine fußballerischen Fähigkeiten bei Rückpässen und im Aufbau. Das tat dem Spiel der Kickers gut, das am Montagabend durch die kämpferische Komponente auf ein gutes Drittliga-Niveau gehoben wurde. „Wir haben einen sehr hohen Aufwand betrieben“, sagte Schiele.

Niveau weiter steigern

Nun gilt es, diese Leistung zu konservieren und möglichst noch zu steigern. Die Kickers stehen in der Tabelle „zwischen Baum und Borke“, um das Wort „Niemandsland“ zu vermeiden. Siegtorschütze Fabio Kaufmann empfiehlt, erst gar nicht aufs Tableau zu schauen. Er hat es aber wohl doch getan, denn in einem Nebensatz warf er ein, dass „oben“ noch nicht so weit weg sei. Zu den Gegentoren hat er eine ganz eigene Meinung: „Wir haben zwar wieder nicht zu null gespielt, aber gewonnen. Von mir aus können wir jetzt jedes Spiel 2:1 gewinnen, dann sieht es auch so nicht schlecht aus.“

Nach der Länderspielpause treten die Würzburger Kickers beim Letzten Carl-Zeiss Jena an. Dort werden die gesperrten Dave Gnaase und Luca Pfeiffer fehlen – aber Vincent Müller wird sicher wieder im Tor der Unterfranken stehen . . .