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Was sich im Sommer in der Schule abspielt

Archivartikel

Ferienzeit: Juli, August, September – sind das wirklich die drei besten Gründe, Lehrer zu werden? Jugendredakteurin Ursula Heß wollte wissen, was während der Sommerferien in der Schule passiert. Von Ursula Heß

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Lehramt studiere, kriege ich jedes mal dasselbe zu hören: „Du willst doch nur sechs Wochen frei im Sommer!“ Dieses Klischee hält sich hartnäckig, aber ist da was dran? Haben wirklich alle Menschen, die an einer Schule arbeiten, sechs Wochen frei im Sommer? Um das herauszufinden, habe ich eine weiterführende Schule im Main-Tauber-Kreis besucht und nachgefragt.

Taschengeld aufbessern

Als ich noch zur Schule ging, war es ein begehrter Ferienjob, in der Schule zu putzen. Und auch ich habe mir damit mein Taschengeld aufgebessert. Das Reinigungspersonal arbeitet nicht nur während der Schulzeit, sondern auch in den Ferien. Die Grundreinigung steht an. Die Leiterin des Reinigungspersonals erzählt mir, dass dieses Jahr vier Kräfte und fünf Schüler das Gebäude auf Vordermann gebracht haben. Grundreinigen, Wachsen, Spinnenweben entfernen, die vielen hundert Stühle und Tische putzen, Kaugummis abkratzen. All das kostet viel Zeit: Die erste, die zweite und die sechste Woche der Sommerferien werden dafür benötigt. Jedes Klassenzimmer wird leergeräumt, geputzt und wieder eingeräumt. Zusätzlich wird auch das Schulgebäude von externen Firmen wieder instand gesetzt.

Aber die Reinigungskräfte sind nicht allein! Das Sekretariat ist noch besetzt und auch die Schulleitung ist noch da. Im Gespräch kommen interessante Dinge ans Tageslicht. Die Schulleitung gibt aber folgendes zu: „Ja, die Haupturlaubszeit für Lehrer sind die Sommerferien. Schließlich sind das die einzigen Ferien, in denen keine Klausuren korrigiert werden müssen. Lehrer haben je nach Fach während der Schulzeit durchaus 50 bis 55 Arbeitstunden, da sind die Sommerferien dazu da, um wieder Kraft zu tanken.“ Allerdings steht in den Sommerferien viel Organisations- und Administrationsarbeit an. „Die vielen Details machen es aus“, meint eine Sekretärin. Klassen einteilen, Stundenpläne erstellen, Lehrer-Stellen besetzen, Innere Kommunikation, Kommunikation nach außen wie beispielsweise Elternbriefe und die Rahmenplanung fürs neue Schuljahr stehen genauso auf dem Programm wie die Fragen „Wann wird das Abitur geschrieben?“, „Wann sind mündliche Prüfungen?“ und „Wann müssen die Lehrer zu anderen Schulen zum Prüfen?“. Genauso muss aber auch die Umsetzung neuer Vorgaben vom Kultusministerium thematisiert werden. Dieses Jahr wurde das System der Oberstufe wieder zu Leistungskursen umgestellt. Auch das bedeutet Arbeit wie beispielsweise die Anschaffung neuer Bücher. Der Büchereinzug und die Ausgabe sind jedes Jahr anstrengend für Schüler, Eltern und Lehrer. Manchmal findet nämlich nicht jede Lektüre den Weg zurück ins schulische Regal. Dann wird es bei der Bücherausgabe wiederum knifflig. Zuerst werden alte „Schinken“ aussortiert, Bücher neu oder nachbestellt und diese dann ins System aufgenommen. Ende August und Anfang September treffen sich die zuständigen Lehrer. Mit der Hilfe von Schülern werden dann die neuen Bücherstapel für 24 Klassen gerichtet. Und die Lehrer? Die sind meistens für die erste und letzte Woche der Sommerferien da – für die Nach- und Vorbereitung. Zu Beginn der Ferien muss manchmal noch die Zukunft einzelner Schüler geklärt werden. Lehrer müssen Eltern und Schüler beraten – zum Beispiel bei Nichtversetzung. Zudem müssen statistische Daten erhoben werden, die unter anderem an das Regierungspräsidium gehen.

Ferien, da arbeitslos

Nur angestellte Lehrkräfte müssen während der sechs Wochen nicht zur Arbeit. Das sind aber auch diejenigen, die während der Sommerferien oft arbeitslos sind. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit meldeten sich 2018 circa 6000 Lehrer für die Dauer (oder einen Teil) der Sommerferien arbeitslos. Das liegt an den befristeten Verträgen. Die meisten Lehrkräfte arbeiten also auch während der Sommerferien. Was man aber nicht vergessen darf, ist, dass auch Lehrkräfte Menschen sind. Dass sie einen höchst anstrengenden Job ausüben, ist längst kein Geheimnis. Darum sei es den ihnen gegönnt, wenigstens vier Wochen im Sommer freizuhaben.