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Früherer Schulbeginn?

Archivartikel

In letzter Zeit kursiert das Thema späterer Schulbeginn rauf und runter durch die Medien. Wäre es wirklich besser, wenn die Schule später beginnen würde? Mehreren Studien zu Folge wäre ein späterer Schulbeginn gerade für pubertierende Jugendliche besser.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Bio-Rhythmus, der wie seine eigene innere Uhr für den ganzen Organismus quasi den Takt vorgibt. Und diese Uhr tickt bei jedem unterschiedlich. Wie die Universität Trier berichtet, gibt es verschiedene Chronotypen; die Lerche, die für die Frühaufsteher unter uns steht, und die Eule, die eher die „Spätaufsteher“ symbolisiert. Zwar hängt es auch genetisch bedingt davon ab, welcher Typ man ist. Doch das Alter spielt immer eine entscheidende Rolle. In der Pubertät verschiebt sich der Rhythmus nach hinten, so dass auch einstige Frühaufsteher irgendwann gerne länger im Bett bleiben. Von wissenschaftlicher Seite ist es also empfohlen, den morgendlichen Schulbeginn nach hinten zu verschieben, da Schüler so viel leistungsfähiger und aufnahmefähiger sind. Fakt ist aber auch, dass an einem späteren Schulbeginn viele andere Faktoren beteiligt sind, egal, ob aus Lehrer-, Mutter-, oder Schülersicht.

Lehrer ist ein Frühaufsteher

Christoph Ködel, Lehrer an der Realschule Creglingen, zählt sich selbst zu den Frühaufstehern. Er findet, dass der Schulbeginn um 7.45 Uhr kein Problem darstellt. Sicherlich seien Schüler in der ersten Stunde noch etwas müde. Doch sind seiner Meinung nach sicherlich viele – gerade berufstätige – Eltern darauf angewiesen, dass ihre Kinder zu der gewohnten Zeit das Haus verlassen. Bei einem späteren Schulbeginn müssten wahrscheinlich viele Eltern morgens länger daheimbleiben, wobei sich schlussfolgernd auch Betriebe bezeihungsweise Unternehmen darauf einstellen müssten. Dabei wäre man wieder beim politischen Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sich für eine der Seiten entscheiden, möchte Ködel nicht; da es von Person zu Person abhängig ist. Der Französischlehrer war vor ein paar Jahren auch für ein halbes Jahr in Frankreich an einer Schule. Wie er berichtet, hat dort die Schule später angefangen. Dafür ging sie aber auch länger. Die Kinder kamen also gegen fünf, halb sechs heim, hatten noch ihre Hausaufgaben zu erledigen und im Vergleich zu den Schülern in Deutschland kaum noch Freizeit. Ein weiterer Aspekt, weshalb ein früherer Schulbeginn auch Vorteile hat.

Ein wenig anders sieht es Amelie Haag aus Schmerbach. Sie ist Schülerin in der sechsten Klasse der Realschule Creglingen und fände es viel angenehmer, morgens etwas länger schlafen zu können. Gerade im Winter, wenn es zur frühen Stunde noch sehr dunkel ist, würde sie lieber noch etwas im Bett schlummern.

Kampf gegen die Müdigkeit

Zur regulären ersten Stunde steht die Schülerin zwischen halb und dreiviertel sieben auf. Doch wie sie erzählt, wird es dabei eher dreiviertel sieben, da die Müdigkeit sie im Bett hält. Auf der anderen Seite fände sie es auch schade, wenn wegen des späteren Beginns der Unterricht auch erst später enden würde. Denn Freunde treffen und ihren Hobbys nachgehen möchte sie auch. Claudia Haag, Amelies Mutter, erinnert sich noch genau daran, wie schwer das frühe Aufstehen für sie als Jugendliche war. Als zweifache Mutter findet sie aber, dass der Unterrichtsbeginn so bleiben sollte. Zwar wäre für sie ein späterer Beginn kein Problem. Wie sie erklärt, sind ihre beiden Töchter schon größer und brauchen keine Hilfe mehr, um sich für die Schule fertig zu machen. Doch für viele Eltern, die noch jüngere Kinder haben, könnte das durchaus zu einem Problem werden.

Das Ehepaar Birgit und Traugott Simon aus Weikersheim, die beide als Grundschullehrer beruflich tätig waren, schildern den Schulalltag so, dass die Erst- und Zweitklässler immer erst zur zweiten Stunde um 8.15 Uhr erscheinen mussten. Die Älteren hatten schon um 7.25 Uhr Unterrichtsbeginn, was im Vergleich für das Grundschulalter sehr früh ist. Im FN-Gespräch berichtet Birgit Simon über ihre Zeit an einer deutschen Schule in Spanien. Dort fand der Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr statt, wobei die Schule dann um 14 Uhr endete. Dies ist aber auch nur möglich, da im Vergleich zu Deutschland Berufstätige erst später anfangen müssen, so Simon.

Eine eindeutige Entscheidung für oder gegen einen späteren Schulbeginn ist schwer zu treffen. Denn das hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab – beispielsweise vom öffentlichen Nahverkehr.

Auch die Politik spielt eine entscheidende Rolle. Fakt ist aber auch, dass gerade in der Pubertät viel und ausreichend Schlaf sehr wichtig für die Gesundheit und Entwicklung ist.