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Der Reiz des Gruselns

Archivartikel

Die Begeisterung der Deutschen für das Gruseln ist offensichtlich: „ES 2“, die Fortsetzung des Films über den Horrorclown Pennywise, erreicht erfolgreiche Kinoquoten, landesweit finden große Halloweenpartys statt und die Dekorationen in Supermärkten und Bücherläden erinnern mit schwarzen Fledermäusen und Co. unmissverständlich an den 31. Oktober. Viele Menschen verspüren das innere Bedürfnis, der alltäglichen „Langeweile“ zu entfliehen und freuen sich auf Horrorfeste und Schauertage. Die Kritik an jenem Kulturphänomen scheint leiser geworden zu sein.

Zwar plädieren die Kirchen dafür, sich an die religiösen Inhalte des 31. Oktobers, den evangelischen Reformationstag und das katholische Allerheiligen, welches ein Tag darauf gefeiert wird, zu erinnern. Und es gibt auch kritische Stimmen, die den Kommerz hinter Halloween anprangern. Dennoch hat sich das Fest zu einem modernen, zum Großteil akzeptierten Brauch entwickelt – warum auch nicht.

Ausnahmesituation

Für viele Menschen liegt der Reiz im Gruseln darin, Angst, Panik und damit eine emotionale Ausnahmesituation zu erleben – ohne dass sie gleich um ihr Leben fürchten müssen. Früher erlebten Menschen dieses Gefühl bei öffentlichen Hinrichtungen, heute reicht – zum Glück – das gemeinsame Schauen eines Horrorfilms. Apropos gemeinsam: Neben dem emotionalen Ausnahmezustand ist das gemeinsame Feiern bei Halloween ein wesentlicher Aspekt: für die Kleinen beim Sammeln von Süßigkeiten, für die Großen bei Partys und Festen. Es werden Kostüme geplant, Süßigkeiten gegessen und gefeiert. Auch wenn es sich dabei dann um eine Gemeinschaft von Zombies und anderen Horrorgestalten handelt, wird das „Wir-Gefühl“ gelebt und zelebriert – eine gute Sache.