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Alles makellos und professionell – oder?

Wie stellen wir uns in den sozialen Medien dar? Und sind Facebook, Instagram & Co. die Fotoalben der modernen Zeit? Unsere Jugendredakteurin ging dieser Frage nach und schilderte ihre Erlebnisse und Beobachtungen. Von Lorena Klingert

Ob die Geburtstagsfeier mit der Familie, die Party mit den Freunden, der Urlaub oder ein Selfie – es werden unzählig viele Bilder geschossen. Während man früher noch sorgfältig den Film entwickeln lies und mit Spannung darauf wartete, dass die Bilder endlich fertig waren und sie dann zum ersten Mal zu sehen bekam, um sie anschließend in ein Fotoalbum einzukleben, hat man heute eine riesige digitale Bildergalerie.

Bilder sind ganz schnell geteilt

Fotos kann man jederzeit anschauen, verschicken, ausdrucken oder löschen. Früher blieb es oft bei einzelnen, ausgewählten Bildern, während heute viele regelrecht süchtig danach sind, jeden Moment festzuhalten und das schönste Bild zu schießen. Und nie war es einfacher diese Bilder mit seinen Freunden, Bekannten, Kollegen und Verwandten zu teilen beziehungsweise auch der Öffentlichkeit zu zeigen – zum Beispiel über die Social-Media-App Instagram.

Laut einer Statistik der Internet-Plattform brandwatch.com wurden bisher über 40 Milliarden Fotos bei Instagram geteilt. Täglich werden etwa 3,5 Milliarden Likes vergeben. An einem durchschnittlichen Tag werden sage und schreibe 95 Millionen Posts geteilt (Stand Juni 2016). Die Zahl ist wahrscheinlich heute noch höher, denn im Vergleich von 2016 zu 2018 hat sich die Nutzung inzwischen verdoppelt. 63 Prozent der Instagram-Nutzer verwenden die App täglich.

Manch einer hält seine Erlebnisse gerne privat und möchte lieber nicht so viel von seinem Leben preisgeben. Andere wiederum nutzen die Plattform gerne, um zu zeigen, wo sie sind und was sie gerade machen. Das lässt sich einfach einstellen, indem man selbst entscheidet, ob nur ein ausgewählter Kreis oder die ganze Welt die eigenen Beiträge sehen kann.

Der Schein trügt

Makellose Bilder, professionelles Styling, trainierte Körper, perfekte Urlaubsfotos: Social-Media-Plattformen und vor allem Instagram sind voll von solchen Bildern. Sie leben quasi davon. Ein Blick in die Galerien bekannter deutscher Promis genügt. Doch dieser Schein kann oft trügen. Durch mittlerweile relativ einfache Bildbearbeitung, die schon mit wenigen Klicks direkt auf dem Smartphone möglich ist, sind Bilder leicht zu verändern. Oft wird ein Eindruck vermittelt, der bei vielen Nutzern einen Drang nach diesem Perfektionismus auslöst – eine Art der Selbstdarstellung.

Auch ich selbst habe schon erlebt, welche Eindrücke das eigene Instagram-Profil erwecken kann. Da ich gerne Bilder aus dem Urlaub teile, bin ich im Freundeskreis schon öfter darauf angesprochen worden, ob ich denn zwischendurch überhaupt mal Zuhause sei oder überhaupt noch arbeite. So einfach kann das Postingverhalten die Nutzer also täuschen.

Im Oktober 2013 führte Instagram erstmalig Werbemöglichkeiten für ausgewählte Marken ein. Diese Funktion wurde ab September 2015 dann für alle Marken ausgeweitet.

Durch Instagram entstand dadurch auch der Trend der „Influencer“ (englisch „to influence“; deutsch „beeinflussen“), bei dem Personen, die oftmals im öffentlichen Leben stehen, aufgrund ihrer Reichweite, Lebensstils und Social-Media-Präsenz als Träger von Werbung und Vermarktung infrage kommen. Unternehmen wollen natürlich perfekte aussehende Bilder zur Produktplatzierung im Internet, denn damit erreichen sie viele Millionen Menschen.

Nutzung überdenken

Wem man folgt und welche Beiträge man sich anschaut, kann man weitestgehend selbst entscheiden, wenn man von eingespielter Werbung absieht. Wer sich also leicht beeinflussen oder von einem perfekten Erscheinungsbild einschüchtern lässt, sollte seine Abonnentenliste vielleicht lieber einmal genau unter die Lupe nehmen.