Igersheim

Wittenstein SE Reaktionsräder für Projekt des Würzburger Zentrums für Telematik hergestellt / Satelliten ermöglichen Bildaufnahmen aus allen Perspektiven

Weltraumantrieb auf Kleinstgröße

Archivartikel

Wittenstein SE liefert den Motor für ein ambitioniertes Weltraumprojekt. Verbaut in Kleinstsatelliten, fliegen diese in einer Formation, um Bildaufnahmen aus allen Winkeln zu ermöglichen.

Igersheim. Vier würfelförmige Kleinst-Satelliten des Würzburger Zentrums für Telematik (ZfT) umkreisen nun die Erde auf einer Umlaufbahn in 600 Kilometern Höhe. Den Antrieb liefern Miniatursysteme des Unternehmens Wittenstein SE.

Nur zehn mal zehn mal 30 Zentimeter groß sind die Weltraumobjekte aus Würzburg. In ihnen befinden sich jeweils sechs sogenannte Reaktionsräder, angeordnet in einem Drei-Achsen-System für die Stabilisierung im Weltall. Mit den Reaktionsrädern können die Satelliten ihren exakten Formationsflug im Orbit völlig autonom ausrichten.

Ein Reaktionsrad bringt durch Änderungen seiner Drehzahl ein Drehmoment auf den Satelliten auf, um ihn in der gleichen Achse, aber in Gegenrichtung zu drehen. Besonders wichtig bei der Mission war und ist, dass alle notwendigen Bauteile und die gesamte Elektronik auf dem engen Bauraum Platz finden. Die Reaktionsräder von Wittenstein sind deshalb als zwei mal zwei mal zwei Zentimeter kleine Würfel entwickelt, in denen der Motor und die elektronische Steuerung bereits integriert sind.

Eine Funkverbindung ermöglicht den Datenaustausch unter den Kleinst-Satelliten, wodurch verschiedene Manöver realisiert werden können.

Die Idee des Formationsflugs mehrerer Objekte eröffnet übrigens völlige neue Möglichkeiten. Denn wenn ein Gegenstand komplett ohne toten Winkel erfasst werden soll, muss man ihn aus verschiedenen Richtungen aufnehmen und diese Bildinformationen dann kombinieren.

Gelingt diese ambitionierte Weltpremiere, setzt das Projekt „NetSat“ neue Maßstäbe in der dreidimensionalen Beobachtung des Planeten bei der Erforschung des Klimas und des Klimawandels oder um für künftige Kommunikationsnetze besser aufgestellt zu sein.

Erfolgreich ins Weltall gebracht hat sie am 28. September eine russische Sojus-Rakete vom nordrussischen Weltraumbahnhof „Kosmodrom Plessezk“. Das wohl prominenteste „Fahrzeug“, das derzeit die Erde umrundet, ist die ISS: Mit knapp 7,6 Kilometern pro Sekunde, also etwa 27 500 Kilometern pro Stunde, umkreist die Weltraumstation die Erde und benötigt dafür knapp 90 Minuten.

Doch daneben tummeln sich längst viele Kleinsatelliten im sogenannten Low-Earth-Orbit und senden dabei aufgenommene Informationen oder stellen einen Internetzugang an entlegenen Orten zur Verfügung. pm/gs