Igersheim

Prunksitzung Kalroben feierten Fasching in der Igersheimer Erlenbachhalle / Gastauftritte unter anderem von Walldürnern und Schweinbergern

Närrisches Spektakel sorgte für Stimmung

Archivartikel

Wie man richtig feiert, erlebten die Gäste der Prunksitzung der Kalroben. Kabarett und Schautanz sorgten für ausgelassene Stimmung und helle Gemüter. Das Fazit des Autors: Weiter so!

Igersheim. Die Kalroben verstehen zu feiern. Im Jubiläumsjahr luden sie wieder einmal zur Prunksitzung. Vorerst – und das ist wichtig – also vorerst letztmalig in der Erlenbachhalle. Denn die wird saniert. Und wenn die Kalroben weiterhin mit so vielen eigenen Programmpunkten aufwarten, dann können sie nach dem Abschluss der Arbeiten die Erlenbachhalle auch wieder problemlos füllen.

Immer kräftig auf die Ohren

Die Gala-Show am Freitag war mehr als sehenswert, und die Halle war voll. Das Publikum sowie die vielen Abordnungen befreundeter Narrengesellschaften – rund 80 Köpfe stark – bekamen kräftig auf die Ohren. Zum einen von der Igersheimer Trachtenkapelle unter Leitung von Gerd Landkammer (auch er feierte ein Jubläum, denn zum zehnten Mal leitete der Markelsheimer die Kapelle bei einer Kalroben-Prunksitzung). Die Igersheimer Musiker agierten perfekt, da stimmte jeder Ton und jeder Einsatz!

Dasselbe galt für den Historischen Deutschordens-Spielmannszug, der beim Einzug der Kalroben und ihrer zahlreichen Gäste für Stimmung sorgte.

Nach der Vorstellung und den einleitenden Worten der Igersheimer Prinzenpaare ging es auch schon los - und der Schwung hielt die ganze lange Nacht an. Das Einstimmungs-Motto „Ein Hoch auf uns!“ war also Programm, und Sitzungs-Präsident Michael Hopf war ein vielbeschäftigter Mann.

Den Bütten-Einstieg machte ein echtes Ass: Der Schweinfurter Peter Kuhn als britischer Gentleman erwies sich als profunder Kenner der diversen Probleme in GB und Deutschland. Ob „bekloppt in Liverpool“ oder auch politisch: Zum AfD-Rechtsaußen und Flügelstar Björn Höcke fand er treffende Worte: „Schließt mal eure Augenlider und ihr hört den Hitler wieder!“ – da gab es viel Applaus.

Tanzen ins Land der Süßigkeiten

Die Kalroben-Minis tanzten dann ins Land der Süßigkeiten, und da machte das Zuschaen ebenso viel Freude wie bei den zuvor aufgetretenen Tanzmariechen der Narhalle Boxberg, Fe Kohler und Alla Korkut. Groß wurden Ohren und Augen bei der Mini-Jubiläumsshow der Kalroben – die Tortenbäckerin kündigte sich lautstark an, und die Geburtstagstorte war ein Großbauwerk. Dass nach langen Beschwörungsformeln keine Dame, sondern Kalroben-Mundschenk Hugo Michler im Kaninchenkostüm heraussprang, war ein echter Überraschungsgag.

Die Kalroben-Kids präsentierten dann bunt und schwungvoll ihren „Piraten“-Showtanz. Und der kam an: Die Formation erhielt viel Applaus. Die „Biertester“ amüsierten mit fröhlichen Liedchen zum Thema und ihrer Gelenkigkeit: Der Gang in den „Keller“, besonders auf der Wendeltreppe, war eine gymnastische Sonderleistung. Andreas Poser und Andreas Leiblein von den „Lustigen Vögeln“ aus Schweinberg machten gute Laune. Ohne Gardetanz geht es nicht. Und den lieferte die Prinzengardeder Grünsfelder Hasekühle. Es folgte eine weiter Kalroben-Nummer, denn die alte Kreszenzia (Margarete Weber) erläuterte das Leben in der Wohlfühlgemeinde aus dem Senioren-Blickwinkel. Dass der Krankenkassen-Rollator dem „Mercedes“-Rollator mit allem Zubehör weit überlegen ist, und auch der Gang zum Arzt für neue Erkenntnisse über die Applikation von Medikamenten sorgt, waren da nur zwei von vielen humorvoll vorgetragenen Aspekten, die das Publikum mit Applaus belohnte.

In den Orient entführten die Kalroben-Dancers mit „Welcome to India“ – eine wirklich sehens- und hörenswerte Tanz-Reise. Das Publikum erhielt seine Zugabe, die Gruppe viel Jubel. Ernster, gleichwohl fröhlich, legte „Hauptmann Küppers“ (Rolf Herzel), den Finger in die gesellschaftlichen Wunden: von Wertefragen („Ich habe Goethes ‚Werther’ im Original gelesen“) bis hin zur technischen Lage der Bundeswehr, dem Glück, einen Handwerker-Termin zu bekommen oder der politischen Situation im Lande.

Wie üblich verzichtete er auf ein Honorar, die Sammlung für seine sozialen Stiftung erbrachte 462 Euro – Respekt für das freigiebige Publikum! Mit „Anastasia“ tanzten sich die Showtanzgruppe der NG Oberlauda in die Herzen der Zuschauer, und das Gesangsquartett der Kalroben erwies sich als absoluter Kracher. Michael Hopf, Tobias Mergenthaler, Carsten Wirth und Rainer Schüler zeigten, wie einfach und doch gut Fastnacht sein kann. Wenige Sätze und Töne genügten, um klare Aussagen zu machen.

Das schreit regelrecht nach einem Wiedersehen und -hören im nächsten Jahr. Ein Hingucker ist jedes Mal die Showtanzgruppe des TSC Walldürn, und auch heuer waren sie das Eintrittgeld wert. Die „fabelhafte Welt“ war tatsächlich fabelhaft und ein Sitzungs-Höhepunkt. Mit „Fastnacht for Future“ sorgte Wolfgang König von den Höpfinger Schnapsbrennern dann für viel Gelächter, etwa mit der Geschichte von der stotternden Verkaufskanone. Das Männerbalett aus Vilchband schließlich bot als „Wächter des weißen Goldes“ nochmals eine mitreißende Bühnenshow.

Fazit: Ein echter Gala-Abend auf hohem Niveau. Und die vielen Kalroben-Beiträge bildeten das Sahnehäubchen. Weiter so!