Igersheim

Veranstaltung SPD-Kreisverband und SGK zum Thema „Bezahlbares Wohnen im Main-Tauber-Kreis“

„Im Land fehlt es an Wohnraum“

Archivartikel

Steigende Miet- und Baupreise machen auch in ländlichen Regionen Sorgen. In Igersheim referierten Politiker, wie man Abhilfe schaffen könnte.

Igersheim/Main-Tauber. Die Mieten steigen, Wohnungen werden immer teurer und den Kauf oder Bau von Immobilien können sich immer weniger leisten. Grund genug für die Main-Tauber-SPD, im Zusammenwirken mit der SGK (Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik), zu einer Veranstaltung mit dem Titel „bezahlbares Wohnen“ einzuladen. Ins Igersheimer Bürgerhaus kamen dazu nicht nur Kommunalpolitiker und Bürger, sondern auch Vertreter der Banken, der Kreisbau und der Diakonie und der Caritas sowie der Jugendhilfe Land.

MdL sieht Lage kritisch

Somit sei, so der SPD-Kreisvorsitzende Thomas Kraft, die Meinungsvielfalt bei der Diskussion sichergestellt. Die Referenten des Tages waren: Wertheims Oberbürgerneister Markus Herrera Torrez, Igersheims Bürgermeister Frank Menikheim und der wohnungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, MdL Daniel Born. Sie erwiesen sich allesamt als profunde Kenner der Materie. In seinem Referat verwies MdL Daniel Born auf die Bedeutung bezahlbaren Wohnens, zumal immer mehr Menschen an die Grenzen der Belastbarkeit stießen. Andererseits gebe es auch immer mehr Alleinbewohner von Häusern, wenn Kinder längst ausgezogen sind oder der Ehepartner verstorben ist. Neben vielen Dingen, die persönlich geregelt und vorbedacht werden müssten, gebe es eine klare Feststellung: „In Baden-Württemberg fehlt es an Wohnraum.“ Auch, weil die staatliche Wohnbauförderung längst nicht ausreiche, um den Bedarf zu decken. Gefordert seien das Land und die Kommunen, und die bräuchten „mehr Mittel vom Land“, um effektiv und bedarfsgerecht, aber eben auch mit neuen Ansätzen, Wohnungen zu bauen.

Sein Fazit: Das Land müsse mehr tun – also Mittel bereitstellen, damit die Kommunen mehr tun können. Und diese müssten „ihre Verantwortung beim Umgang mit Bauflächen“ annehmen und entsprechend planen. So sei eine gesicherte Nahversorgung wichtig, ebenso wie der Blick auf die Innenentwicklung (statt Ausweisung neuer Baugebiete) sowie neue Formen von Investoren-Modellen.

Stadtstruktur beleuchtet

Der Wertheimer OB Markus Herrera Torrez machte auf die „Wohnbau Wertheim“ aufmerksam: „Die haben wir seit 1977, und das ist ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis“. Der OB erläuterte die Struktur der Stadt Wertheim. Alleine in den vergangenen drei Jahren seien durch Sanierungen mehr als 300 Wohnungen neu geschaffen worden.

Die städtische Gesellschaft wirke als Sanierungs- und Bauträger sowie Hausverwalter und bewirtschafte neben Parkflächen, Tiefgaragen und Wohnmobil-Stellplätzen auch 500 eigene Wohn- und Gewerbeeinheiten. Kurzum: Wertheim handle, aber mehr Landesmittel kämen dem Handlungsbedarf entgegen. Und das gelte auch unter dem Aspekt, dass wir „das Bauträger-Geschäftsfeld nur als Notnagel sehen“. Neue Investoren-Modelle zu fördern, könnte dem Wohnungsbau zusätzliche Impulse geben.

Das sah auch Igersheims Bürgermeister Frank Menikheim so, der zum Thema „Innenentwicklung und Nutzung von Potenzialflächen“ sprach. Innenentwicklung zu fördern – in der Kerngemeinde wie auch in den Ortsteilen – sei ein großes Anliegen. Da sei man „auf einem guten Wege“. Der Wandel vom „Bauerndorf zur Wohngemeinde“ mit mittlerweile gutem Arbeitsplatzangebot innerhalb der wirtschaftlich dynamischen Raumschaft Bad Mergentheim-Igersheim-Weikeresheim sei gleichwohl von einer „Daueraufgabe“ begleitet: Das ausreichende Angebot an Wohnraum.

In Igersheim habe der „soziale Wohnungsbau“ keine besondere Priorität, was an der seit Jahrzehnten regen Bautätigkeit liege. Aber dennoch gebe es Bedarf an bezahlbaren Wohnungen. Ein gutes Mittel zur Mietpreisdämpfung sei ein entsprechendes Angebot, sagte Menikheim. Und das könne besonders durch Innentwicklung gefördert werden: „Wir wollen keinen Donut-, sondern den Krapfen-Effekt.“ Das bedeute: Kein Ausbluten von innerörtlichen Flächen, sondern die gezielte (Um-)Nutzung durch frühzeitiges Erkennen als Potenzialfläche und entschlossenem Handeln. Beispiele aus Igersheim und Harthausen machten das deutlich. So könnten in diesem und im nächsten Jahr rund 70 bis 80 Wohneinheiten neu entstehen. Genutzt würden dabei auch neue Ansätze und Konzepte: Neben der Barrierefreiheit nannte der Bürgermeister die Berücksichtigung der diversen Lebensphasen.

In der anschließenden Diskussion ging es um zwei Schwerpunkte. Zum einen „übertriebene“ Bauvorschriften. Zum anderen um die Frage, was „bezahlbar“ eigentlich sein soll? Denn diese Frage beantworten die diversen Einkommensschichten höchst unterschiedlich.