Igersheim

Gemeinderat verabschiedet Forstbetriebsplan 2020 Erlös aus Benefizkonzert „Rock for wood“ am Samstag, 23. November, soll für ein Gemeinschaftsprojekt der Bürger genutzt werden

Igersheimer Wald steht zum Teil „unter Stress“

Archivartikel

Der Igersheimer Wald steht zum Teil „unter Stress“, wie es Förster Klemens Aubele formuliert. Mit Hilfe des Erlöses eines Konzerts „Rock for wood“ am Samstag soll es wieder aufwärtsgehen.

Igersheim. „Dem Wald geht es nicht gut“, meinte Forstdirektor Karlheinz Mechler am Donnerstag im Igersheimer Gemeinderat. Es gelte, „Schlimmeres zu verhindern, Scherben zusammenzufegen und durch Wiederaufforstung für stabile und hochwertige Bestände zu sorgen“. Rückblickend meinte der Experte, dass bereits 8500 Festmeter, davon der überwiegende Teil Schadholz (darunter mehr als 5000 Festmeter Fichte), eingeschlagen worden seien. „Die Fichte wird weitgehend aus dem Igersheimer Wald verschwinden.“ Es seien rund 12 000 Pflanzen zur Wiederaufforstung in den Boden gebracht worden.

Nur in Laubwaldbeständen

Was den Betriebsplan für das kommende Jahr angehe, habe man sich dazu entschlossen, 1350 Festmeter einzuschlagen. Aktive Hiebmaßnahmen seien nur in Laubwaldbeständen zur Sicherung der Eichennaturverjüngung vorgesehen. Die zu erwartende Schadholzmenge dürfte sich, so Mechler, auf 400 Festmeter Buche und eventuell 1000 Festmeter Fichte belaufen, so dass der Gesamteinschlag 2700 Festmeter betrage. Vorgesehen sei die Pflanzung von 18 000 jungen Bäumen, die Wiederaufforstung entstandener Kahlflächen, der Einzelschutz mit Wuchshüllen und mittels Zaunbau auf ausgeräumten Kahlflächen sowie das Ausmähen der in den Vorjahren begründeten Kulturen.

Fehlbetrag erwartet

Karlheinz Mechler bezifferte den Fehlbetrag im Wald 2020 auf etwa 70 000 Euro.

Revierförster Klemens Aubele ergänzte, er gehe davon aus, dass der Einschlag sich noch auf 10 000 Festmeter erhöhen könnte. „Wir sind im Wald eben sehr vielen Unwägbarkeiten ausgesetzt.“ Er kündigte aber an, der Entwicklung gezielt entgegensteuern zu wollen – unter anderem mit einer Gemeinschaftsaktion „Igersheimer Bürgerwäldle“. Sollte die Witterung mitspielen, sei von 19. bis 21. Dezember auf einem Areal von 1,5 Hektar eine gemeinschaftliche Pflanzaktion von Baumarten wie Elsbeere, Walnuss oder Speierling geplant, allesamt Gewächse, die in klimatischer Hinsicht widerstandsfähiger seien. Sollte dieser Termin nicht möglich sein, da es zu kalt ist, werde er lediglich aufgeschoben.

Ratsmitglied Karl Limbrunner meinte, ebenso wie sein Kollege Peter Kohlschreiber, dass „Geld in die Hand genommen werden muss, um den Wald wieder auf Vordermann zu bringen“. Kohlschreiber regte an, den Holzeinschlag im kommenden Jahr deutlich zu reduzieren, was von den Forstexperten so allerdings nicht geteilt wurde. Auch Josef Gabel sprach sich für einen „restriktive Einschlagpolitik“ aus, denn der Forst sei es wert, dass „wir ihn erhalten“. Bürgermeister Frank Menikheim meinte, dass es zwar Problemstellen gebe, aber auch ebenso sehr viele gute Bestände. Er gab zu bedenken, wohin die Richtung gehen soll. „Soll er eine ökologische Funktion übernehmen, müssen mir kein Geld in die Hand nehmen, wollen wir einen Wirtschaftswald, kostet dies bis zu 15 000 Euro pro Hektar.“

Und Georg Schumann meinte, dass Bewusstsein der Bevölkerung für den Wald wieder zu schärfen.

Klemens Aubele sprach davon, dass der Igersheimer Wald „etwas im Stress“ sei. Gerade beim Laubholz sehe es zum Großteil nicht so schlecht aus. Den Einschlag der anvisierten 1350 Festmeter nannte er aus wichtig, um den Bestand zu schützen. „Wenn nichts gemacht werde, kann dies auch einiges kaputtmachen.“

Eine Gegenstimme

Bei einer Gegenstimme sowie zwei Enthaltungen stimmte der Gemeinderat dem Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2020 zu.

Unter dem Motto „Rock for wood“ findet am Samstag, 23. November, ab 19.30 Uhr (Beginn ist um 20 Uhr) im Igersheimer Bürgerhaus ein Benefiz-Rock-Konzert für den Wald statt.

Mit dem Reinerlös sollen Pflanzen erworben werden, die dann gesetzt werden. Zudem ist es möglich, Baumpatenschaften zu erwerben. Auftreten werden an diesem Abend die Bands „Devil May Care“ und „Bob Ross Effect“ aus Würzburg, zudem gibt es eine Infoveranstaltung über den aktuellen Zustand des Waldes.

Angeregt durch die „Fridays for future“-Bewegung und die vielen Debatten über die Umwelt entstand das Konzept „Rock for wood“. Gemeinsam entwickelten Klemens Aubele, Max Rügamer, Georg Schumann und das Team vom Bürgerhaus die Idee, auch einmal über die Probleme in den heimischen Wäldern zu informieren.

Bevor und während die Bands auf der Bühne rocken, wird Förster Klemens Aubele in einem gesonderten Ausstellungsbereich über seine Arbeit erzählen und aufklären. Er steht den ganzen Abend für persönliche Fragen und Gespräche zur Verfügung.

Stabiler Wald das Ziel

Der Gewinn des Abends geht komplett in ein Gemeinschaftsprojekt der Igersheimer Bürgerschaft. Auf einer durch den Borkenkäfer zerstörten, ehemaligen Fichtenfläche können engagierte Waldfreunde gemeinschaftlich einen neuen und vor allem stabilen Laubwald pflanzen. Dieses Bürgerwäldle soll vor allem dem Erhalt seltener Baumarten wie Elsbeere, Speierling oder Wildobst dienen.

Karten für dieses Benefizkonzert gibt es an der Abendkasse.