Hohenlohe-Franken

Hohenloher Wasserversorgungsgruppe Tagung in Blaufelden / Notfallszenario durchgespielt / 460 000 Euro sollen investiert werden

„Wir sind aktuell nur bedingt vorbereitet“

Archivartikel

Die Hohenloher Wasserversorgungsgruppe (HWG) hat sich im Spektrum in Blaufelden mit möglichen künftigen und bestehenden gegenwärtigen Ärgernissen auseinandergesetzt.

Blaufelden. Stellen Sie sich das mal vor: Die Stromversorgung bricht zusammen – nicht für wenige Minuten oder Stunden, sondern tagelang. Und plötzlich kommt kein Wasser mehr aus dem Hahn …

Es ist kaum auszudenken, denn welch emotionale Reaktionen bereits ein Abkochgebot für fließendes Wasser in der Bevölkerung hervorruft, haben die Verantwortlichen der Hohenloher Wasserversorgungsgruppe (HWG) im Jahr 2018 in Gerabronn leidvoll erfahren. Aber gar kein Wasser? Ganz ehrlich: Man will sich das gar nicht vorstellen.

Die Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) hat es gleichwohl getan – es sich vorgestellt – und zwar systematisch. NOW-Geschäftsführer Dr. Jochen Damm stellte in Blaufelden der HWG-Verbandsversammlung die Überlegungen vor. Ziel sei es, bei einem großflächigen Stromausfall von maximal drei Tagen die Trinkwasserversorgung aufrechtzuerhalten.

Momentan habe der Wasserversorger zwar schon Infrastrukturelemente wie Notstromaggregate, aber, so Damm, „das sind einzelne Fragmente, die nicht ineinandergreifen“. Kurzum: „Wir sind aktuell nur bedingt vorbereitet.“ Geld für Versorgungssicherheit. Damit sich das ändert, nimmt die NOW 460 000 Euro in die Hand. Das Konzept, bei dem im Notfall 50 Liter pro Einwohner und Tag – also 41 Prozent des regulären Bedarfs – zur Verfügung gestellt werden sollen, steht bereits. Es ist zum Beispiel festgelegt, dass sofort die aktuellen Behälterfüllstände kontrolliert werden müssten, wohin mobile Stromaggregate gebracht würden, um eine optimale Wirkung zu entfalten, und so weiter. „Wir sind bei der NOW in besten Händen“, konstatierte die HWG-Verbandsvorsitzende und Blaufeldener Bürgermeisterin Petra Weber nach Damms Vortrag.

Zuvor hatte sie sich in ihrer Eröffnungsrede mit einem weniger spektakulären, aber dauerhaften Ärgernis auseinandergesetzt. Mit der Tatsache nämlich, dass Sanierungskosten im Bereich der Wasserversorgung nicht förderfähig sind. Will heißen: Wer seine bestehende Infrastruktur in Schuss hält, darf nicht mit finanzieller Hilfe aus Stuttgart rechnen. Die Verantwortlichen der HWG hätten im vergangenen Jahr alle Landtagsabgeordneten auf das Thema aufmerksam gemacht, auch ein Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter im Regierungspräsidium habe es gegeben, berichtete Weber.

Immerhin: Die Mittel für die Wasserversorgung im Landeshaushalt wurden erhöht. Aber Sanierungen werden weiterhin nicht gefördert. Und es gibt auch nicht den Flächenbonus, den die HWG darüber hi naus fordert. Weber rechnete vor, dass in Mannheim 2134 Menschen pro Quadratkilometer lebten, in Blaufelden lediglich 59. Aber auch diese 59 Blaufeldener wollen ein gutes Versorgungsnetz, aus dem Wasser zu einem akzeptablen Preis sprudelt. „Es bleibt dabei: Wir wollen ins Bewusstsein tragen, was unser Problem ist – und dass es letztlich den Verbraucher treffen wird“, stellte Weber klar.

2018 freilich ist der Wasserzins, den die Mitgliedsgemeinden an die HWG entrichten müssen, gesunken: Von 1,94 Euro pro Kubikmeter im Vorjahr auf jetzt 1,89 Euro.

Das geht aus der Jahresrechnung hervor, die Geschäftsführerin Isolde Ansorge vorstellte, und die von der Versammlung einstimmig angenommen wurde. Das Minus resultiert nicht zuletzt aus einer Wasserabnahme, die im Hitzesommer deutlich über der Prognose lag – aber zu keinem Zeitpunkt zu Versorgungsengpässen führte. In den folgenden Jahren soll der Zins derweil steigen. Im Wirtschaftsplan 2020 (ebenfalls einstimmig angenommen) sind 2,10 Euro vorgesehen. Das liegt unter anderem an ständigen Investitionen. 2020 werden das etwa die Erneuerung des Ortsnetzes in Buch und der Abschluss der Arbeiten in der Dünsbacher Rossgasse sein, außerdem die Fertigstellung des neuen Pumpwerks in Schön und die Sanierung des Hochbehälters in Bügenstegen.

Auch die Zuleitung zum Hochbehälter Rückershagen wird erneuert und der dritte Bauabschnitt der Zuleitung zum Wasserturm Seibotenberg steht an.

Im Rahmen der Verbandsversammlung wurde Hans Bruder aus Niederrimbach verabschiedet. Er war 16 Jahre lang Mitglied des Verwaltungsrats. In dieser Zeit hat er auch den für den Verband einschneidenden Beschluss zur Kooperation mit der NOW Crailsheim im Rahmen der Rohwasserkonzeption mitbestimmt. Im Zuge dessen wurden 2006 die Niederrimbacher Quellen und Brunnen der NOW im Betrieb übergeben, welche nun seit 2008 im Wasserwerk Bronn mit weiteren Eigenwässern anderer Kooperationspartnern aufbereitet und in der Region verteilt werden.