Hohenlohe-Franken

Straßenverkehr Baustelle Virngrundtunnel an der A7 / Feuerwehren und Rettungsdienste diskutieren am Nadelöhr

Wie die Helfer den Stau austricksen

Archivartikel

Die Baustelle des Virngrundtunnels auf der A 7 und die langen Fahrzeugkolonnen vor und hinter den Röhren bedeuten im Ernstfall auch für die Rettungskräfte eine schwierige Herausforderung.

Ellenberg. Vier Kilometer Stau im Bereich des Virngrundtunnels in beide Richtungen“ – Nachrichten wie diese hört man seit geraumer Zeit ständig im Verkehrsfunk und das wird sich bis Sommer 2020 vermutlich auch nicht ändern.

„Das kommt so oft im Radio, dass es ein touristischer Anziehungspunkt wird“, flachste Otto Feil, Kreisbrandmeister der freiwilligen Feuerwehren im Ostalbkreis, als er jetzt Vertreter verschiedener Rettungsdienste am südlichen Ende des Virngrundtunnels auf der Autobahn 7 begrüßte. Die Feuerwehren Ellwangen, Ellenberg, Schwäbisch Hall, Crailsheim und Fichtenau hatten Vertreter entsandt, auch die Leitstelle Aalen, das Rote Kreuz und natürlich die Polizei.

Das Treffen der Experten hatte einen ernsten Hintergrund. Die Autofahrer ärgern sich über den permanenten Stau, die Bewohner der Gemeinden, durch die die Ausweichstrecken führen, sind vom starken Durchgangsverkehr genervt, aber die Retter und Helfer müssen den Tunnel, die Strecke und die Baustelle aus dem Effeff kennen, wenn es dort zu einem Unfall kommt und schnelle Hilfe nötig ist. Das ist zurzeit nämlich ein Problem.

30 Minuten für 470 Meter

Was passieren kann, erzählte Dieter Butz, Kommandant der Feuerwehr Fichtenau. Als er jüngst mit seinen Leuten wegen eines Verkehrsunfalls südlich des Tunneleingangs anrückte, brauchten die Helfer eine glatte halbe Stunde, um die rund 470 Meter Tunnel zu durchqueren: Der Verkehr rollt, beziehungsweise schleicht im Gegenverkehr durch nur eine der beiden Röhren, weil in der anderen aktuell die Bauarbeiten laufen. Eine Standspur gibt es zurzeit nicht.

Das Beispiel wurde von den Fachleuten gleich lebhaft diskutiert. An einer großen Planzeichnung wurde erörtert, wie man im Falle eines Falles trotz Stau schnell von einer Seite des Tunnels auf die andere gelangen kann. Und was hier besprochen wurde, vertieften die Teilnehmer anschließend bei einer Ortsbegehung.

Die Lösung besteht zum einen darin, dass bei Unglücksfällen vor oder nach dem Tunnel die Feuerwehren aus beiden Landkreisen alarmiert werden, auch wenn der Tunnel im Einzugsbereich der Ostalb-Wehren liegt. Schnelle Hilfe ist eben alles.

Dann existieren vor beiden Tunneleingängen in einigem Abstand asphaltierte Überquerungsmöglichkeiten für die Feuerwehren: schnell ein paar Absperrungen beiseitegeräumt und schon können die Feuerwehr und andere Rettungsfahrzeuge von einer Seite auf die andere wechseln. Nördlich des Tunnels gibt es sogar eine Unterführung der Autobahn, die dies möglich macht.

Eine Gasse bleibt frei

Hilfreich ist da, dass auch die Tunnelröhre, in der gerade gebaut wird, für Rettungsfahrzeuge befahrbar ist. Dort wird eine Gasse weitgehend frei gehalten beziehungsweise schnell geräumt, wenn die Feuerwehr oder die Polizei angebraust kommt. Im Innern des Tunnels kann man zudem durch eine Verbindungstür von einer Röhre zur anderen wechseln – allerdings nur zu Fuß. Die Rettungskräfte können also doch relativ rasch an einen Unglücksort gelangen.

Problematisch ist es nur, wenn die Einsatzfahrzeuge, wie es der Fichtenauer Feuerwehr passiert ist, bereits im Stau stecken und so die Ausweichmöglichkeiten gar nicht erreichen können. Die Sperrung des Tunnels durch die Signalanlage wird im Gefahrenfall übrigens von einer zentralen Stelle in Stuttgart aus geschaltet. Bürokratische Verzögerungen sind aber nicht zu befürchten: Nach einer Anforderung durch die Rettungskräfte erfolgt die Sperrung nach einer Minute, versicherte die Polizei.