Hohenlohe-Franken

Diakoniekrankenhaus Ab sofort können auch die Allerkleinsten versorgt werden / Schwäbisch Hall hat dritthöchste Kinderzahl je Frau in den Stadt- und Landkreisen

Weit über Kreisgrenzen hinaus bekannt

Das Diakonie-Klinikum in Schwäbisch Hall ist als Perinatalzentrum mit dem Level 1 zertifiziert und kann nun auch ganz kleine Frühchen optimal versorgen.

Schwäbisch Hall. Spitzenmedizin wird auf dem Diak-Gelände mit einem familienorientierten Ansatz in Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin kombiniert. Anlässlich dieses neuen Versorgungsangebots wurde kürzlich im Saal der Kunsthalle Würth ein Fachsymposium mit über 50 Teilnehmern aus den Bereichen Kinder- und Frauenheilkunde veranstaltet, wie das Klinikum mitteilt.

Michael Kilb, Vorsitzender der Geschäftsführung des Diaks, freute sich über die höchste Versorgungsstufe für Früh- und Neugeborene in Schwäbisch Hall. 2016 wurden im Diakonie-Klinikum mehr als 1300 Kinder geboren. Es ist damit weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt.

Fünf Fachleute veranschaulichten mit Bildern und Videos, was sich in der Versorgung der Allerkleinsten Neues getan hat. Dr. Wolfgang Lindner vom Universitätsklinikum Ulm zeigte Ergebnisse des Neonatologie-Netzwerkes: "Um die Neugeborenen-Versorgung in der Region zu verbessern, haben sich seit über 30 Jahren die Kinder- und Geburtskliniken in Ost-Württemberg/Oberschwaben zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen." Unter diesen Kliniken befindet sich auch die Frauenklinik mit der Geburtshilfe und die Klinik für Kinder und Jugendliche in Schwäbisch Hall.

Anschließend berichtete Professor Franz Kainer, Chefarzt aus Nürnberg, über das Management von perinatologischen Notfällen. Schlimme Erfahrungen im Kreißsaal, wie ein totgeborenes Kind oder eine verletzte Mutter, begünstigten eine posttraumatische Belastungsstörung, wovon auch Ärzte und Hebammen stark betroffen sein könnten.

"In Stresssituationen, wenn beispielsweise zuerst das Becken ende des ungeborenen Kindes vorangeht oder eine Notoperation durchgeführt werden muss, ist vor allem neben der fachlichen Kompetenz die gute Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb des Perinatalteams gefragt", sagte der Chefarzt. "Studien zeigen, dass durch Simulationen Ergebnisse auf allen Ebenen verbessert werden, praktische Fertigkeiten zunehmen und die Teamkommunikation ausgebaut wird."

Nicht invasiv mit Schall

Der Schwäbisch Haller Ultraschallexperte Professor Andreas Rempen, Chefarzt der Frauenklinik am Diak, sprach über den "Einsatz der Dopplersonografie in der Geburtshilfe". Die Dopplersonografie wird durchgeführt, um Risiken für Mutter und Kind zu erkennen und dadurch Gefahren abzuwenden. Diese wichtige nicht invasive Methode der Diagnostik ermöglicht die Bewertung der Blutströmung in Gefäßen.

"Eine Dopplersonografie wird nicht bei jeder Schwangerschaft eingesetzt. Eine solche Untersuchung ist beispielsweise dann angezeigt, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Erkrankung oder Fehlbildung des Ungeborenen besteht", sagte Rempen. Mit diesem Verfahren kann der optimale Zeitpunkt der Entbindung bestimmt werden, so das Diak in einer Pressemitteilung.

"Der Landkreis Schwäbisch Hall hat die dritthöchste Kinderzahl je Frau in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs mit 1,68 Kindern", wusste Professor Andreas Holzinger, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche, zu berichten. Er ging in seinem Vortrag auf die Entstehung, Zertifizierung und Bedeutung des Perinatalzentrums für die Region ein. Perinatal bedeutet: um die Geburt herum. Ein Team aus Neonatologen, Psychologen, Pflegekräften und Seelsorgern kümmert sich im Diak um die kleinen Patienten auf insgesamt vier Stationen (davon eine Intensivstation).

"Um sich Perinatalzentrum Level 1 nennen zu dürfen, muss ein umfangreicher Anforderungskatalog erfüllt werden, sowohl vonseiten der Geburtshilfe als auch vonseiten der Neugeborenenmedizin", sagte Holzinger.

In Hall wird die Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch Ärzte mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe und Perinatalmedizin sowie Neonatologie und Kinderkardiologie sichergestellt. Auch eine kinderchirurgische Rufbereitschaft und eine Versorgung vor Ort sind eingerichtet. Im sozialpädiatrischen Zentrum der Klinik für Kinder und Jugendliche muss jedes Frühgeborene im Alter von 24 Monaten mit spezifischen Testverfahren von einem geschulten Team nachuntersucht werden. "Somit ist eine optimale Versorgung der Allerkleinsten mit einem Geburtsgewicht unter 1250 Gramm und einem Schwangerschaftsalter unter 29 Wochen in Schwäbisch Hall gewährleistet", sagte der Chefarzt.

Binnen kürzester Zeit können Frühgeborene mit Problemen des Darms operiert werden. Dafür wurde ein Bereitschaftsdienst der Klinik des Olgahospitals Stuttgart eingerichtet, über den ein Kinderchirurg ins Diak kommt und operiert. pm