Hohenlohe-Franken

Industriedenkmal Hammerschmiede Gröningen wurde 1804 erbaut / Als Ausflugsziel beliebt / Produkte für Mühlen und Steinbrüche hergestellt

Wasserkraft auch für die Waschmaschine

Archivartikel

Bei einem Aktionstag in der Hammerschmiede im Gronachtal wurden auch die Tüfteleien der früheren Handwerker vorgestellt. Demnächst stehen Sanierungsarbeiten auf der Agenda.

Gröningen. Die 1804 von Johann Adam Bäuerlein erbaute Hammerschmiede Gröningen im Gronachtal ist ein Industriedenkmal – und als Ausflugsziel beliebt, wie sich einmal mehr am jüngsten Aktionstag zeigte.

Die Schmiede hatte bis zur Aufgabe der Produktion im Jahr 1948 keinen Stromanschluss. Man kann im Gronachtal die mechanische Industrialisierung bis zur Erfindung der Dynamomaschine durch Werner Siemens (1866) verfolgen.

Die Familie Bäuerlein begann seinerzeit die Produktion mit einer einfachen Form der Serienfertigung. Dazu gehörte das entsprechende Personal, was man auch an der historischen Einrichtung der recht geräumigen Vesperstube im ersten Stock sehen kann, wo man gelebt hat und sich das im Jugendstil gehaltene Ausdingzimmer befand. Mindestens acht Personen konnten an dem Tisch Platz nehmen und die Familie selbst aß in der Stube.

Der Schmiedemeister saß in der Schwanzhammerschmiede vor einem der drei großen Hämmer, die mit dem acht Meter langen eichenen Wellbaum über eiserne Daumenkränze verbunden sind. Er gab die Schlagkraft von bis zu zwei Tonnen mit einem Hebel frei.

Der Stolz des Meisters

Ein zweiter Mann bereitete das Material in der Esse vor, ein Lehrling regulierte über einen Schutzhebel den Wasserzulauf und damit die Schlaggeschwindigkeit. „Der Meister hält nur sein Werkstück unter den Hammer“, erläutert Achim Pflüger. Mit dem größten dieser drei Hämmer hat man vor allem Metall durchschlagen. „Sie haben nicht gerne gesägt.“Den Museumsführer begeistert auch die große Durchreiche-Esse. „Auf der einen Seite wurde das Material vorbereitet, auf der anderen glühend herausgezogen und dann bearbeitet.“ Dabei hat man an einem Tag immer nur einen Arbeitsgang gemacht an Dutzenden von Werkstücken.

Diese frühe Form der Massenproduktion hing mit den Verkehrsmöglichkeiten zusammen. Satteldorf hatte seit 1860 einen Bahnhof, sodass Werkzeug auch überregional vertrieben werden konnte. Hauptsächlich hat man aber für die elf Jagstmühlen und die Steinbrüche gearbeitet.

Achim Pflüger ist auch von den Tüfteleien der einstigen Handwerker beeindruckt: Der Blick aus dem Schmiederaum auf den Garten zum Beispiel fällt auf einen über eine unterirdische Leitung mit dem vor dem Wehr gestauten Wasser verbundenen Springbrunnen, dessen Wasserstrahl heute noch den Wasserstand anzeigt. Sogar die erste Miele-Waschmaschine von 1907 wurde nicht einfach gekauft und benutzt. Das Gerät wurde an einen Transmissionsriemen angehängt und auch mit Wasserkraft angetrieben.

Sanierungen stehen an

Eine Unzahl von eisernen Haltezangen zeigt, dass sie ihre eigenen Werkzeugmacher waren. Pflüger gefällt das auch deshalb besonders, weil sein Opa Friedrich eine im Krieg komplett zerstörte Schlosserei und Kunstschmiede in der Schönebürgstraße 4 in Crailsheim gehabt hatte, die im Mittleren Weg 2 wiederaufgebaut worden war. „Dort war ich immer als Kind“, schwärmt er. „Ich habe fast alles machen dürfen. Ich habe mein Herzblut daran verloren.“ Sein Vater war Ingenieur bei Voith, er selbst ging in die Informatik-Branche.

In der Hammerschmiede stehen Sanierungen an: Der Wellbaum muss neu aufgefüttert werden und auch das Wasserrad braucht eine Erneuerung. Die Gemeinde Satteldorf hat beim Land und der Europäischen Union Fördergeld aus dem Leader-Programm beantragt. Bürgermeister Kurt Wackler hat jetzt eine Bewilligung für die In-Wert-Setzung über rund 150 000 Euro bekommen, wobei 76 000 Euro selbst getragen werden müssen.

„Lebendiges Museum“

Jetzt müssen noch die Handwerker gefunden werden. „Das ist alte Handwerkskunst. Es muss so gemacht werden wie damals“, sagt Kurt Wackler. Und das kostet: „Aber die Hammerschmiede hat eine große Bedeutung in der Gemeinde und darüber hinaus.“

Auch Wilhelm F. Walz und seine Frau, die ein Ferienhaus in der Nähe besitzen, staunen über die Hammerschmiede: „Das ist eine unglaublich lebendige Museumslandschaft hier.“ uri