Hohenlohe-Franken

Arbeitskreis Weiße Rose Ursula Mroßko hat den Vorsitz an Birgit Rügner übergeben / Mehr als „nur“ Widerstandskämpfer

Vom Thema „im Kern gepackt“

Archivartikel

„Nie wieder Krieg, das ist mir das Wichtigste“, sagt Ursula Mroßko. „Dieser Gedanke hat mich immer geleitet.“ Zum Beispiel als Vorsitzende des Arbeitskreises Weiße Rose.

Crailsheim. Nach Crailsheim kam Ursula Mroßko eher durch Zufall. Sie wollte Mitte der 1990er-Jahre in Neuendettelsau als Lehrerin arbeiten, nachdem sie dort drei Jahre lang die entwicklungspolitische Pazifik-Informationsstelle aufgebaut hatte und wo auch ihr Mann am Missionskolleg eine Anstellung als Dozent gefunden hatte – das Ehepaar lebte zuvor in Papua-Neuguinea.

Weil es wegen der aus verwaltungstechnischen Gründen eine Stelle in Baden-Württemberg sein musste, wählte sie die Stadt, die Neuendettelsau am nächsten lag – Crailsheim, oder genauer gesagt: die Grundschule Altenmünster, dessen Konrektorin sie viele Jahre lang war.

Hier begegnete sie den Geschwistern Scholl – ein Zufall: Der Ort gehörte bis in die 1930er-Jahre zu Ingersheim und damit zum Wirkungskreis des Vaters, Bürgermeister Robert Scholl. Es sollte eine Gedenkstunde geben – der Rest ist nun selbst schon Teil der Crailsheimer Stadtgeschichte. In der Auseinandersetzung mit den Geschwistern Scholl traf Ursula Mroßko auf ein Thema, das sie im Kern packte. Bald war sie Vertreterin der Schule im Gesprächskreis Weiße Rose. Und als der in einen Verein überführt wurde, war sie Gründungsmitglied und wenige Jahre später Vorsitzende.

Was sie mit dem Arbeitskreis Weiße Rose bewegte, hat Spuren hinterlassen: Denn der Arbeitskreis hat ein Thema sichtbar gemacht, das in Crailsheim bis in die 1990er-Jahre eher unliebsam war. Erst durch viele Veranstaltungen, Lesungen, Diskussionen, Publikationen oder die Konzeption einer Wanderausstellung wuchs die Bereitschaft, sich der besonderen Verantwortung zu stellen, die die Stadt als Geburtsort von Hans Scholl hat. Wer Ursula Mroßko bei einer Führung etwa durch das Scholl-Grimminger-Zimmer in der Ingersheimer Schule erlebt, der weiß, dass es für sie um mehr geht als „nur“ um die Widerstandskämpfer. Es geht ihr um Menschenwürde, um Verantwortung und Solidarität, um ein geeintes Europa, um Rechtsstaat und Demokratie.

Ein Grundsatz leitet sie vor allem: „Nie wieder Krieg“, fordert sie, 1944 geboren. „Der Krieg hat mir meinen 16-jährigen Bruder genommen, hat meine Familie auseinandergerissen. Ein Trümmerfeld war mein Spielplatz.“

Geprägt hat sie auch die Erfahrung eines friedlichen Europas: Das Mädchen gehörte dem ersten Jahrgang ihrer Schule an, der am Frankreichaustausch teilnehmen konnte. „Meine Großmutter hat mich vor der Abreise vor dem Erzfeind gewarnt“, erinnert sie sich. „Doch mit meinen französischen Freunden habe ich noch immer Kontakt. Heute spielen unsere Enkelkinder zusammen.“

Nun hat Mroßko den Vorsitz im Arbeitskreis Weiße Rose an Pfarrerin Birgit Rügner weitergegeben. Doch aktiv bleibt sie – als Beisitzerin. Sie arbeitet auch beim Projekt „Frauenbiographien“ des Crailsheimer Stadtarchivs mit. Ute Schäfer