Hohenlohe-Franken

Toppler-Theater Rothenburger mit Rekordbilanz / Die intime Freilicht-Bühne im Klosterareal ist gefragt / Ohne Zuschüsse und Sponsoren geht es nicht

Vom Erfolg der Saison selbst etwas überrascht

Archivartikel

Auf dem richtigen Weg sieht sich das Rothenburger Toppler-Theater, das mit der elften Sommerspielsaison einen neuen Besucherrekord aufgestellt hat.

Rothenburg. Die kammerspielartig-kleine Rothenburger Freilichtbühne habe sich etabliert und könne hoffnungsvoll in die Zukunft sehen, betont die Theaterleitung in einem Pressegespräch.

Dass man in der Saison 2018 gleich mit beiden Eigenproduktionen soviel Begeisterung beim Publikum auslösen würde, kam selbst für die Theatermacher etwas überraschend. Und es zeigte zugleich, was offenbar gewünscht ist: in jedem Fall gute Unterhaltung für laue Sommernächte, gepaart mit ansprechenden Inhalten, hervorragenden Schauspielern und natürlich einer überzeugenden Inszenierung. Schon mehrfach haben die Macher der kleinen Profi-Bühne gezeigt, dass sie die Rezeptur beherrschen, diesmal aber hat man das Traumziel einer hundertprozentigen Auslastung zumindest mit dem Jakobsweg-Stück erreicht. Bei nur 138 Plätzen im Innenhof des ehemaligen Dominikannerinnenklosters (heute Reichsstadtmuseum) hatte man bei den Eigenproduktionen über 4000 Besucher, inklusive Gastspiele wurde erstmals die 5000er-Besuchermarke deutlich überschritten.

Die erste Eigenproduktion „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen” von Richard Alfieri in der Besetzung mit Ilona Schulz und Tobias Rott war bereits hervorragend besucht. Zum Renner wurde dann „Wir sind mal kurz weg“, eine Midlife-Crisis-Revue von Tilmann von Blomberg und Bärbel Arenz. Besetzt mit Stefan Gossler, Alexander Wipprecht, Stephan Schill und Dirk Witthuhn. Bei beiden Hauptproduktionen führte Katja Wolff Regie und war Jan Freese für Bühne und Kostüm zuständig.

Das Toppler-Theater kann seit Jahren zunehmend auf prominente Darsteller, häufig von großen Bühnen und aus Fernsehfilmen und Serien bekannt, zurückgreifen. Und ebenso hat sich in Regie-Kreisen herumgesprochen, dass dieses intime Theater mit seiner historischen Umgebung einen besonderen Reiz hat. Gerit Kling hatte letztes Jahr hier sogar ihr Regie-Debüt gegeben und sprach von einem „kleinen, aber feinen und sehr authentischen Theater”.

Von Ende Juni bis Ende August dauerte auch dieses Jahr die Spielsaison, die zusammen mit mehreren Gastspielen ein vielfältiges Programm bot. Die Geschichte von den vier auf dem Jakobsweg pilgernden Männern und ihren „Mittelalter“-Problemen kam so gut an, dass schon lange vor Schluss keine Plätze mehr zu bekommen waren. Theater-Geschäftsführer Erich Landgraf: „Da konnten wir viele Wünsche nicht mehr befriedigen und hätten noch etliche Vorstellungen anhängen können”. Die staatlich und städtisch geförderte Bühne kann ihren jährlichen Etat nicht ohne Privatsponsoren und entsprechende Einnahmen stemmen. Das diesjährige Ergebnis hilft um das Theater weiter abzusichern, denn auch hinter den Kulissen gibt es ständig Investitionsbedarf und es gilt die Infrastruktur zu verbessern. So muss die hölzerne Tribüne runderneuert werden, wobei man auf eine steilere Stahlkonstruktion setzt, die nochmal für einige Plätze mehr gut sein soll.

Dass die dreiköpfige Theaterleitung von Anfang an ehrenamtlich arbeitet bringt erhebliche finanzielle Entlastung, und das ehrenamtlich tätige Service-Team beschert aus der Bewirtschaftung wichtige Einnahmen. Trotzdem steht die Bühne jedes Jahr neu vor der Finanzierungsfrage und könnte ohne Zuschüsse und Sponsoren nicht spielen.

Für den Trägervereins-Vorsitzenden Jürgen Klatte und Erich Landgraf ist klar, dass diese Erfolgssaison eine Ausrichtung als Boulevardtheater mit anspruchsvoller Unterhaltung bestätigt hat. Man sieht „das Theater jetzt gut angenommen und etabliert, es hat sein Stammpublikum und diesmal waren viele das erstemal hier, die begeistert sind und wiederkommen wollen”, sagt Landgraf. Marian Jaworski, seit 2015 ganzjährig für die Organisation zuständig sieht das Theater heute gut aufgestellt. Die Profi-Bühne hat sich in Theaterkreisen wie beim Publikum einen guten Namen gemacht.