Hohenlohe-Franken

Fastnacht In Kitzingen steht das einzige Museum seiner Art in Deutschland / Akademie unterstützt auch Tänzerinnen und Büttenredner

Über 500 seltene Ausstellungsstücke

Archivartikel

Abgesehen von elf nachgebildeten Masken auf der Giebelseite des kleinen Anwesens in der Kitzinger Innenstadt, sieht man dem kleinen Gebäude gar nicht an, was hinter der Fassade steckt.

Kitzingen. Seit dem 11. November 2013 ist hier das älteste und einzige Fastnacht-Museum Deutschlands beheimatet. Seit 2017 ist ihm noch die erste Deutsche Fastnachtsakademie angebaut.

Ein Fastnachtsmuseum gibt es nach einer Idee vom Leiter der Regierung für Schulwesen, Hans-Joachim Schuhmacher, in dem Mainstädtchen bereits seit 1963. Es war ursprünglich auf den sieben Stockwerken des mittelalterlichen Falterturms untergebracht. Ende 2009 musste die Ausstellung geschlossen werden, da die Voraussetzungen nicht mehr den Brandschutzrichtlinien entsprachen.

Nun stellte sich die Frage: sanieren oder ein ganz neues Domizil suchen. Untersuchungen brachten keine praktikablen Lösungen, sondern nicht tragbare Vorschläge wie eine mögliche Außentreppe am Kitzinger Wahrzeichen. Daher ließ es nur die zweite Möglichkeit zu. Da in der Rosenstraße bereits ein Gebäude mit Büro vorhanden war und durch Zufall angrenzende Grundstücke zu erwerben waren, entschied man sich, zwischen Rosenstraße und Luitpoldstraße neu zu bauen.

Eine Akademie schwebte dem heute 67-jährigen Ehrenpräsidenten des Fastnachtverbandes Franken, Bernhard Schlereth, schon seit Jahren vor. Die rund 350 Vereine bräuchten nach seiner Meinung mehr Betreuung, Informationen, Ausbildung zur Lösung von Rechtsproblemen, Steuerfragen und vor allem alles rund um die Themen zur Fastnacht. Dazu zählt der ehemalige Sitzungspräsident die bundesweite Ausbildung von Jugendlichen zu Tänzerinnen und Tänzern, Trainern, Büttenrednern (mit dazugehörender Mimik und Gestik) oder auch die Veranstaltungsleitung durch Sitzungspräsidenten. Da wäre ein Zentrum, das unter anderem auch die modernste Technik wie Beleuchtung oder Mikrophone im Haus hat, ideal.

Zeitgemäße Ausstattung

Einmal mehr spielte der Zufall mit und in direkter Nachbarschaft konnte ein Gebäude erworben werden, um alle diese Träume erfüllen zu können. Innerhalb von knapp zwei Jahren entstand nun das neue Gebäude mit unterschiedlich großen und zeitgemäß ausgestatteten Seminarräum für die Deutsche Fastnachtsakademie mit ihren fünf Angestellten und zusätzlichen Seminarleiter für gebuchte Seminare. Diese können für bis 300 Teilnehmer und nicht nur für Fastnachtvereine gebucht werden.

Für das Haus, in dem der Nachwuchs für die diversen Fernsehsendungen vorbereitet wird, ist der stets humorvolle Bernhard Schlereth aus Veitshöchheim auch Namensgeber. Die Finanzierung der insgesamt gut zehn Millionen Euro für das bundesweit einzigartige Projekt erfolgte überwiegend durch zahlreiche Förderprogramme, Zuschüsse und vor allem aus Fernsehgeldern des Quotenrenners des Bayerischen Fernsehens „Fastnacht in Franken“ mit jährlich über vier Millionen Zuschauern.

Träger des heutigen Museums ist eine Stiftung. Die im Mai 2017 eröffnete Akademie ist Eigentum des Fastnachtsverbandes Franken, bietet aber dem Bund Deutscher Karneval die Nutzung an, wovon auch reger Gebrauch gemacht wird. So lobt der Vater der Akademie auch die gute und engagierte Arbeit des Narrenrings Main-Neckar, der z.B. durch die Teilnahme von Trainer-Lehrgängen in Kitzingen ebenfalls profitiert.

Dabei hebt Schlereth hervor, dass die Kitzinger auch gerne bei entsprechender Teilnehmerzahl zu den Verbänden zur Ausrichtung von Seminaren kommen. Auch Museumsbesucher kommen häufig und zahlreich aus dem Württembergischen Frankenland, so der „Faschingschef“ voller Stolz. Die über 500 Exponate, wie alte Kostüme und Masken oder Literatur und Utensilien kommen von Brasilien über Trinidad Tobago bis Venedig.

Natürlich stammen die meisten Raritäten auf den vier Stockwerken aus Deutschland wie das originale Dreigestirnkostüm aus Köln, das Buch der Geilerschen Narrenpredigten zu Straßburg aus dem Jahre 1511, oder die Präsidentenkette des ehemaligen Karnevals-Präsidenten der DDR.

Unter dem Dach des Museums befindet sich auch die größte Fachbibliothek Fasching/Karneval Deutschlands oder die Sammlung von Professor Friedrich Münch aus Bonn. Mit viel Freude zeigt Schlereth auch die technische Finesse, mit der Besucher mittels QR-Code durch die Ausstellung geführt werden. Aber auch was bedeuten „Helau“ und „Alaaf“ oder warum dreht sich im Karneval alles um die „Elf“ wird ausführlich erklärt. Für alle „Narren“ ist also ein Besuch der Zentrale eine Art Pflicht.