Hohenlohe-Franken

Hällisch-fränkisches Museum Neue Sonderausstellung „ART – GOÛT – BEAUTÉ“ wird am 21. Juli eröffnet

Träume vom glücklichen Leben in bewegter Zeit

Archivartikel

Schwäbisch Hall.Der Titel der neuen Sonderausstellung „ART – GOÛT – BEAUTÉ“ im Hällisch-Fränkischen Museum Schwäbisch Hall ist von einem Luxusjournal übernommen, das zwischen 1921 und 1933 in Paris erschien. Die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und kurz nach der Weltwirtschaftskrise waren die Blütezeit des Art Déco.

Die erwähnte Zeitschrift ist in diesem Stil gestaltet, und die Begriffe im Titel – Kunst, Geschmack und Schönheit – charakterisieren treffend diese aus dem Jugendstil hervorgegangene Kunstform, deren Zentrum in der französischen Hauptstadt lag.

Finesse und Schönheit, Luxus und Extravaganz kennzeichnen die vor allem in der angewandten Kunst angesiedelten Produkte des Art Déco. Zeit- und Gesellschaftskritisches bilden die absolute Ausnahme, ein positives, ja ein gehobenes Lebensgefühl wird vermittelt.

Die in der Ausstellung gezeigten, fast ausschließlich druckgraphischen Erzeugnisse richteten sich an eine dünne Schicht von Wohlhabenden, dennoch waren sie populär und sind es noch immer. Sie lassen nicht den leisesten Hauch der damaligen sozialen Spannungen spüren, selbst die in den Kriegsjahren gedruckten Blätter geben eine heile Welt wieder. Vermittelt die Ausstellung somit ein falsches Bild der Zeit, ein Bild, das lediglich unsere Vorstellung der Roaring Twenties, der Années Folles oder Goldenen Zwanziger bestätigt? Sicherlich nicht! Das Museum beschränkt sich bewusst auf eine Facette der Kunst jener Jahre.

Dank der mit großer Kennerschaft zusammengetragenen Sammlung von Akka von Lucius und Professor Dr. Wulf-D. von Lucius ist es möglich, den Besuchern des Museums einen Überblick über die graphische Kunst des Art Déco zu gewähren.

Die Sammlung ist so klug angelegt, dass nicht nur die Vielfalt der formal-gestalterischen Möglichkeiten aufgezeigt wird, sondern es können auch die wesentlichen Themenschwerpunkte vorgestellt werden, denen das Interesse der Künstler beziehungsweise ihres Publikums galt.

Die Ausstellung gewährt Einblick in eine spannende Zeit und macht sichtbar – zumindest aus einer Perspektive –, was die Menschen damals bewegte und wovon sie träumten. Dabei werden durchaus gesellschaftliche Veränderungen sichtbar, die bis heute relevant sind: etwa das sich wandelnde Frauenbild, die Einbeziehung von technischem Fortschritt in die Kunst, moderne Werbung und Reklame und vieles mehr. Und kann nicht erst vor diesem Hintergrund sozialkritische und avantgardistische Kunst verstanden werden?

Die Ausstellung ist vom 21. Juli bis zum 20. September in den Sonderausstellungsräumen des Museums zu sehen (Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 17 Uhr). Am Sonntag, 19. Juli, geht außerdem die viel beachtete Ausstellung „Walter Schuch (1920 – 1985) – unterwegs mit Pinsel, Stift und Farbe“ im „Wintergarten“ zu Ende.

Der Haller war nicht nur ein erfolgreicher Architekt, sondern auch ein hervorragender Künstler, wie die ausgestellten Arbeiten zeigen. Seine beiden Söhne Georg und Walter Schuch, Architekten wie der Vater, werden am Sonntag, 19. Juli, ebenfalls von 14 bis 17 Uhr im Museum anwesend sein und den Besuchern das künstlerische Werk ihres Vaters vorstellen. Innerhalb der Gebäude des Hällisch-Fränkischen Museums besteht Maskenpflicht.

Da die Besucherzahl im Museum begrenzt ist und es zu Wartezeiten kommen kann, tritt bei trockenem Wetter im Hof des Museums das Saxophonquartett der Schwäbisch Haller Musikschule (Joa Kindermann, Altsaxophon, Sina Leu, Altsaxophon, Paul Limbacher, Tenorsaxophon, und Rena Tietz, Baritonsaxophon) unter der Leitung von Susanne Kolb zweimal auf. pm