Hohenlohe-Franken

Waldwirtschaft Försterin Waltraud Leinen und Forsteinrichter Ulrich Friedhoff haben in Schrozberg wichtige Themen vor Augen geführt

Stadt muss sich auf Defizit einstellen

Der Schrozberger Wald könnte in Zukunft ein Defizit abwerfen – so jedenfalls die Prognose beim Waldbegang des Gemeinderates.

Schrozberg. Alle zehn Jahre wird Inventur gemacht. Dann muss sich eine Kommune mit dem Waldwirtschaftsplan und der sogenannten Forsteinrichtung beschäftigen – damit, ob die geplanten wirtschaftlichen und ökologischen Ziele im Wald erreicht werden konnten und wie es weitergehen soll. Im Schrozberger Gemeinderat standen bereits im Januar der Waldzustand und die Planung bis 2028 auf der Tagesordnung. Bei einem Treffen im Schrozberger Schloss haben Ulrich Friedhoff, Forsteinrichter des Regierungspräsidiums, und Revierleiterin Waltraud Leinen auch die neugewählten Stadträtinnen und -räte ins Thema eingeführt. Tenor: In den kommenden Jahren müsse sich die Stadt auf ein Defizit einstellen: „Jeder Festmeter Käferholz kostet uns 35 Euro“, so Leinen mit Blick auf Preisverfall und steigende Holzerntekosten. Außerdem wurden Fragen zur Forstreform beantwortet.

Försterin Leinen hatte für eine Waldbegehung vier Stationen ausgesucht, „Waldbilder“, die spezifische Schrozberger Themen buchstäblich vor Augen führen. Der Fichtenbestand spielt im nördlichen Altkreis seit Langem eine relative kleine Rolle, weshalb sich das Fichtensterben hier nicht so gravierend auswirkt. Im Bereich „See“ aber, bei der Lehmgrube, zeigt ein elf Hektar großer, von Eschen geprägter Bestand, welche Probleme das Eschentriebsterben verursacht: Wurden 2013 2,7 Festmeter gefällt, überwiegend im Rahmen der Verkehrssicherung – der Wald liegt an der Landesstraße Richtung Leuzendorf –, mussten 2018 102 Festmeter eingeschlagen werden.

Im Vorbachtal zeigte Leinen die Folgen der wegfallenden Fichten am Muschelkalkhang und die Maßnahmen, die getroffen wurden. Die Förderung von Naturverjüngung war ebenso Thema wie die Pflanzung von mit Wuchshüllen gegen Verbiss geschützten Laubbäumen mit Hilfe der Pfadfinder. Außerdem besuchten die Stadträte dort zwei Waldrefugien: Die Umsetzung des Alt- und Totholzkonzepts bringt der Stadt Ökopunkte und erhält Lebensräume für seltene Arten.

Die letzte Station im Bereich „Striet“ zwischen Schrozberg und Oberloh zeigte auf Wiederbewaldungsflächen, wie gut sich die Natur nach dem verheerenden Sturm Wiebke 1990 erholt hat.

Folgen der Forstreform

Das zum 1. Januar 2020 in Kraft tretende Forstgesetz, das die Verwaltung der Wälder im Land neu ordnet, bringt für Schrozberg gravierende Veränderungen. Privatwald sowie die 88 Hektar Schrozberger Stadtwald werden weiterhin in einer Hand liegen. Die entsprechenden Flächen des jetzigen Reviers Schrozberg, die bislang von Revierleiterin Waltraud Leinen betreut wurden, werden dem Revier Rot am See-Blaufelden zugeschlagen, sprich von Revierleiter Udo Hauber übernommen.

Waltraud Leinen wechselt zur Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR) „ForstBW“, die nur noch den Staatswald betreut. Sie wird etwa 900 Hektar Staatswald zusätzlich übernehmen und bis nördlich der Tauber zuständige Forstbeamtin sein. Die Forstverwaltung bleibt beim Landratsamt.

Kosten steigen deutlich

Waldtraud Leinen machte in diesem Zusammenhang auch deutlich, dass „die Kosten für die Beförsterung“ für die Gemeinde deutlich steigen werden, „um den Faktor x“; bislang sei das stark vom Land subventioniert worden. Das Land Baden-Württemberg darf künftig nur noch Holz aus Staatswäldern verkaufen. Forsteinrichter Ulrich Friedhoff erklärte in Schrozberg, dass unter anderem aufgrund des geänderten Bundeswaldgesetzes gemeinsame Holzvermarktung in einer einheitlichen Forstverwaltung nicht mehr möglich ist.

Beratung und Betreuung privater und kommunaler Waldbesitzer werde das Land aber weiterhin anbieten. Birgit Trinkle