Hohenlohe-Franken

Baden-württembergische Literaturtage Öhringen bietet zwischen dem 24. Oktober und 9. November Bücher, Schriftsteller und Autoren-Ausstellung

So denken und fühlen andere Menschen

Archivartikel

Von Öhringen aus „Über Grenzen“ gehen auf den 36. baden-württembergischen Literaturtagen vom 24. Oktober bis 9. November. Mehr als 30 Veranstaltungen stehen an.

Öhringen. Die Baden-Württembergischen Literaturtage bereichern den Herbst dieses Jahr in Öhringen. Ende Oktober beginnt das literarische Erlebnis an einem Ort, der Grenzen und Freiheit vereint. Denn im Hinblick auf die Stadtgeschichte und deren Bedeutung stehen die Literaturtage in diesem Jahr unter dem Motto „Über Grenzen“. Mit mehr als 30 Veranstaltungen wird Literatur gefeiert, die durch ihre Geschichten Menschen und Kulturen verbindet und neue Denk- und Lebensweisen hervorbringt.

Welches Geheimnis birgt das Unbekannte? Wie denken, fühlen und leben andere Menschen? Was ist Kultur – und was nicht? Es ist an der Zeit, Grenzen infrage zu stellen, sie bewusst zu machen, sie abzuklopfen, vielleicht auch sie zu überwinden. Wer vermag das besser zu leisten als die Literatur?

All diesen Fragen versuchen die international renommierten und regionalen Autoren der Literaturtage auf den Grund zu gehen. Literaturkritiker, Autoren, Verleger und andere Kulturschaffende verraten, welche persönlichen Assoziationen sie mit dem Sujet „Über Grenzen“ verbinden, wie Grenzen ihr berufliches Leben beeinflussen und was Grenzen eigentlich mit Literatur gemeinsam haben.

Denis Scheck philosophiert am Freitag, 25. Oktober über seinen Literaturkanon. Er verrät, welche hundert wichtigen Werke der Weltliteratur für seinen Geschmack dazu gehören. Dabei macht er deutlich: „Mir geht es um einen „wilden“ Kanon für das 21. Jahrhundert, der die durch die Nationalphilologien im 19. Jahrhundert errichteten Sprachgrenzen überwindet und auch die Grenzen zwischen den Genres einreißt. In meiner Bibliothek stehen Comics, Science Fiction- und Fantasy-Romane, Sachbücher und Kinderbücher neben Goethe und Joyce.“ Charmant und wortgewandt begründet er, was man gelesen haben muss, was nicht – und warum. Denn „Literatur ermöglicht uns, tausend Leben führen zu dürfen“, wie er bekräftigt.

Am Samstag, 26. Oktober folgt ein „Menu surprise“ mit Bestseller-Autor Martin Walker. Krimi-Fans und Frankreich-Begeisterte fiebern der Veranstaltung entgegen: Wie kein anderer Autor schafft es der gebürtige Schotte, seinen Kommissar Bruno von Mal zu Mal in einen weiteren verzwickten Kriminalfall zu verwickeln. Gaumenfreuden, Wein und Jazz erwartet alle Teilnehmer, dem Autor ist es besonders wichtig die einzigartige Lebensweise der Region Périgord mit seinen Lesern zu teilen und so Traditionen zu verbinden. „

Eine Lesung mit einer für den Deutschen Buchpreis Nominierten findet am 10. November im Blauen Saal im Schloss Öhringen statt. Raphaela Edelbauer liest aus ihrem Debutroman „Das flüssige Land“. Sie geht mit ihrem Roman dem Verdrängen nach und fördert manch Unerwartetes zutage.

Offen und begeisterungsfähig

Die Öhringen-liest-ein-Buch-Autorin, Pia Ziefle, kommt am Mittwoch, 30. Oktober mit „Länger als sonst ist nicht für immer“ nach Öhringen, einem Roman über den sich bereits mehr als 500 Leser im Alltag austauschten und der in Lesekreisen heiß diskutiert wurde. Von der enormen Resonanz der Leserinnen und Leser ist Pia Ziefle begeistert. „Ich habe erzählt bekommen von Menschen, die einander beim Einkaufen getroffen haben und sich gegenseitig berichtet haben vom Leseerlebnis.“

Öhringen erlebt die Autorin deshalb als sehr fröhlich, offen und begeisterungsfähig. „Alle sind sehr stolz darauf, die Baden-Württembergischen Literaturtage zu veranstalten und Teil dieses Ereignisses zu sein.“

Auch die Kuratoren Markus Hassler und Stefan Weigand betonen das Anliegen der Literaturtage: „Bücher zu lesen und über Literatur zu sprechen – und dabei ganz nebenbei viele Grenzen überwinden.“

Nicht nur Kreative, auch Büchermacher kommen zu Wort: Wie mühsam der Weg zum Bücherhimmel sein kann, weiß kaum jemand besser als der Verleger Jo Lendle. „Lesend üben wir Möglichkeiten ein – emotionale, gedankliche, ästhetische“, betont der Verleger und bezieht sich so auf das „Urversprechen der Literatur“.

Am Freitag, 1. November präsentiert er einen unverblümten Blick hinter die Kulissen der Verlagswelt und verrät nebenbei, was ihn mit Öhringen verbindet. Schon vor den Literaturtagen können sich alle Bücherliebhaber ab dem 15. Oktober die Ausstellung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels „Autoren aus Baden-Württemberg und ihre Bücher“ in der Sparkasse Hohenlohekreis ansehen.

Das gesamte Programm der Literaturtage gibt es online unter https://literaturtage-oehringen.de/. Interessierte können Karten für die Literaturtage erwerben sowie Plätze für die Veranstaltungen reservieren, bei denen der Eintritt zwar frei ist, aber bei denen wegen begrenzter Platzzahl eine Reservierung möglich ist. Die Veranstaltungen sind im Programmheft gekennzeichnet. pm