Hohenlohe-Franken

Fränkisches Freilandmuseum Virtuelle Eröffnung der Ausstellung zum Baderhandwerk / Vorgeschmack auf die Eröffnung eines mittelalterlichen Badhauses

Schwitzbaden, Schröpfen und Kurieren nach der Säftelehre

Bad Windsheim.Das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim hat wegen der derzeitigen Kontaktbeschränkungen seine neue Sonderausstellung zum Baderhandwerk in Franken per Video im virtuellen Raum gestartet.

Die Bader sorgten vom Spätmittelalter bis hinein in das 20. Jahrhundert hinein für die Gesundheitspflege und wundärztliche Versorgung im Land.

„Bader“ ist im deutschsprachigen Raum ein weit verbreiteter Familienname. Das spiegelt wider, dass es im Spätmittelalter eine flächendeckende Versorgung mit Badstuben gab. Nur ein handwerklich ausgebildeter, geprüfter und in der Zunft organisierter Bader durfte eine Badstube betreiben. So finster und dreckig kann das Mittelalter also gar nicht gewesen sein. Das Badhaus-forschungsteam des Fränkischen Freilandmuseums begleitet den Wiederaufbau des mittelalterlichen Badhauses aus Wendelstein, das nächstes Jahr im Museum wieder in Betrieb genommen werden soll. Als Vorgeschmack darauf präsentiert das Team seine Forschungsergebnisse zum fast vergessenen Berufsstand der Bader in Franken nun in einer Ausstellung.

Nach dem Verständnis der „Säftelehre“ galt es, überflüssige Körpersäfte loszuwerden. Wege dazu waren zum Beispiel der Aderlass, aber auch Schwitzen und Schröpfen. Gesundheit stellte man sich als das Gleichgewicht der Säfte vor. Der Bader bot im Badhaus ein Schwitzbad an – ähnlich unserer heutigen Sauna. Waren die Gäste erwärmt und gut durchblutet, ließen sie sich häufig vom Bader blutig schröpfen. Dazu ritzte der Bader die Haut zunächst etwas an, dann setzte er den erwärmten Schröpfkopf auf. Durch den entstehenden Unterdruck saugte sich der Schröpfkopf fest und entzog kleine Mengen Blutes aus der Haut. Die virtuelle Ausstellung ist auf Instagram, Facebook und auf der Webseite des Museums www.freilandmuseum.de zu erleben. ffw