Hohenlohe-Franken

Wirtschaft Die Grünen-Abgeordneten Jutta Niemann und Harald Eibner bedauern, dass die Brauerei Engel Crailsheim verlässt

„Rechtsfreie Räume gibt es nicht“

Archivartikel

Die Grünen-Abgeordneten Jutta Niemann und Harald Ebner bedauern, dass die Brauerei Engel Crailsheim verlässt – und fragen sich, warum Alternativstandorte nicht zum Zug kommen.

Crailsheim. Den Vorwurf des FDP-Landtagsabgeordneten Stephen Brauer, sie würden an der Spitze derjenigen stehen, die die Umsiedlung der Brauerei Engel nach Saurach verhindert haben, weisen die Grünen-Parlamentarier Jutta Niemann (Landtag) und Harald Ebner (Bundestag) entschieden zurück. „Schlicht und einfach unhaltbar“ sei der Vorwurf, betonte Niemann bei einem Vor-Ort-Termin mit Ebner in Saurach.

Um eine „gute Lösung für alle“ zu finden, habe man mit den unterschiedlichsten Akteuren gesprochen, auch mit der Bürgerinitiative „Sauracher Sauerholz schützen“. Nur so, sagt die Haller Landtagsabgeordnete, könne Vertrauen in behördliches Handeln geschaffen und Akzeptanzprobleme gelöst werden. Der Vorschlag von Brauer an die beiden Grünen-Parlamentarier, sie hätten sich besser beim grünen Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer für den Standort Saurach starkmachen sollen, anstatt „an der Spitze der Verhinderer“ zu marschieren, bringt den Bundestagsabgeordneten Ebner auf die Palme. Ohne Brauer beim Namen zu nennen, unterstrich er, dass ein Anruf bei Parteifreunden, wie es manche Oppositionspolitiker wohl gerne machen würden, „den Rechtsstaat nicht außer Kraft setzt“. Rechtsfreie Räume, so Ebner, gebe es in Diktaturen, aber nicht in Deutschland.

Die beiden Grünen-Parlamentarier finden das Konzept der Familie Fach, eine Natur- und Erlebnisbrauerei zu bauen, „überzeugend“. Allerdings sei der vom Unternehmen favorisierte Standort auf der grünen Wiese bei Saurach „hochproblematisch“, weil er in einem regionalen Grünzug liegt und damit einen besonderen Schutzstatus hat. Auf diese Problematik hätten Regionalverband und Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde frühzeitig und klar hingewiesen.

„Wir hätten uns sehr gefreut, wenn das Konzept der Familie Fach an einem geeigneten Standort in Crailsheim hätte umgesetzt werden können“, hoben die beiden Grünen-Politiker hervor. Umso mehr bedauern sie, dass keiner der beiden Alternativstandorte zum Zuge kam. Beide würden wie der Standort Saurach Naturnähe aufweisen, aber auch eine gute Verkehrsanbindung.

Alternativen durchgefallen

Beide Standorte seien aber wohl nicht eingehender geprüft worden, obwohl sich auch Regionalverband und das Landratsamt für sie starkgemacht hätten. Bei den beiden Standorten handelt es sich um Grundstücke bei Buch und bei Roßfeld (an der Straße nach Tiefenbach).

Auch in einer Pressemitteilung der Stadt taucht der Hinweis auf zwei Standorte außerhalb des regionalen Grünzugs auf. Einer davon sei „aufgrund der Eigentumsverhältnisse“ ausgeschieden, so das Rathaus, bei der zweiten Fläche habe Oberbürgermeister Christoph Grimmer versucht, als Mittler zu fungieren. Weshalb es auch mit diesem Grundstück nicht geklappt hat, bleibt offen. In der Stellungnahme der Brauerei, in der sie ihren wahrscheinlichen Umzug nach Feuchtwangen angekündigt hat, wird auf ein Grundstück Bezug genommen, das wohl eines der beiden ist, von denen die Grünen gestern gesprochen haben. Die Brauerei schreibt: „Mit Blick auf ein Gewerbegebiet wäre unser nachhaltiges Brauereikonzept ungefähr so glaubhaft und sinnvoll wie ein Bootsverleih, der nicht ans Wasser angrenzt.“ Damit ist wohl die Fläche, die ans jetzige Gewerbegebiet in Roßfeld anschließt, gemeint.

Von dem nun ins Auge gefassten Grundstück gleich neben der Feuchtwanger Spielbank zeigt sich die Familie Fach begeistert. Es erfülle die Erwartungen „voll und ganz“, zudem sei ein Baubeginn schon im nächsten Jahr möglich. Ein Verbleib am bisherigen Standort in der Haller Straße schließt Engel aus. Das Konzept einer Natur- und Erlebnisbrauerei, einer gläsernen Brauerei „mit Bio-Bieren, eigenem Mineralbrunnen und einem Rohstoffanbau direkt vor der Unternehmenstür ist für uns alternativlos“. Nur so lasse sich der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens sichern, und könnten die Bedürfnisse anspruchsvoller Kunden erfüllt werden. ah