Hohenlohe-Franken

Reichsstadt-Festtage Legendäres Bühnenstück „Der Meistertrunk“ aufgeführt / Historiengruppen über die ganze Altstadt verteilt

Mittelalterlicher Trubel lockte nach Rothenburg

Ritterschlachten, mittelalterlicher Trubel und natürlich das Stück „Der Meistertrunk“ lockten auch dieses Jahr wieder tausende Besucher nach Rothenburg.

Rothenburg. Die Reichsstadt-Festtage behalten seit Jahrzehnten für Besucher ihren Reiz. Auch nach 45 Jahren haben sie im Grunde nichts davon verloren.

Das zeigte sich auch wieder am Wochenende, als viele tausend Besucher von nah und fern in die Tauberstadt kamen, um das historische Spektakel mitzuerleben.

Gezeigt wird in historischen Gruppen das Leben in verschiedenen Zeitepochen seit der Erhebung zur Reichsstadt, die am 15. Mai 1274 durch den deutschen König Rudolf von Habsburg erfolgte.

Dass die damit verbundenen Privilegien bis heute in Form einer folkloristischen Veranstaltung ihren Nachhall finden, war wohl nicht abzusehen. So hat Rothenburg als viel besuchte Touristenstadt nicht nur sein legendäres Festspiel „Der Meistertrunk“, sondern auch die Reichsstadt-Festtage als jedes Jahr herausragende Höhepunkte zu bieten, die jeweils ein ganzes Wochenende nachgespielte Historie zeigen.

Bereits am Freitagabend bewegte sich ein Fackelzug aller Historiengruppen von der Doppelbrücke im Tal hinauf durchs Kobolzeller Tor zum Marktplatz, wo sie dem Publikum vorgestellt wurden.

Abschließend erstrahlte das Rathaus im musikalisch umrahmten Fassaden-Feuerwerk. Und am Samstagabend hieß es nach dem üblichen Rathausempfang für geladene Gäste die „brennende Stadt” zu erleben – Gott sei Dank nur als theatralische Inszenierung, die sich vom Tal besonders eindrucksvoll als bengalische Beleuchtung der Stadtsilhouette darstellt. Mit viel Begeisterung hatten sich 1974 zum Start der jährlich wiederkehrenden Veranstaltung aus der Bürgerschaft und durch örtliche Vereine zahlreiche Gruppen gebildet, die es bis heute überwiegend noch gibt. Gewissermaßen zu den „Klassikern“ gehören „Das mittelalterliche Bürgerleben” in der Herrngasse mit den aufregenden Gerichtsverhandlungen und der Bäckertaufe am Brunnen. Der Schillingsfürster Bauernhaufen und die Schwarze Schar aus Ohrenbach bindet auch das Umland mit aufrüherischen Dörfern ins Geschehen ein. Einen zentralen Platz nahm auch diesmal wieder die Ritterschar von 1274 ein, die vor dem Rödertor ihr Lager aufgeschlagen hatte und mit Gefechten für Abwechslung sorgte.

Die Historiengruppen sind über die ganze Altstadt verteilt, so dass sich ein Rundgang lohnte. Am Klingentor war ein Heerlager aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit zahlreichen Gastgruppen aufgebaut, Musketen- und Kanonendrill mit Schießvorführungen gehörten dazu. Traditionsgemäß bereicherte das Festspiel mit seinen Truppen, Landsknechten und Marketenderinnen oder der Jungen Schar auch diesmal wieder das bunte Programm. Doch nicht nur an Plätzen und Tor-Basteien, sondern auch in den Gassen der Altstadt begegneten den Besuchern immer wieder umherziehende Gruppen wie die Gaukler „Mummenschanz” oder die Schwedenreiter.

Begehrtes Fotomotiv war die Gruppe mit der Malerei am Plönlein aus der Zeit um 1900, während es beim Viehmarkt am Sonntag auf dem Kapellenplatz bäuerliche Handwerksgeräte, Korbflechter und Schafe zu bestaunen gab.

Die Aufführung von Meistertrunk-Festspiel und Schäfertanz durften an den Festtagen nicht fehlen. Unter den zahlreichen Besuchern waren ebenso wie bei den bis zu tausend Mitwirkenden viele aus dem Hohenlohischen.