Hohenlohe-Franken

Rothenburg Oberbürgermeister Walter Hartl zieht Bilanz über seine 14-jährige Amtszeit / Wahl am 15. März mit drei Bewerbern

„Man muss am Ball bleiben“

Archivartikel

Gestiegene Einwohnerzahlen, mehr Touristen und höhere Steuerkraft: Nach 14 Jahren Amtszeit zieht Rothenburgs OB Walter Hartl eine gute Bilanz. Am 15. März tritt er nicht mehr zur Wahl an.

Rothenburg. Vor 14 Jahren war er der Überraschungskandidat in letzter Minute, der nicht nur in die Stichwahl kam, sondern auch gegen alle Erwartung zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Nun tritt Walter Hartl mit 63 Jahren am 15. März nicht mehr an und hinterlässt wohlgeordnete Verhältnisse.

Wer dem parteiunabhängigen OB nachfolgt, übernimmt eine weltberühmte Kleinstadt mit hervorragender Infrastruktur. „Aber man muss ständig am Ball bleiben,“ betont Hartl. Um das Amt bewerben sich die Tauberbischofsheimer Schulleiterin Martina Schlegl (CSU), Dr. Markus Naser (FRV) und Harry Scheuenstuhl (SPD).

Mit Walter Hartl zog nach langer Zeit wieder ein Verwaltungsfachmann (er kam von der Stadtverwaltung Heilbronn) ins Rothenburger Rathaus ein. Der gebürtige Allgäuer war zwar von den Grünen gefragt worden, trat aber über eine neue Wählervereinigung als unabhängiger Kandidat an. Die Skepsis, die ihm anfangs von den Wahlverlierern entgegenschlug, wechselte schnell in ein sehr gutes Miteinander, so dass es für die zweite Amtsperiode keine Gegenkandidatur gab.

Fragt man ihn nach der Arbeitsbilanz, so verweist Hartl vor allem auf Grundlegendes. So signalisiere die Bevölkerungszunahme von 10 898 auf 11 300 Einwohner einen Umschwung. Der Wirtschaftsstandort sei gestärkt, Firmen hätten expandiert und mit Teknor Apex habe ein neues Unternehmen 20 Millionen investiert und seinen Europasitz angesiedelt.

Hinzu komme die Stärkung des Bildungsstandortes mit der Montessorischule und dem Campus Rothenburg (300 Studierende). Im Tourismus sind die Übernachtungszahlen von 420 000 auf 560 000 gestiegen. Mit dem geplanten neuen Tagungs- und Wellnesshotel will man weitere Gäste gewinnen. Nicht umsonst gelte man als weltoffene Stadt mit der Auszeichnung „Stadt der Vielfalt”.

Wichtig ist Walter Hartl die Kulturarbeit, das Toppler Theater habe sich als neue Profibühne etabliert, junge Initiativen wie „Grenzkunst” seien entstanden. Für Kultur und Soziales wurden erstmals feste Stellen geschaffen. Das kulturelle Flair der Stadt wirke anziehend.

Schon als OB-Bewerber hatte sich Hartl gegen eine Umgehungsstraße und für „die Stärkung der Kernstadt” ausgesprochen, bei den neuen Verbrauchermärkten erscheint ihm die altstadtnahe Lage wichtig. Nicht mehr wegzudenken ist die von ihm eingeführte Außenbestuhlung in der Altstadt, und ein veränderter Altstadt-Bebauungsplan lässt leichter Gastro-Nutzung zu.

Die „Große Kreisstadt“ hat Millionen für die Erhaltung historischer Bauwerke aufzubringen, darunter oft größere Objekte wie das Schülerwohnheim im ehemaligen Spital. Aufwändig und teuer außerdem: die Kanalerneuerung der Innenstadt. Die unter Hartl geplante Dreifach-Turnhalle am Spitaltor sollte durch einen Bürgerentscheid verhindert werden, doch es wurde zugestimmt. Selbst ehemalige Kritiker erkennen heute den Bau als gelungen an. Mehr Verkehrsberuhigung und ein Parkkonzept seien auf den Weg gebracht worden, und das Kutschenproblem habe man jetzt im Griff.

Zur guten Infrastruktur gehörten die Stadtwerke, mit deren Geschäftsführung man vor Jahren die Heidenheimer Werke beauftragt habe. Mit über sechs Millionen Euro wurden gerade Hallenbad und Sauna erneuert. Hartl: „Die Werke stehen hervorragend da, das Eigenkapital konnte auf 21 Millionen Euro erhöht werden.“ Unklar sei die Zukunft der derzeit noch städtischen Müllabfuhr.

Silhouette nicht beeinträchtigt

Der Blick auf die Stadt veränderte sich in letzter Zeit durch Baugebiete, die neue Dominanten aufweisen. So durch hoch herausragende Penthaus-Flachdachbauten in der kleinteiligen Heckenacker-Siedlung. Von der Autobahn kommend prägt ein neu angesiedelter Betrieb in seiner Dimension das Bild links der Staatsstraße. Einige Bürger sehen nachteilige Stadtbildveränderungen. Es komme „doch ganz auf den Standpunkt an“, meint der Oberbürgermeister dazu, die Altstadtsilhouette sieht er keinesfalls beeinträchtigt. Man müsse im Einzelfall abwägen; ohnehin reichten die Gewerbeflächen schon bis an Neusitz und Gebsattel heran, und im Wohnbau fehle es bereits an Grundstücken, doch es werde weiter erschlossen.

Der gestärkte Wirtschaftsstandort bringe mit acht Millionen Gewerbesteuer rund doppelt soviel Einnahmen wie 2006. Gegen das ausgewiesene altstadtnahe Wohnbaugebiet am Philosophenweg wird zur Zeit geklagt, eine weitere Aufgabe für Nachfolger. Große Sorgen bereitet die Zukunft des Rothenburger Krankenhauses. Der OB betont die herausragenden Leistungen der örtlichen Klinik und deren guten Ruf, während der ganze „Anregiomed“-Verbund unübersehbar große Probleme habe. Nur gemeinsam mit Stadtrat und Verwaltung habe soviel erreicht werden können, unterstreicht der Oberbürgermeister. Allerdings könne sich niemand zurücklehnen: „Wer nur verwalten will, wird erleben, dass andere Städte vorbeiziehen. Es gilt Chancen zu Erkennen und zu nutzen.” Ab Mai will Walter Hartl erstmal ein halbes Jahr pausieren und dann weitersehen.