Hohenlohe-Franken

Schienenverkehr Güterzug bei Michelbach/Bilz entgleist / Natronlauge und Flüssiggas geladen / Strecke bleibt wegen Ermittlungen gesperrt

"Lauter Knall - und das ganze Haus hat gewackelt"

Michelbach.Drei Waggons eines Güterzugs sind bei Michelbach/Bilz entgleist. Auch Natronlauge und Flüssiggas waren geladen. Eine Gefahr für Anwohner bestand laut Polizei nicht.

Weniger als zehn Meter beträgt der Abstand zwischen der Schiene und der Wand des Bahnwärterhauses. Die Bewohnerin hört immer im Voraus, wenn gleich ein Güterzug vorbeikommt, "der macht andere Geräusche als ein Personenzug".

Was die Frau aber am vergangenen Donnerstag um kurz nach 16.30 Uhr hörte, hatte sie noch nie erlebt. "Es war ein unheimlicher Krach, es wurde immer lauter, bis es so etwas wie einen Knall gab. Das ganze Haus hat gewackelt."

Eine dichte Staubwolke

Die Michelbacherin ging nach draußen, um zu sehen ob es brennt - und stand in einer dichten Staubwolke.

Als diese sich gelichtet hatte, sah sie zwei Teile eines Güterzugs, beide etwa 200 Meter voneinander entfernt. Links hing ein Waggon schräg im Gebüsch.

Ein anderer war ebenso entgleist wie ein dritter Waggon rechts vom Haus.

So beschreibt die Bewohnerin den Zugunfall, bei dem laut Bundespolizei-Einsatzleiter Roland Weckenmann niemand verletzt wurde - "nach derzeitigem Erkenntnisstand", wie er am Abend sagte. Die Bundespolizei ist für Unfälle auf Bahngelände zuständig. Auch Anwohner seien offensichtlich nicht gefährdet gewesen.

In einem der 34 Waggons befand sich Flüssiggas (laut Weckenmann wohl als Stückgut geladen), in einem anderen Natronlauge. Dass diese Flüssigkeit geladen worden war, darauf deutete ein orangefarbenes Schild an dem Waggon mit der Aufschrift "80/1824" hin. "80 heißt schwache Säure", sagte ein Anwohner, der, wie es der Zufall will, Gefahrgutfahrer für Lastwagen ausbildet. Die Zahl "88" bedeute hochgefährlich, erzählte der Mann. Am Gleis stand gestern auch ein Mann mit einer Weste, auf der "Fachberater Chemie" steht. Der Fachmann wollte gegenüber der Presse keine Angaben machen. Roland Weckenmann sagte, dass keine Gefahr bestand, weil die Waggons mit den Stoffen auf den Schienen geblieben waren.

Der Unfall löste einen Großeinsatz aus. Vor Ort waren mehr als 80 Einsätzkräft e- von den Feuerwehren Michelbach und Schwäbisch Hall, von der Bundespolizei, von Arbeiter-Samariter-Bund und Deutschem Roten Kreuz. Auch ein Notfallmanager der Deutschen Bahn war in Michelbach.

Der Zug, der auf dem Weg von Stuttgart nach Nürnberg war, muss spätestens in Hirschfelden Probleme gehabt haben; dort ist am Bahnübergang das Gleisbett beschädigt. Wenige Hundert Meter weiter sind die Betonschwellen stark beschädigt. Über die Ursache der Entgleisung konnte Weckenmann vor Ort noch nichts sagen. Spezialisten würden den Unfallort untersuchen, die Strecke sei in den nächsten Tagen sicher nicht befahrbar. Gleise müssten ausgetauscht werden. Der Unfall, erzählte der Einsatzleiter, habe ein "nicht alltägliches Ausmaß".

Trasse stark beschädigt

Der Zug ist auf der Murrbahn zwischen Gaildorf-West und Hessental verunglückt. Wie die Bahn mitteilte, ist die Strecke stark beschädigt. Sie bleibt auch in der kommenden Woche gesperrt; wie lang die Sperrung dauern wird, steht noch nicht fest. Erst wenn die Bundespolizei und die Unfalluntersuchungsstelle des Bundes ihre Ermittlungen abgeschlossen sind, kann mit der Schadensaufnahme begonnen werden.

Zwischen Gaildorf-West und Hessental ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Jedoch kann es aufgrund von parallel durchgeführten Schienenersatzverkehren auf anderen Relationen kurzzeitig zu Kapazitätsengpässen kommen. wdr