Hohenlohe-Franken

Crailsheimer Volksfest Zwei Schwergewichte beim poltischen Auftakt / Thomas Strobl im Bierzelt, Anton Hofreiter vor dem Jugendzentrum

Lachen, wettern und Missstände bei anderen anprangern

Crailsheim.Beim politischen Volksfestauftakt des CDU-Stadtverbands im Engel-Zelt widmet sich Thomas Strobl dem „Hofreiter-Toni“ und seinen dringendsten Anliegen.

Bei der Veranstaltung der Grünen auf dem kleinen Volksfestplatz wurde wiederum gegen die CDU/CSU gewettert.

Es war nicht nur eine halbe Volksfestplatz-Länge, die die beiden Festredner Thomas Strobl und Anton Hofreiter trennte. Was die Weltanschauung angeht, war die Distanz – wenig überraschend – deutlich größer. Strobl, Chef des CDU-Landesverbands, Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Kretschmann, teilte aus.

Es wundere ihn, dass sich der Grünen-Politiker in Crailsheim „rumtreibe“, immerhin sei das Arbeitsverweigerung. In Berlin sei Sitzung, an eben diesem Abend tage der Bundestag, es sei zudem Haushaltswoche, mithin gehe es um das Königsrecht des Parlaments, und während der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten ganz selbstverständlich an seinem Arbeitsplatz zu finden sei, „drückt sich der Hofreiter-Toni vor seiner Pflicht“. Obwohl: So könne der Bundespolitiker wenigstens „keinen Unsinn machen in Berlin“.

Grundsätzlich aber war Thomas Strobl in Festlaune, lachte, wetterte, fand auch immer neue Superlative. Für gute Stimmung sorgen, nicht nur das war Strobl im Engel-Zelt wichtig. In seiner Ansprache sang er das Hohelied des Mittelstands, des schnellen Internets und des Ehrenamts, ging dann aber vor allem auf die Bedeutung Europas für die Region ein. Kein Land, keine Region habe so sehr von Europa profitiert wie Franken, so Strobl mit Blick auf Exportanteil und die Weltmarktführer im Landkreis. Am Beispiel der Digitalisierung zeigte er auf, „wie Veränderungen aufgegriffen und neue Traditionen gelegt werden“.

Lob für grüne Politik in Baden-Württemberg und jede Menge Schelte für die bayerische CSU und die Große Koalition in Berlin bekamen die Besucher des zweiten alternativen Volksfestauftakts des Kreisverbands Schwäbisch Hall von Bündnis 90/Die Grünen vor dem Jugendzentrum zu hören.

Demokratisch bleiben

Der Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Anton Hofreiter konnte sich zunächst mit dem „Mouschd-Blues“ in Stimmung bringen, bevor er ans Rednerpult trat. Dort zögerte er nicht, wie es sich als Oppositionsführer gehört, auf die Missstände im Bund hinzuweisen. Die Enttäuschung über eine Bundesregierung, „die sich streitet und blockiert und es darüber versäumt, Gesetze zu verabschieden und Politik zu machen“, zeigte er deutlich. Hofreiter blieb nicht bei allgemeinen Klagen, sondern nannte konkrete Beispiele: Bei der Klimapolitik den bislang versäumten Ausstieg aus dem Braunkohleabbau, beim Thema Landwirtschaft die ungerechte Verteilung von Steuergeldern und beim Thema Mobilität die Investition in Straßenbau anstatt in die Sanierung des Bahnnetzes und einen funktionierenden ÖPNV. „Die Bundesregierung traut sich nicht, großen Konzernen klare Ansagen zu machen“, sagte Hofreiter und verwies auf die grüne Landesregierung in Baden-Württemberg.

„In Baden-Württemberg haben wir gesehen: Politik kann Probleme lösen, wenn man sie mutig anpackt. Das wünsche ich mir für die Bundesregierung auch.“

Nach einem eindringlichen Appell, an Europa festzuhalten, rief Hofreiter die Zuhörer am Ende auf, sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen. „Ich habe eine Bitte: Verteidigen Sie die Demokratie. Gehen Sie zur Wahl und wählen Sie gern grün, aber vor allem demokratisch.“ bit/cho