Hohenlohe-Franken

Corona-Krise Hohenlohekreis mit den meisten Fällen pro Kopf in Baden-Württemberg / Landrat bezieht Stellung

Kupferzell und Pfedelbach sind „Hotspots“

Hohenlohekreis.Der Hohenlohekreis ist der Landkreis mit den meisten Fällen pro Kopf in ganz Baden-Württemberg (278 Personen, Stand 24. März). Der Landrat des Hohenlohekreises, Dr. Matthias Neth, hat in einer Pressemitteilung dazu Stellung genommen.

Den Ursprung habe die rasante Ausbreitung im Landkreis wohl bei einem Konzert in einem Teilort der Gemeinde Kupferzell genommen, bei dem zahlreiche Menschen infiziert worden seien. Diese alltägliche Veranstaltung mache deutlich, wie schnell man sich anstecken könne - aber sie zeige auch, wie schnell man selbst andere anstecken könne, ohne es zu wissen und zu wollen, so der Landrat. Im Zusammenhang mit diesem Konzert würden große Fallhäufungen in den Gemeinden Kupferzell und Pfedelbach - so genannte Hotspots - auftreten.

Ein weiterer Grund für die hohen Fallzahlen im Hohenlohekreis ist dem Landrat zufolge, dass man durch die Zentrale Abstrichstelle in Belzhag schon seit Beginn der Corona Pandemie eine große Anzahl an Tests durchführe, was zu einer entsprechenden hohen Testanzahl führe. Dadurch, dass dort nur Personen entsprechend Indikation des Robert-Koch-Instituts getestet würden, sei die Anzahl an positiven Befunden recht hoch.

Infektionsketten nachvollziehen

Die gute Nachricht sei, so Dr. Neth, dass das Gesundheitsamt bislang die Infektionsketten nachvollziehen könne und somit insbesondere in den Hotspots die Ansteckungswege noch erkennbar seien. Das sei wichtig, denn Ziel bleibe auch weiterhin, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Die vom Landratsamt Hohenlohekreis erlassenen Allgemeinverfügungen haben weiterhin Gültigkeit. Unter anderem müssen Positiv-Getestete sich für 14 Tage häuslich isolieren. Auch direkte Kontaktpersonen von Positiv-Getesteten müssen sich für 14 Tage häuslich isolieren.

Bereits Ende Februar habe das Landratsamt Hohenlohekreis als einer der ersten Landkreise alle eigenen Veranstaltungen abgesagt, die Bevölkerung durch Pressemitteilungen und auf der Homepage informiert, die Veranstalter und Gemeinde entsprechend beraten. Jedoch sei zum damaligen Zeitpunkt in der Breite der Gesellschaft die Akzeptanz für Einschränkungen kaum gegeben gewesen. Fast zeitgleich sei die Abstrichstelle in Betrieb gegangen, auch hier sei man einer der ersten Landkreise gewesen.

Das Gesundheitsamt sei neu aufgestellt worden und viele Mitarbeiter seien zwischenzeitlich von ihrem eigentlich Aufgabengebiet abgezogen worden, um im Gesundheitsamt und in der besonderen Aufbauorganisation auszuhelfen. Derzeit sind über 250 Personen im Einsatz, um Kollegen zu unterstützen. Das zusätzliche Personal ist hauptsächlich in zwei Bereichen eingesetzt: Bürger-Info-Telefon und Fallermittlung. Das Bürger-Info-Telefon ist sieben Tage die Woche in Früh- und Spätschicht im Einsatz und beantwortet etwa 300 Anrufe täglich. Die Fallermittlung arbeitet ebenfalls im Schichtdienst von 8 bis 20 Uhr daran, ausgehend von den nachgewiesenen positiven Fällen, Kontaktpersonen und so mögliche Infektionsketten zu ermitteln.

Stark eingeschränkt

Viele weitere Kolleginnen und Kollegen arbeiten nach Angaben des Landrats von zuhause aus für den Fall, dass zur Lagebewältigung mehr Personal nötig ist oder um Kolleginnen und Kollegen zu vertreten, die wegen Krankheit ausfallen. Der sonstige Dienstbetrieb des Landratsamts sei stark eingeschränkt, so Dr. Neth.

Die niedergelassenen Ärzte nehmen seit 10. März alle Abstriche im Hohenlohekreis zentral und gebündelt. Für einige Tage konnten hierfür die Räumlichkeiten des Gesundheitsamtes in Künzelsau verwendet werden. Seit Abstriche bei einer großen Anzahl an Personen genommen werden müssen, hat der Hohenlohekreis in Belzhag eine so genannte Drive-in Abstrichstelle in Betrieb gesetzt. Diese wird in enger Zusammenarbeit von Landratsamt Hohenlohekreis, Kassenärztlicher Vereinigung, Technisches Hilfswerk (THW) und Deutsches Rotes Kreuz betrieben.

In begründeten Verdachtsfällen werden dort - entsprechend Indikation des RKI - Abstriche an Personen vorgenommen, die sich telefonisch über den Hausarzt angemeldet und einen Termin erhalten haben.

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH habe alle Vorbereitungen für eine große Erkranktenzahl getroffen und Quarantänestationen errichtet. Corona Patienten sind dem Landrat zufolge schon stationär aufgenommen. pm