Hohenlohe-Franken

Landespolitik In Frankenhardt wurde vor zwei Monaten ein Wolf gesichtet / Politiker wandte sich mit Antrag an die Regierung

Kein Geld für Wolfsprävention

Archivartikel

Die Aufnahmen der Wildkamera sind mittlerweile verifiziert. Sie zeigt sehr wahrscheinlich einen Wolf in der Gemeinde Frankenhardt. Ein Antrag auf eine Förderkulisse wurde abgelehnt.

Frankenhardt. Die Aufregung in der Gemeinde Frankenhardt war groß, als es vor knapp zwei Monaten in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums Baden-Württemberg hieß, dass höchstwahrscheinlich ein Wolf in der Kommune gesichtet wurde. Gleich zwei Landtagsabgeordnete wandten sich daraufhin an die Landesregierung.

Hilfe für Landwirte gefordert

Stephen Brauer (FDP) verlangte eine rasche Aufklärung sowie Unterstützung für Landwirte und Weidehalter. Darüber hinaus verwies er auf die erhobene Forderung seiner Partei, den Wolf unter strikter Einhaltung der ganzjährigen Schonzeit ins Jagdrecht aufzunehmen. Udo Stein (AfD), jagdpolitischer Sprecher seiner Fraktion, forderte die Regierung in einem Antrag dazu auf, den Landkreis in die Förderkulisse Wolfsprävention aufzunehmen - und alle weiteren Landkreise in Baden-Württemberg. So würde das Land 90 Prozent der Kosten übernehmen, die Schaf-, Ziegenund Gehegewildhaltern bei der Anschaffung von Materialien für Herdenschutzmaßnahmen entstehen.

Deutliche Absage

Im Nordschwarzwald gibt es bereits ein Gebiet, das als Förderkulisse ausgewiesen ist. Der Abgeordnete der Alternative für Deutschland hat nun eine Antwort des von Bündnis 90/Die Grünen geführten Umweltministeriums erhalten – mit einer deutlichen Absage an die Ausweisung einer Förderkulisse Wolfsprävention in der Gemeinde Frankenhardt. Das Ministerium weise eine Förderkulisse aktuell nur dann aus, wenn ein Wolf mit hinreichender Sicherheit sesshaft („resident“) geworden ist, heißt es. „Nach den einschlägigen, bundesweit geltenden Monitoring-Standards gilt ein Wolf als resident, wenn er über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten innerhalb eines Gebiets nachgewiesen werden konnte“, so die Behörde. Hierfür sind laut Umweltministerium sogenannte C1-Nachweise notwendig – also DNA-Spuren, die beispielsweise durch Haare, Kot oder Abstriche an gerissenen Tieren nachgewiesen werden können. Der einmalige Wolfsverdacht in der Gemeinde Frankenhardt erfülle diese Voraussetzung nicht.

Udo Stein kritisiert die Entscheidung. Statt zu agieren und präventiv zu handeln, lasse die Landesregierung mal wieder eine Chance verstreichen. Sie warte quasi darauf, dass etwas passiert. Anschließend haben Betroffene sich durch einen bürokratischen Dschungel zu kämpfen, bis sie möglicherweise finanziell entschädigt werden, so Stein in einer Pressemitteilung. „Es hätte keinem geschadet, den Landkreis und in diesem Zuge ganz Baden-Württemberg in die Förderkulisse Wolfsprävention aufzunehmen, um im Schadensfall schneller handeln und die Betroffenen finanziell entschädigen zu können“, erklärt der Landtagsabgeordnete. Darüber hinaus würde so jeder Landkreis gleich behandelt werden.

Das Gebiet im Nordschwarzwald, das als Förderkulisse ausgewiesen ist, würde laut Stein Folgendes belegen: Sofern ein Wolf erst einmal sesshaft geworden ist, würden zwangsläufig Schäden entstehen. Bei bisher elf bestätigten Übergriffen eines Wolfes wurden 26 Schafe und drei Ziegen getötet, teilte die Landesregierung auf Nachfrage von Udo Stein mit.

Stein: kein „Wolfsgebiet“

Der AfD-Abgeordnete will nicht, dass Baden-Württemberg ein „Wolfsgebiet“ wird. Hier gebe es eine zu dichte Besiedlung und viele Weidetierhalter. „Der Wolf ist ein schönes Tier und steht zu Recht unter Schutz. Allerdings sollte er dort leben, wo er auch genügend Lebensraum für sich hat.“

Auch Stephen Brauer hat die Antwort des Umweltministeriums Baden-Württemberg erhalten. Die Sichtung des Wolfes in Frankenhardt sei ein Warnhinweis und weiteres Indiz dafür, dass sich das Tier zunehmend auch bei uns vor Ort auszubreiten droht. Sich seitens des Ministeriums daher rein auf derzeit geltende Formalien und Monitoringwerte zurückzuziehen, greife zu kurz - so sieht es der FDP-Abgeordnete. „Gleichzeitig geht es allerdings auch nicht darum, diesen zunächst einmaligen Vorfall so zu behandeln, als stünde uns alsbald eine Wolfsinvasion großen Stils bevor“, so Stephen Brauer weiter. Kühles, unideologisches Abwägen seitens der zuständigen Behörden und die längst überfällige Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht mit ganzjähriger Schonzeit seien das Gebot der Stunde. hota