Hohenlohe-Franken

Landwirtschaft Der Vogtländer Michael Stark kommt seit über 25 Jahren nach Hohenlohe, um den Kühen die Klauen zu pflegen

In Seitenlage geht’s an die „Pedikü(h)re“

Der Vogtländer Michael Stark kommt seit über einem Vierteljahrhundert auf den Werdeckerhof in Musdorf und in viele andere Betriebe, die ihm ihre Kühe anvertrauen.

Musdorf. Susanne, Sabine und Mona-Lisa sind drei von 75 Milchkühen des Werdeckerhofs, der von Familie Bullinger betrieben wird. Einer, der zwar nicht zur Landwirtschaftsfamilie gehört, aber zwei bis drei Mal im Jahr auf den zwischen Rot am See und Gerabronn gelegenen Hof kommt, kennt die Kühe alle. Er kümmert sich nämlich um die Pflege der Klauen.

Er, das ist Michael Stark, und er ist gelernter Klauenpfleger. „Hier im Hohenlohischen nennen mich alle nur Michel“, sagt der aus dem Vogtland stammende Stark. Er hatte in der Landwirtschaft gelernt und sich 1982 zum Klauenpfleger fortgebildet.

Nach Hohenlohe ist er durch die Vermittlung des Maschinenrings Blaufelden gekommen; bereits seit 1994 ist er immer wieder für ein halbes Jahr hier tätig. Die restliche Zeit arbeitet er in Betrieben in seiner sächsischen Heimat und im angrenzenden Bayern. „Seit ich hier bin, wohne ich bei Familie Schmieg in Musdorf. Da gehöre ich mittlerweile fast schon zur Familie und habe mich bestens einrichten können.“

Doch zurück zum Hof in Werdeck: In einem Vorraum des Kuhstalls hat Michael Stark seinen Klauenpflegestand aufgebaut. Praktischerweise hängt das stabile Metallgestell als Anhänger an der Anhängerkupplung seines Autos, so kann er es recht einfach von Hof zu Hof transportieren.

Landwirt Gerhard Bullinger und die Auszubildende Caroline Gölz führen zusammen eine Milchkuh aus dem Freilaufstall in den Pflegestand. Es ist Susanne, was an der Nummer 56 an ihrem Halsband zu erkennen ist. Michael Stark spricht ihr in ruhigem Ton gut zu.

„Die Tiere sind ja schon aufgeregt, weil sie nicht wissen, dass es ihnen bei mir gut geht. Und jede hat ein anderes Temperament“, erklärt er, während er ihr breite Lederbänder um den Bauch legt und sie an dem Gestell festmacht. Mit einer Handkurbel spannt er die Bänder leicht an und hebt Susanne dabei etwas vom Boden ab.

Ehe sie sich’s versieht, wird sie mit dem ganzen Gestell auf die linke Seite umgelegt. Hierbei kommt ein Elektromotor zum Einsatz. In idealer Arbeitshöhe wird dann jedes Bein an der Fessel fixiert.

Wie Zehennägel schneiden

Alles läuft routiniert und äußerst ruhig ab. Ausgestattet mit Schutzbrille und Handschuhen trägt Stark dann mit der speziellen Klauenscheibe eines Winkelschleifers das überschüssige Horn ab und bringt an jedem Bein die beiden Klauen in den Normalzustand. Das sei wie Zehennägel schneiden bei den Menschen, weiß Stark. Vielleicht macht es deshalb den Eindruck, er modelliere die Klauen. Den letzten Schliff gibt er mit einem Handmesser. Dabei erkennt er auch, ob es Verletzungen an den Klauen gibt. Währenddessen erklärt Gerhard Bullinger, warum die Klauenpflege wichtig ist: „Wenn das Horn zu sehr wächst oder es Druckstellen gibt, fühlen sich die Tiere nicht wohl, laufen nicht mehr und geben weniger Milch. Außerdem können durch Verletzungen schwerwiegende Krankheiten entstehen.“ Nach rund zehn Minuten ist es geschafft und Susanne wird wieder auf den Boden gestellt. Sie scheint erleichtert, dass sie wieder zurück in den Stall geführt wird. Gleich darauf bringen Bullinger und Gölz die nächste Kuh. An einem Tag bekommen so bis zu 45 Tiere eine „Pedikü(h)re“.

In der Region betreut Michael Stark um die 20 Betriebe. „Am Anfang waren manche skeptisch, ob ich das auch gut könne. Die konnte ich alle davon überzeugen.“ Nach 26 Jahren kennt er sich in der Gegend und bei den hiesigen Menschen gut aus.

Und so wundert es nicht, dass der 61-Jährige beim Mittagessen und beim abendlichen Vesper bei Familie Bullinger wie selbstverständlich mit den vier Generationen an einem Tisch sitzt. tba