Hohenlohe-Franken

Streuobstwiesen Neuer Verein „Hochstamm Deutschland“ mit Sitz in Bartenstein will die von Menschenhand geschaffenen Biotope wirkungsvoll schützen

Immer weniger „Baameländle“

Der Verein „Hochstamm Deutschland“ mit seiner Geschäftsstelle in Bartenstein kümmert sich um den Erhalt wertvoller Streuobstwiesen und unterstützt Initiativen bei ihrer Arbeit

Bartenstein. Ein von Menschenhand geschaffenes Paradies – das sind Streuobstwiesen. Noch vor 50, 60 Jahren gab es auch in Hohenlohe kein Dorf und keinen Bauernhof ohne „Baameländle“.

Heimlich, still und leise verschwinden aber auch im Land zwischen Kocher und Jagst diese überaus wertvollen Biotope, die nicht nur köstliches Obst liefern, sondern auch vielen Pflanzen und Tieren eine Heimstatt bieten.

Den Erhalt der Streuobstwiesen hat sich der neue Verein „Hochstamm Deutschland“ zum Ziel gesetzt.

Drastische Verluste

Die Verluste sind drastisch: Experten gehen davon aus, dass sich in Deutschland seit dem Jahr 1950 die Fläche der Streuobstwiesen von 1,5 Millionen Hektar auf nunmehr nur noch 400 000 Hektar verringert hat. Oft stehen die Bäume neuen Bau- und Gewerbegebieten sowie Straßen im Weg, aber auch vor der relativ aufwendigen Bewirtschaftung dieser Flächen schrecken inzwischen viele Grundbesitzer zurück.

Organisationen wie der Naturschutzbund (NABU) stemmen sich schon lange gegen den Schwund der Streuobstwiesen: Mit dem Slogan „Mosttrinker sind Naturschützer“ wird schon seit 1982 für den Erhalt dieser Kleinode der Natur geworben. Und in der Region versuchen einige Initiativen wie „Grünspecht“, „Kreßberger Premium“ oder „Der Hesselberger“, den Verbrauchern die Säfte von den hiesigen Streuobstwiesen schmackhaft zu machen.

Diesen „Einzelkämpfern“ will der neue Verein „Hochstamm Deutschland“ eine bundesweite Plattform verschaffen: „Wir wollen die Streuobst-Initiativen miteinander vernetzen und sie mit Fachwissen und Informationen versorgen“, sagt Hannes Bürckmann.

Einen Verbund geschmiedet

Der Diplom-Agraringenieur und Regionalmanager für Förderprogramme wie „Leader“ lebt mit seiner Frau Silke Schkölziger seit zehn Jahren auf dem Hornungshof bei Bartenstein und leitet die Geschäftsstelle des Vereins, unter dessen Dach sich auch Naturschutzverbände, Kommunen und Privatpersonen zusammengeschlossen haben. Die Idee, einen solchen Verbund zu schaffen, geht auf Fachkongresse und die „Streuobsttage“ zurück, die seit 2012 in Baden-Württemberg in Kooperation mit Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz abgehalten werden.

Neben Datenbanken zu Veranstaltungen und Kursen sowie zu den Streuobst-Akteuren und Informationen für Verbraucher spielt die Vermarktung der Produkte nebst Marketing eine wichtige Rolle in der Vereinsarbeit: „Wir setzen dort an, wo die Arbeit für regionale Gruppierungen bei allem Engagement nicht mehr leistbar ist“, sagt Hannes Bürckmann.

Derzeit arbeitet der Verein zum Beispiel daran, im nächsten Jahr eine Marke für Streuobstwiesen-Produkte als Qualitätssiegel einzuführen. Und noch im Herbst dieses Jahres wird der Verein einen Antrag auf den UNESCO-Titel „Immaterielles Kulturerbe“ einreichen: „Eine solche Auszeichnung weckt Aufmerksamkeit – und das Bewusstsein dafür, wie wertvoll die Streuobstwiesen und wie schwerwiegend ihr Verlust ist“, sagt Hannes Bürckmann.

Zugleich wäre es „eine Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz aller Initiativen“.

Der Diplom-Agraringenieur macht sich allerdings keine Illusionen, was die Aussichten für die Streuobstwiesen anbelangt: „Mehr Flächen wird es in Zukunft kaum geben – deshalb versuchen wir zu retten, was noch zu retten ist.“ haz