Hohenlohe-Franken

Fremde Konten geplündert Krimineller Senior muss zweieinhalb Jahre in Haft / Sein Sohn gilt als Drahtzieher / Allein im Haller Landkreis 42 000 Euro ergaunert

„Hochorganisierter“ Bankbetrüger von Ilshofen in Berlin verurteilt

Archivartikel

Berlin/Ilshofen.Weil er mit gefälschten Personalausweisen in mehreren deutschen Städten fremde Bankkonten geplündert hatte, ist ein Senior zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Das Berliner Landgericht sprach den 68-Jährigen am Montag der Urkundenfälschung sowie des gewerbsmäßigen Betrugs schuldig. Er habe 222 000 Euro erschwindelt, hieß es weiter im Urteil. Der Rentner habe sich für seinen Sohn „in ein System begeben, das hochgradig organisiert ist“. Unter anderem ergaunerte der Mann im Januar 2019 bei der Sparkasse in Ilshofen 42 000 Euro. Er hatte mit Personalausweis und EC-Karte eines 64-Jährigen, die dieser bereits im November 2016 verloren hatte, zunächst in der Schwäbisch Haller Hauptstelle den Kontostand erfragt. In Ilshofen hatte er sich mit den Dokumenten im Anschluss das Geld auszahlen lassen. Das Lichtbild auf dem Ausweis war gefälscht, die Bankangestellten schöpften keinen Verdacht. Der Betrug fiel erst auf, als der Geschädigte seine Kontoauszüge überprüfte.

Auch mithilfe von Fahndungsfotos von Überwachungskameras konnte der Betrüger schließlich überführt werden. Mit der Betrugsmasche war der Mann zwischen Januar und April 2019 auch noch in Bautzen (Sachsen), Trier (Rheinland-Pfalz) und Düsseldorf erfolgreich.

Sohn fünf Jahre hinter Gittern

Der zuletzt als Taxifahrer tätige Mann hatte seine Taten gestanden und erklärt, an den sieben angeklagten Fällen habe er sich beteiligt, weil ihn sein Sohn darum gebeten habe. „Er sagte, dass er Schulden habe und bedroht werde.“ Der 38-Jährige, der inzwischen wegen ähnlicher Taten zu fünf Jahren Haft verurteilt worden ist, habe ihm auf der Fahrt zu Tatorten Anweisungen erteilt. „Auf der Fahrt saß ich hinten im Auto, übte die Unterschrift.“ Sie seien stets zu dritt im Auto gewesen. „Zwei Drittel des Geldes blieben jeweils bei dem Fahrer, den ich nie kannte.“ Das restliche Geld habe er bis auf eine „Aufwandsentschädigung“ dem Sohn geben. „Wer die Ausweise herstellte, kann ich nicht sagen“, so der Angeklagte. „Ich wollte meinem Sohn helfen. Meine Frau weiß bis heute nicht, was ich gemacht habe.“ Wie die Drahtzieher an die verwendeten Personal- und Bankdaten gekommen seien, wisse er nicht.

Das Landgericht ordnete neben der Haftstrafe über 2,5 Jahre die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 222 000 Euro an. Der Staatsanwalt hatte auf dreieinhalb Jahre Haft plädiert. Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. dpa/hs