Hohenlohe-Franken

Landwirtschaft Beim Bauerntag der· Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (BESH) fordern die Redner eine stärkere Förderung von kleinen und mittleren Betrieben

Harte Arbeit der Landwirte auch entsprechend fair entlohnen

Wolpertshausen.„Unsere Bauern arbeiten hart für unser tägliches Brot. Sie brauchen aber auch ein ausreichendes Einkommen, um ihre Existenz zu sichern und um ihren vielfältigen und teilweise gesamtgesellschaftlichen Aufgaben nachkommen zu können.“ Nicht nur Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch stellte dies in den Mittelpunkt ihrer Rede beim „Bauerntag“.

Auch die anderen Gastredner hoben darauf ab – aus ganz unterschiedlichen Gründen. So etwa Hubert Weiger, dem Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund). „Der Druck auf die Erzeugerpreise hat zu allgemeinem Wohlstand geführt, dass mehr konsumiert werden kann. Aber dieser Erzeugerdruck kommt teuer zu stehen.“ Die billige Produktion führe zu „moderner Sklavenhaltung“ bei Beschäftigten in der Landwirtschaft (etwa Erntehelfern), zum „flächendeckenden Rückgang von Allerweltsarten“ bei Tieren und Pflanzen, zu Gift in Lebensmitteln (etwa Glyphosat). „Ihr seid die Opfer dieser Entwicklung“, sagte Weiger. Verantwortlich seien der Preisdruck, der von den Lebensmitteleinkäufern ausgeübt werde: „Fleisch ist billiger als Gemüse, Milch ist billiger als Wasser.“ Ebenso in der Verantwortung stünden Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, die vor allem hochrationalisierte Großbetriebe fördere.

Regionale Strukturen

„Wir kommen aus dieser krisenhaften Situation nur dann heraus, wenn es zu Gemeinschaftsaktionen kommt“, sagte der Naturschützer. An Verbrauchern liege es, nicht nur an die Politiker zu appellieren, sondern dort einzukaufen, wo Landwirte auf natur- und umweltverträgliche Weise Lebensmittel herstellen. „Landwirtschaft hat eine zentrale Verantwortung für unser Leben“, sagte Hubert Weiger. An Landwirten und ihrer Produktionsweise „hängen gesunde Lebensmittel, Klimaschutz, Bodengesundheit und Diversität“. In einer industrialisierten Landwirtschaft könnten diese Ziele kaum erreicht werden, es brauche die bäuerliche Gesellschaft, die in Generationen denke. „Wenn bäuerliche Strukturen verschwunden sind, kommen sie nicht wieder.“

Die Lösung aus Sicht des Bund-Vorsitzenden ist deshalb der Aufbau von regionalen Strukturen, wie sie die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft realisiert habe. Landwirtschaftliche Betriebe brauchten dafür Unterstützung, damit sie beispielsweise ihre Ställe umbauen können.

Auch Friedlinde Gurr-Hirsch hob auf die Notwendigkeit ab, Fördergelder neu zu regeln. Durch den Austritt der Briten fehle Geld, „deshalb muss ein höherer Anteil aus den Ländern nach Brüssel fließen“. Zudem sollen kleinere und mittlere Betriebe besser gefördert werden. Bislang bekommt jeder Betrieb 280 Euro pro Hektar. Großbetriebe, wie sie in Norddeutschland und den östlichen Bundesländern vorherschen, profitierten überproportional.

Mehr Geld für kleine Höfe

Rezzo Schlauch, Grünen-Politiker aus Bächlingen, rechnete vor: Ein 1000-Hektar-Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern bekomme 280 000 Euro. Ein Betrieb in Baden-Württemberg mit 50 Hektar erhaltet dagegen nur 14 000 Euro im Jahr. „Das darf nicht wahr sein.“ Während sonst Subventionen an Qualitätsmerkmale geknüpft seien, würden in diesem Bereich mit der Gießkanne das Fördergeld ausgeschüttet. Seine Forderung: Die ersten 50 Hektar sollen stärker gefördert werden.

Unterschiedliche Einschätzungen gibt es, was die Marktfähigkeit von regionalen Qualitätsprodukten gibt. Gurr-Hirsch zitierte eine Studie, wonach nur 16 Prozent der Bundesbürger bereit seien, dafür mehr zu bezahlen. Ihr Ansatz ist deshalb, bei den Kindern anzufangen, beim „Ernährungsführerschein“, den Schüler der dritten Klassen erwerben sollen. Dagegen zitiert Rezzo Schlauch aus dem im Januar herausgekommenen Ernährungsreport. Demnach schaue jeder Zweite auf Ökosiegel, 86 Prozent der Bürger wollten Fleisch aus artgerechter Haltung. Schlauch plädierte für eine Agrarreform. „Die inhaltliche Blaupause ist die BESH. In 30 Jahren wurde eine beeindruckendes landwirtschaftliches Unternehmen in Händen von Bauern und Bürgern aufgebaut. Das sucht seinesgleichen in ganz Deutschland. Da müssten alle herkommen und sich diese Infrastruktur anschauen.“

Die Beziehung zwischen Rudolf Bühler, Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (BESH) und dem Bauernverband Schwäbisch Hall- Hohenlohe-Rems war schon lange schwierig. Vor gut einem Jahr war’s dann aus. Anlass war der damalige Bauerntag. Bühler hatte die „Agrarindustrie“ kritisiert, die Verwendung von Glyphosat, das zum „schleichenden und lautlosen Tod“ von Insekten, Bienen und Vögeln führe. Auch die Haltung des Verbands zur Bauernrente kritisiert Bühler.

Nach einer Replik durch den Bauernverband trat Rudolf Bühler aus. Der Verband hatte „die ständigen Angriffe auf die konventionelle Landwirtschaft“ zurückgewiesen und festgestellt, dass die allermeisten Bauern der BESH Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetzten. Deshalb waren einige Besucher gespannt, ob dieser Streit erneut befeuert wird.

Ziel: Glyphosat verbieten

Rudolf Bühler sagte kein Wort zu der Auseinandersetzung des Vorjahrs. Auf Nachfrage zu den Spritzmitteln informierte er: „Im Bereich Glyphosat sind wir auf dem Weg. Unsere 480 Biobetriebe und der Großteil der Qualitätsfleischerzeuger wenden kein Glyphosat an. Wir werden ein Verbot auf Grundlage einer basisdemokratischen Entscheidung anstreben und umsetzen.“

Kirchenrat Georg Eberhardt, der zwölf Jahre lang Pfarrer in Schwäbisch Hall war, und persönlicher Referent von Landesbischof July ist, sagte indes: „Dieses Gegeneinander tut nicht gut. Auf Dauer verlieren alle, wenn sie nicht gemeinsam ihre Interessen vertreten.“ Es sei hilfreich, wenn wieder Brücken zum Bauernverband geschlagen würden.

Rezzo Schlauch thematisierte diesen Wunsch des Kirchenrats. Er vermisse „eine sachliche und selbstkritische Diskussion der Landwirtschaftspolitik“.

Auf der Grünen Woche in Berlin habe er „nichts, außer selbstgerechte Verteidigung des Status Quo“ gehört. Die Mehrheit der Bürger seien gegen Massentierhaltung, gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, gegen den tonnenschweren Einsatz von Chemie. „In der offiziellen Landwirtschaftspolitik ist das kein Thema.“

Zuversichtlich meinte der Grünen-Politiker: „Wer auszieht, zieht auch irgendwann wieder ein.“ Der Bauernverband solle aufpassen, „dass er nicht einfach von der Entwicklung überrannt wird“.