Hohenlohe-Franken

Genossenschaften Nach 36 Jahren räumt Lothar Kaletta das Vorstandsbüro bei der Raiffeisenbank / Mit Thomas Haag folgt ein Eigengewächs

„Guter Geist wird weiterhin wehen“

Archivartikel

Bei der Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See geht eine Ära zu Ende: Nach 36 Jahren räumt Lothar Kaletta das Vorstandsbüro. Thomas Haag sitzt künftig auf einem der zwei Chefsessel.

Schrozberg/Rot am See. Seit gestern taucht der leidenschaftliche Schwimmer Lothar Kaletta aus Rot am See nicht mehr in die Arbeitswelt der Zahlen ab, sein Wecker übt am frühen Morgen keinen akustischen Terror mehr aus – und die Dienstkrawatte mit den orange-weißen Streifen muss sich an einen Dornröschenschlaf im Kleiderschrank gewöhnen: Nach 36 Jahren hat Lothar Kaletta (63) das Vorstandsbüro der Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See geräumt. In seine markanten Fußstapfen tritt Thomas Haag (39), der künftig zusammen mit dem seit 2011 amtierenden Vorstand Winfried Stahl (48) die millionenschwere Verantwortung für das Geld von 5500 Mitgliedern und 10 500 Kunden der Genossenschaftsbank trägt.

Wer weiß, was aus dem in Brettenfeld aufgewachsenen Buben geworden wäre, wenn ihm seine Eltern nicht die Botengänge zur Bank anvertraut hätten. So aber sagte sich der Knabe Lothar spätestens anno 1966 im Angesicht des Bank-Neubaues in Rot am See: „Hinter diesem Tresen möchte ich auch einmal stehen.“

Und so kam es auch: Im August 1971 startete der „Stift“ seine profunde Ausbildung bei der Raiba Rot am See und avancierte 1978 nach dem Besuch einer Fachschule in Stuttgart zum Betriebswirt. Die „Lizenz“ zur Führung einer Bank erhielt Lothar Kaletta nach diversen Seminaren bei der Geno-Akademie in Montabaur, und im Jahr 1982 schließlich kletterte er auf die höchste Stufe der Karriereleiter bei einer Genossenschaftsbank: Die Raiba bestellte ihn zum Mitglied des Vorstandes.

In die Ära Kaletta fiel nicht nur eine glatte Verzehnfachung der Bilanzsumme auf nunmehr 308 Millionen Euro, sondern auch die Fusion mit den Geno-Banken in Schrozberg, Brettheim, Spielbach und Leuzendorf im Jahr 1999. Weitere „Ehen“ stehen derzeit nicht auf der Agenda der Bank – ganz im Gegenteil: „Wir haben uns die Selbstständigkeit auf die Fahnen geschrieben und wollen diese mit allen Kräften bewahren“, sagt Lothar Kaletta.

Die Schließung von Filialen wie jüngst in Leuzendorf und Spielbach, die allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen und geringer Frequentierung erfolgt ist, sind ebenfalls kein Thema mehr. Schließlich sind es keine leeren Worthülsen aus der PR-Maschine, wenn sich die Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See im ländlichen Raum verwurzelt sieht und hieraus ihre wirtschaftliche Kraft schöpft – ein Geschäftsprinzip, das auch für Lothar Kaletta an oberster Stelle stand.

Die rasanten Veränderungen in seiner Branche bilanziert der nunmehrige Ruheständler mit gemischten Gefühlen: „Regulatorische Vorschriften machen uns schwer zu schaffen, da werden alle Kreditinstitute über einen Kamm geschoren – ob sie sich nur einen Spezialisten für dieses Arbeitsfeld leisten können oder gleich eine ganze Hundertschaft wie in einer Großbank.“

„Es geht auch anders“

Lothar Kaletta macht auch keinen Hehl daraus, was er von den schwarzen Schafen in seiner Branche hält, die eben jene Verschärfung der Vorschriften ausgelöst haben: „Es tut mir in der Seele weh, wie durch windige Geschäfte das hohe Ansehen der Banken zerstört wurde. Wir wollen tagtäglich zeigen, dass es auch anders geht und nicht nur allein die Zahlen, sondern auch die Menschen dahinter wichtig sind.“

Wie sehr das generelle Image der Kreditinstitute auch bei der grundsoliden Raiba gelitten hat, zeigt sich zum Beispiel bei den Bewerbungen um Azubi-Stellen: „Das Interesse ging drastisch zurück und hat sich erst in den letzten ein, zwei Jahren wieder etwas gesteigert“, sagt Lothar Kaletta.

Er ist zudem felsenfest davon überzeugt, dass auch künftig „ein guter Geist durch die Raiba weht“. Und unter Langeweile wird der Ruheständler auch nicht leiden: Beim BDS Rot am See, beim DLRG und beim Albverein steht Lothar Kaletta auch künftig auf den Mitgliederlisten, dem Radeln und Schwimmen wird er sich wieder verstärkt widmen und schließlich ist der Storch mit dem Enkel Nummer 2 schon im Landeanflug.

Der neue Mann im Vorstand der Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See ist ein „Eigengewächs“ des Kreditinstitutes: Thomas Haag (er stammt aus Kleinansbach und wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in Rot am See) begann bei der Genossenschaftsbank im Januar 1999 seine Ausbildung zum Bankkaufmann. Ein Studium der Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen schloss er als Diplom-Kaufmann ab. Bis 2004 arbeitete Thomas Haag in den Bereichen Service und Beratung, 2005 wurde er zum Leiter des Rechnungswesens und 2012 zum Prokuristen bestellt. Seit 2013 zeichnet er für die Bereiche Controlling und „Marktfolge Passiv“ bei der Raiba verantwortlich. Wie sein Vorgänger Lothar Kaletta und sein Vorstandskollege Winfried Stahl legt auch Thomas Haag großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter der Bank (derzeit 45) möglichst aus der Region Hohenlohe stammen: „Das beste Risikomanagement und der beste Service bestehen darin, die Kunden und ihre Wünsche gut zu kennen“, sagt der neue Vorstand der Raiba. haz