Hohenlohe-Franken

Nahverkehr Studie des Landes zur Reaktivierung von Strecken / Hohe Zuschüsse zu erwarten

Gute Chancen für die Kochertalbahn

Archivartikel

Das Land Baden-Württemberg setzt sich für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken ein. Davon kann auch die Region Heilbronn-Franken profitieren.

Hohenlohekreis/Kreis Schwäbisch Hall. Das Land will eine ordentliche Schippe drauflegen bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Die Kochertalbahn hat gute Chancen, wieder in Betrieb zu gehen, wenn die lokalen Akteure rasch ihre Hausaufgaben machen.

Das Verkehrsministerium präsentierte kürzlich die Ergebnisse einer Analyse, in der 42 Abschnitte untersucht wurden. Die Fahrgastpotenziale von zwölf Strecken werden als sehr hoch bewertet. Zehn Abschnitten wird eine hohe Nachfrage attestiert – dazu gehört die Kochertalbahn. Mittlere Potenziale werden zehn Strecken zugeschrieben. Die zehn letzten Abschnitte haben geringes Potenzial – zum Beispiel die Stichstrecke Blaufelden-Langenburg.

Schnelligkeit zählt

Die Fördermittel des Bundes und des Landes Baden-Württemberg für die Reaktivierung von Bahnstrecken wurden enorm aufgestockt. Deren Vergabe an die einzelnen Projekte hängt aber nicht nur von der Reihenfolge und Einordnung des jeweiligen Fahrgastpotenzials in eine dieser Kategorien ab.

Es ist auch entscheidend, wie schnell die Kreise und Kommunen vor Ort reagieren und konkrete Planungen anpacken. Dies gilt für die Strecken mit sehr hohem und hohem Potenzial, aber auch für die in der mittleren Kategorie. Im letzten Viertel der Liste ist allerdings ein täglicher Betrieb ausgeschlossen. Dort geht es nur darum, einen gelegentlichen Freizeitverkehr zu prüfen.

Bei der Vergabe von Landesmitteln, etwa bei der Förderung der Betriebskosten, „zählt das Windhundprinzip“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann. „Jene Akteure, die besonders aktiv sind, haben gute Chancen, auch wenn die Strecken nicht von vornherein das beste Potenzial haben.“

„Hoher Anreiz“

So entsteht eine Art Wettbewerb, wer mit seinen Vorhaben am zeitigsten dran ist. Für Herrmann stellt dies einen „hohen Anreiz“ dar, die Planungen „schnell in Angriff zu nehmen“. Eine Grundbedingung muss aber bei allen Projekten erfüllt sein: Die Kosten müssen in Einklang stehen mit dem Nutzen. Das heißt: Die Wirtschaftlichkeit muss in Machbarkeitsstudien glasklar nachgewiesen werden.

Für die Strecken der Kategorie A (über 1500 Fahrgäste pro Schultag) und B (750 bis 1500 Fahrgäste) sollen diese Untersuchungen jetzt rasch eingeleitet werden.

Außerdem wird das Land die Betriebskosten der Strecken mit dem höchsten Fahrgastpotenzial (Kategorien A und B) gemäß dem landesweit üblichen Standard (mindestens Stundentakt, bei hoher Nachfrage öfter) komplett übernehmen.

Bis zu 90 Prozent Zuschuss

Die zeitliche Reihenfolge entscheide, wer zum Zug komme, heißt es. Bei den Baukosten winkt den Kreisen und Kommunen eine Unterstützung, von der sie bis dato nur träumen konnten. Bleiben aktuell bei Bahnprojekten fast 40 Prozent der Investitionen an ihnen hängen, sind es in Zukunft unter Umständen nur noch bis zu vier Prozent.

Winfried Hermann: „Der Bund fördert die Baukosten für Reaktivierungsvorhaben neuerdings mit bis zu 90 Prozent.“ Das Land beteilige sich an den verbleibenden Kosten, so dass künftig bis zu 96 Prozent gefördert werden könnten.

„Hohes Potenzial“

Der Strecke Waldenburg-Künzelsau wird von den Stuttgarter Experten ein „hohes Nachfragepotenzial“ bescheinigt (Platz 18 von 42), der Strecke Langenburg-Blaufelden maximal Potenzial für „Gelegenheitsverkehr und touristischen Verkehr“ (Platz 42 – was den letzten Platz in der Liste bedeutet). rr