Hohenlohe-Franken

Crailsheimer Oberbürgermeisterwahl CDU-Kandidat aus dem Main-Tauber-Kreis landet mit gut zwölf Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz / Sieger zunächst "total überrascht"

Großer Triumph für Dr. Christoph Grimmer

Zur Überraschung vieler fällt der zweite Wahlgang aus: Christoph Grimmer hat sich gegen elf Mitbewerber durchgesetzt. Der Werbacher Kandidat Ulrich Seel holte nur gut 12 Prozent der Stimmen.

Crailsheim. Am Samstagabend war Dr. Christoph Grimmer noch im Regen vor der Arena in Ilshofen gestanden und hatte rund ums Merlins-Spiel Wahlkampffaltblätter verteilt. Am Sonntagabend stand er, wieder im Regen, vor dem Portal des Crailsheimer Rathauses und empfing die Ehren der Bürgerwache - weil die Wähler ihn eben nicht hatten im Regen stehen lassen: Fast 57 Prozent der rund 10 500 Bürger, die ihre Stimme abgaben, machten ihr Kreuz beim bisherigen stellvertretenden Pressesprecher der FDP-Fraktion im Hamburger Landesparlament.

Als die ersten Zahlen an die Wand des Ratssaales geworfen wurden, deutete sich schon an, dass dies ein großer Abend für den 32-Jährigen werden würde. Lange war aber nicht recht klar, wie viele ausgezählte Stimmbezirke dem großen Grimmer-Balken tatsächlich zugrunde lagen. Und so stand der Kandidat mit einem Glas Wasser zwischen den Bürgern, als habe er sich bis zur endgültigen Klarheit demonstrativ Selters statt Sekt verordnet.

Als dann freilich Noch-Oberbürgermeister Rudolf Michl vor die Versammelten trat und den Sieg Grimmers bestätigte, da "hatte ich ein leichtes Stechen im Herzen", sagte der zukünftige OB den Medien. "Ich war wirklich total überrascht, dass es sich im ersten Wahlgang entscheidet."

Und das Glas Wasser musste dann auch schnell zur Seite gestellt werden, schließlich begann ein wahrer Händeschüttel-Marathon. Jeder wollte dem jungen Wahlsieger seine Glückwünsche mit auf den Weg geben. Eine Stunde später dann schaute Grimmer kurz auf sein Smartphone - und hatte schon 60 ungelesene Nachrichten.

"Ziemlich müde" sei er gewesen, als er am Sonntag aufgestanden sei, bekannte Grimmer. Intensive Wochen liegen schließlich hinter ihm, "und ich habe mich auf drei weitere Wochen eingestellt".

Seine neue Stelle tritt Grimmer voraussichtlich am 1. Februar an. Zuvor gilt es, viele Gespräche zu führen, seine Arbeit in Hamburg zu Ende zu bringen und den Umzug zu organisieren. "Intensiv" wird sicherlich auch das - ebenso wie die acht Jahre, die kommen. Keine Angst vor der großen Aufgabe? Nein, sagt Grimmer. "Einer muss den Job machen. Und ich habe bisher die Vorhaben, die ich hatte, immer erfolgreich erledigt - sei's die Promotion, sei's der Marathonlauf in unter drei Stunden." An Ausdauer also mangelt es schon einmal nicht.

Des einen Freud ist der anderen Leid: Während Grimmer jubeln durfte, waren die übrigen Bewerber enttäuscht. CDU-Kandidat Ulrich Seel aus Werbach holte nur 12,1 Prozent der Stimmen. "Es ist eindeutig", sagte er. "Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht." Seel bedankte sich bei seinen Wählern und gratulierte dem Gewinner. "Ich glaube nicht, dass es eine einfache Aufgabe wird", mahnte er. "Aber das wäre es auch für mich nicht geworden."

"Sehr wenig Tiefe"

Sebastian Klunker (11,5 Prozent) stand die Ernüchterung ins Gesicht geschrieben. "Für mich war ein Unterschied in der Höhe überhaupt nicht erkennbar", sagte der AWV-Stadtrat - vor allem, weil die Aussagen Grimmers im Wahlkampf "sehr wenig Tiefe" gehabt hätten. Er wünsche dem Gewählten gleichwohl viel Erfolg. Was bleibe: "Der Wahlkampf war eine der besten Zeiten meines Lebens. Ich habe sehr viel Bestätigung bekommen. Das lässt mich mit erhobenem Haupt rausgehen."

Auch Jürgen Loga hat wochenlang engagierten Wahlkampf gemacht, belohnt worden ist der Wirtschaftsberater am Ende nicht. 974 Wähler (9,3 Prozent) konnte er nur überzeugen. "Es ist eine demokratische Wahl. Ich gratuliere dem Gewinner und wünsche ihm viel Glück. Ich denke, das wird er brauchen", sagte er. Obwohl enttäuscht, zeigt sich Loga nicht überrascht vom Sieg Grimmers: "Ich war wohl einer der wenigen, der gemerkt hat, was für eine Dynamik in den letzten Tagen vor der Wahl losgelaufen ist. Da war mit klar, dass das Ergebnis deutlich ausfallen würde." seb/ho