Hohenlohe-Franken

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall Kulinarischer Erntedank mit Verleihung des Haupt-Agrarkulturpreises an Starkoch Lothar Eiermann

„Großer Patron der Hohenloher Esskultur“

Archivartikel

Schwäbisch Hall.Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch g.g.A., Boeuf de Hohenlohe, Reh aus Hohenloher Wäldern, Heumilchkäse von glücklichen Weidekühen und vieles mehr: Die Zahl ausgezeichneter Hohenloher Spezialitäten ist groß. Mit ihnen hat Maximilian Korschinsky, kulinarischer Botschafter der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und Mitglied des Slow Food Köche-Netzwerks Chef Alliance, das Menü der Region zum „Kulinarischen Erntedank“ komponiert, das rund 400 Gäste im herbstlich geschmückten Historischen Zeughaus von Schwäbisch Hall genossen.

„In den letzten 30 Jahren sind wir nun vom Rand der Geschehnisse mitten in der Gesellschaft angekommen“, stellte Rudolf Bühler, Vorsitzender der „ältesten Regionalinitiative Deutschlands“, in seiner Begrüßung fest: „Die Zuwendung zu Regionalität und Heimat ist eine notwendige und folgerichtige Gegenbewegung zur Globalisierung.“ Qualitätsbewusste Verbraucher, die bewusst wertige Lebensmittel einkaufen, trügen zur Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe bei und damit zum Erhalt der Umwelt, der Kulturlandschaft und der natürlichen Lebensgrundlagen.

Kulinarisch verwöhnt

Das zwölfköpfige Team der Mohrenköpfle-Gastronomie und der Weckelweiler Gemeinschaftswerkstätten verwöhnte die Gäste kulinarisch. Zwischen den Gängen unterhielt die Sopranistin Irina Sivac, begleitet von Victor Portnoy am Flügel, mit Hohenloher Volksliedern. Ein Höhepunkt des Abends war die Verleihung der Agrarkulturpreise 2019 in Höhe von insgesamt 6000 Euro. Den Hauptpreis verlieh Rudolf Bühler dem „großen Patron der Hohenloher Esskultur“ Lothar Eiermann, der als erster und einziger Nicht-Franzose den Titel „Grand Chef auf Lebenszeit“ der französischen Vereinigung Relais & Chateaux trägt.

„Sein Wirken hat die Küche unserer Region geprägt und weit darüber hinaus“, sagte Bühler in seiner Laudatio auf den 74-Jährigen, der 35 Jahre lang im Schlosshotel Friedrichsruhe auf Sterneniveau gekocht hat. Eiermanns besonderer Verdienst sei, die Landesprodukte wie das Schwäbisch-Hällische Landschwein auf die Karte und damit in Wert gesetzt zu haben. „Der Respekt gegenüber dem Tier und der gesamten Natur prägte stets sein Handeln“, sagte Bühler über den Ausnahmekoch. „Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel“, bekannte der Geehrte sichtlich gerührt. Er habe in seiner Jugend viel auf Bauernhöfen geholfen und empfinde tiefe „Ehrfurcht vor der Arbeit der Bauern“.

Preis für Luise Wirsching

Drei mit jeweils 1000 Euro dotierte Agrarkulturpreise wurden im Anschluss verliehen. Die Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler wurden als „Leuchtturm für soziales Engagement auf dem Lande“ in der Kategorie Ökologie ausgezeichnet. In der Kategorie Biodiversität erhielt der Jungbauer und Hofnachfolger auf dem BESH-Mitgliedsbetrieb in Untereppach bei Neuenstein, Michael Strecker, den Preis. In der Kategorie Kultur und Soziales wurde die 1946 in dem Hohenloher Weiler Spielbach geborene Bäuerin Luise Wirsching ausgezeichnet. „Eine bäuerliche Kulturträgerin im besten Sinne“, lobte Rudolf Bühler in der Laudatio die Seniorin, die als Expertin im Schneiden von Obstbäumen im ganzen Land bekannt ist. Diese bedankte sich kurzerhand an der „Zuchorchel“ (Hohenlohisch für Ziehharmonika) für die Ehrung mit dem traditionellen Hohenloher Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ – und die Gäste schunkelten vergnügt mit. BESH