Hohenlohe-Franken

Personennahverkehr 15-jährige „Bestellgarantie“ auf Bahnstrecke von Dombühl nach Wilburgstetten

Freistaat gibt grünes Licht zu Reaktivierung

Dinkelsbühl.Der Freistaat Bayern hat die Zusage gegeben, auf der Bahnstrecke von Dombühl bis Wilburgstetten für 15 Jahre den Personennahverkehr zu finanzieren. Politiker aus der Region werteten dies als ersten entscheidenden Schritt hin zu einer Reaktivierung dieser Strecke, für die seit Langem geworben wird.

Grundsätzlich entscheidet die zum Wirtschaftsministerium gehörende Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), wo Personenzüge fahren, indem sie Verkehre bestellt. Im konkreten Fall hat dieser Tage der Aufsichtsrat der BEG den Vorstand ermächtigt, für die Strecke Dombühl-Wilburgstetten eine Bestellgarantie für 15 Jahre abzugeben. Mit der Entscheidung soll eine Investition von mehr als 30 Millionen Euro verbunden sein. Damit wäre die Finanzierung des Verkehrs für 15 Jahre sichergestellt, unabhängig davon, wie viele Bürger das neue Angebot tatsächlich nutzen.

Und es sind auch wesentliche Kriterien erfüllt, um ein Eisenbahnunternehmen zu gründen, das die Strecke betreibt und instand hält. Nach wie vor gilt Heino Seeger, Chef der Tegernsee Bahn und Eisenbahnbetriebsleiter, als potenzieller Investor und Mitbegründer einer, so der Arbeitstitel, „Mittelfränkischen Eisenbahnbetriebsgesellschaft“. Welches Unternehmen auf der Strecke Züge fahren lässt, wird in einer Ausschreibung ermittelt, erklärte Dr. Markus Lang, der bei der BEG für die Infrastruktur in Nordbayern zuständig ist.

Zeitnah Gespräche aufnehmen

Die Bestellgarantie sei „der Nachweis, dass Freistaat und BEG hinter der Reaktivierung stehen“. Die BEG werde nun zeitnah Gespräche mit möglichen Betreibern aufnehmen. Die ersten bestellten Personenzüge könnten realistischerweise erst 2024 fahren.

Bei den Politikern in der Region kam die Nachricht sehr gut an. Landrat Dr. Jürgen Ludwig und Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer, sein Wilburgstettener Kollege Michael Sommer und der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig sprachen von einem entscheidenden Schritt zur Reaktivierung. Allerdings seien viele Schritte noch zu gehen. Die Planung für ein neues Unternehmen müsse vorangetrieben werden, die Eigentumsverhältnisse auf der Schiene geordnet und ein Bus-Schiene- Konzept erarbeitet werden.

Ludwig sagte, es gelte „auch die Belange der Anliegerkommunen zu berücksichtigen“. In Schopfloch und Feuchtwangen zum Beispiel werden die Reaktivierungsbemühungen eher mit Skepsis verfolgt. „Wir wollen keine Verschlechterungen bei den Buslinien haben“, stellte Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh klar. „Und wir haben ein Kostenthema, aber das ist lösbar, wenn man auf die Stadt Feuchtwangen zugeht. Bislang hat das außer dem Landrat noch niemand gemacht.“ Ruh verwies auf ein Schreiben aus der Bayerischen Staatskanzlei, die darin festhält, dass eine Reaktivierung der Bahnstrecke nur erfolgt, wenn die Kommunen vor Ort dies befürworteten.

„Wir werden uns mit Feuchtwangen im Positiven abstimmen“, sicherte Hammer zu. Er persönlich sei überzeugt, dass die Reaktivierung von jedem befürwortet werde, wenn die Züge erst einmal rollten.

Mit ein Grund für die Entscheidung war die überarbeitete Fahrgastprognose des Nürnberger Verkehrsverbunds (VGN).

„Mit dem positiven Beschluss beginnt nun die richtige Arbeit“, sagte Heino Seeger (VGN). Jetzt könnten Gesellschafter für das Unternehmen gesucht, Eigen- und Fremdkapital akquiriert werden. Außerdem müsse die Strecke so ertüchtigt werden, dass Personenzüge mit mindestens 80 Stundenkilometern fahren könnten. Es sind Schwellen auszutauschen, Weichen zu prüfen, Brückenbauwerke und die Entwässerungen anzuschauen. fah