Hohenlohe-Franken

Amtsgericht Crailsheim 58-Jährige wegen falscher Verdächtigung zu Bewährungsstrafe verurteilt

„Fatale Konsequenzen“ verhindert

Archivartikel

Langenburg.Sie beschäftigen hier den ganzen Justizapparat“ – mit diesen Worten wandte sich am Langenburger Amtsgericht Richterin Dr. Scania Herberger an eine Beschuldigte aus dem nördlichen Altkreis Crailsheim.

Die Frau war zum wiederholten Mal wegen falscher Verdächtigung angeklagt. In Langenburg zeigte sie sich reumütig. „Das war falsch von mir.“

Was war passiert? Im August hatte sich die 58-Jährige mit ihrem Lebensgefährten gestritten. Los ging es bereits beim Frühstück „Er ist manchmal gleich außer sich“, erklärt die Angeklagte. Früher habe er sie sogar geschlagen.

„Ein paar Schnäpse“

Als sie von der Arbeit nach Hause kam, habe sie, „um runterzukommen“, ein paar Schnäpse getrunken – das habe sie zuvor sechs Jahre lang nicht mehr gemacht. Dann sei ihr Lebensgefährte gekommen, habe herumgebrüllt und sie angeschrien, sie solle die Hunde wegbringen. Sie habe gezittert, die Hunde geschnappt und sie zu ihrem Sohn gebracht.

„So war er immer nur dann, wenn er etwas getrunken hatte“, sagt die Beschuldigte über ihren aggressiven Lebensgefährten.

In der Wohnung ihres Sohnes kam ihr dann die Idee, die sie letztlich vor Gericht brachte: Sie wollte ihren Lebensgefährten aus der Wohnung haben und rief daraufhin bei der Polizei an. Am Telefon sagte sie, dass er betrunken nach Hause gefahren sei.

Auto warmlaufen lassen

Vor Richterin Herberger schildert die Beschuldigte unter Tränen, wie sie nach dem Telefonat den Wagen laufen ließ, damit der Motor warm wurde.

Als die Polizisten schließlich an der Adresse nankamen und die warme Motorhaube und den betrunkenen Lebensgefährten der Frau vorfanden, war die Geschichte für sie zunächst schlüssig – das gibt ein Polizist an, der als Zeuge aussagt. Der Lebensgefährte erhielt eine Anzeige, sein Führerschein wurde ihm entzogen.

Den brauchte der Lastwagen-Fahrer aber, um seiner Arbeit nachgehen zu können. Wenige Tage später meldete sich die Frau erneut bei der Polizei. Ihre Angaben hätten doch nicht der Wahrheit entsprochen. Wie ihr Lebensgefährte nach Hause kam, habe sie nicht gesehen – woraufhin der Mann von den Behörden seine Fahrerlaubnis zurückbekam.

Richterin Herberger will wissen, ob es nicht so gewesen sei, dass der Lebensgefährte sie damals unter Druck gesetzt und zu dieser Aussage genötigt habe. Das verneint die 58-Jährige.

Bereits in der Vergangenheit war die Frau wegen falscher Verdächtigungen vor Gericht gestanden. Sie hatte unter anderem ihren Lebensgefährten bezichtigt, sie vergewaltigt zu haben.

Gestanden und reuig

Staatsanwältin Alexandra Müller-Seigfried plädierte schließlich auf eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Geldauflage in Höhe von zwei Monatseinkommen.

Die Angeklagte habe die Tat eingeräumt und bereut, außerdem führe die Frau mit ihrem Lebensgefährten eine komplizierte, lange andauernde Beziehung. Jedoch sei es nicht das erste Vergehen dieser Art gewesen, und: Ein Führerscheinentzug hätte für den Lebensgefährten der Beschuldigten „fatale Konsequenzen“ gehabt.

Strafmaß akzeptiert

Es dürfe außerdem nicht sein, dass die Angeklagte wegen einer falschen Verdächtigung wieder die Polizei rufe, sagt Müller-Seigfried. Denn irgendwann glaube man ihr nicht mehr – selbst wenn sie dann die Wahrheit sagt.

Die Angeklagte, die ohne Anwalt erschienen ist, erklärt in ihrem Plädoyer, sie akzeptiere das vorgeschlagene Strafmaß. Außerdem verspricht sie, „dass so etwas nie wieder vorkommt“.

Richterin Herberger folgt in ihrem Urteil der Staatsanwältin bezüglich der Strafzumessung. „Was Sie gemacht haben, das geht überhaupt nicht“, sagt sie zur Angeklagten. Die Polizei werde an anderer Stelle gebraucht.

Zusätzlich droht sie ihr an, dass es beim nächsten Verfahren wegen falscher Verdächtigung nicht bei einer Bewährungsstrafe bleiben wird. ls