Hohenlohe-Franken

Stadtmuseum Crailsheim Zwei Objekte konnten eindeutig als vormaliges Eigentum von Max Rosenfeld identifiziert werden

Familienstücke werden zur Dauerleihgabe

Archivartikel

Zwei Möbelstücke sowie ein lateinisch-deutsches Lexikon wurden dem Crailsheimer Stadtmuseum übergeben. Die Gegenstände waren Max Rosenfeld entzogen worden.

Crailsheim. Manfred Rosenfeld, der 1930 in Crailsheim geboren wurde, übergab kürzlich zwei Möbelstücke sowie ein lateinisch-deutsches Lexikon in die ständige Obhut des Crailsheimer Stadtmuseums. Die Gegenstände waren seinem Onkel Max Rosenfeld (geboren 1908, deportiert 1941) NS-verfolgungsbedingt entzogen worden.

Das Stadtmuseum Crailsheim durchforscht seine Bestände nach Gegenständen, die nach heutiger Auffassung auf inakzeptable Weise in seine Sammlung gekommen sind. Der Schwerpunkt liegt auf Objekten, die 1933 bis 1945 für das damalige Heimatmuseum erworben wurden.

Zwei solche Objekte konnten eindeutig und ein weiteres Objekt mit hoher Wahrscheinlichkeit als vormaliges Eigentum von Max Rosenfeld identifiziert werden. Daher ging das Stadtmuseum auf seinen Neffen Manfred Rosenfeld zu, um die Familie, als die wirkliche Eigentümerin der Stücke, über den Fund zu informieren. „Ich wollte eigentlich dieses Jahr wieder nach Crailsheim kommen“, schreibt Manfred Rosenfeld in seinem anrührenden Brief, in dem

er auf die Rückgabe der Familienstücke verzichtet. Manfred Rosenfeld lebt in Wales. 1939 gelangte er mit einem „Kindertransport“ nach Großbritannien, was ihm das Leben rettete. Seine Mutter Sofie (geb. 1904) und sein Onkel Max Rosenfeld wurden 1941 deportiert und ermordet. Ein Stolperstein erinnert an die Familie, die im Haus Marktplatz 7 wohnte.

Anfang 1939 übernahm der „Altertums- und Heimatverein Crailsheim“ für das damalige Heimatmuseum rund 350 Objekte von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern. Im Fall von Max Rosenfeld nennen die Vereinsakten ein bemaltes Kästchen, einen Stuhl und ein lateinisch-deutsches Lexikon von 1764. Der Zeitpunkt dieser Erwerbungen belegt, dass es sich um Zwangsverkäufe handelt.

Das Eigentum von Max Rosenfeld konnte von Museumsleiterin Friederike Lindner auf Grund der Vereinsakten und einem Altinventar ermittelt werden.

Als markantes Objekt war das lateinisch-deutsche Lexikon von 1764 am leichtesten zu identifizieren. Es ist in der Schausammlung des Stadtmuseums zum 18. Jahrhundert als Dauerleihgabe des Stadtarchivs ausgestellt, das bisher als der vermeintliche Eigentümer galt. Der erwähnte Stuhl war durch eine noch am Objekt vorhandene Altinventarnummer auffindbar. Er erhielt seinerzeit die Inventarnummer 1662. Im Inventareintrag wird Max Rosenfeld als Vorbesitzer genannt. Das „bemalte Kästchen“ hingegen stellte das Museum vor erhebliche Probleme und erforderte detektivisches Gespür.

Nur durch Rückschluss konnte ein bemalter Halbschrank aus dem 18. Jahrhundert mit größter Wahrscheinlichkeit als das bemalte Kästchen von Max Rosenfeld identifiziert werden. Die Inventarnummer lautet 1661, der Eintrag „Kästchen, bemalt“. Vorbesitzer werden nicht aufgeführt. Die Beschreibung der Malerei sowie die zitierte Inschrift belegen, dass mit dem „Kästchen“ der Halbschrank aus dem 18. Jahrhundert gemeint ist. Der Begriff „Kästchen“ war für solch ein kleines Verwahrmöbel durchaus gebräuchlich. Bestärkt wird die Annahme, dass der Halbschrank das Kästchen von Max Rosenfeld ist, durch den Umstand, dass sich die folgenden Inventareinträge ebenfalls auf Objekte beziehen, die 1939 von jüdischen Bürgern übernommen wurden.

Für 2021 plant das Stadtmuseum eine Ausstellung zu den NS-verfolgungsbedingt entzogenen Objekten in seiner Sammlung.