Hohenlohe-Franken

Justiz Haller Ex-Bestatter ist auch nach sieben Jahren noch nicht rechtskräftig verurteilt

Fall muss neu verhandelt werden

Archivartikel

Schwäbisch Hall.Gegenwärtig werden vor dem Heilbronner Landgericht mehrere Fälle aus dem Raum Schwäbisch Hall verhandelt. Das Verfahren gegen den Schwäbisch Haller Ex-Bestatter Jochen M. ist immer noch in der Schwebe.

Die Anklage gegen Jochen M. (63), der in Schwäbisch Hall das Unternehmen „Christliche Trauerhilfe“ führte, bezieht sich auf Vorgänge, die mehr als sieben Jahre zurückliegen.

Er soll Angehörige von Verstorbenen betrogen haben. Ihm wird vorgeworfen, er habe die Toten vor der Verbrennung im Krematorium in Pressspansärge umgebettet. Die Angehörigen sollen, im Vertrauen auf ihre Bestellung, den hohen Preis für den Vollholz-Sarg bezahlt haben, den sie ausgesucht hatten. Hätte Jochen M. die Freiheitsstrafe, die er vom Haller Amtsgericht im Juli 2015 bekommen hat, angetreten und verbüßt, wäre er heute schon wieder auf freiem Fuß. Wegen 18-fachen Betrugs hatte ihn das Schöffengericht zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Dabei war eine Anzahl weiterer Verdachtsfälle vorher eingestellt worden.

Ein knappes Jahr später musste sich ein Mitarbeiter von Jochen M. vor dem Schwäbisch Haller Amtsgericht verantworten. Er hatte im Verfahren gegen seinen Ex-Chef zu dessen Gunsten gelogen und gestand den Meineid ein. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe mit einer Arbeitsauflage.

Jochen M. gestand nichts ein. Weil er Berufung gegen das Haller Urteil eingelegt hatte, blieb er auf freiem Fuß. Mit neuen Verteidigern beharrte er darauf, er sei unschuldig. Zu einem Freispruch kam es aber nicht. Im April 2018 verkündete eine Haller Berufungskammer ihr Urteil: zwei Jahre und acht Monate Haft.

Jochen M. und seine Verteidiger gaben sich nicht geschlagen. Sie fochten das Urteil an – und hatten Erfolg.

Das Stuttgarter Oberlandesgericht kippte vor einem halben Jahr das Berufungsurteil und entschied: Der Fall muss vor einer anderen Berufungskammer in Heilbronn neu verhandelt werden. Auf Nachfrage teilte Oberstaatsanwalt Harald Freyer (Schwäbisch Hall) mit, dass beim Heilbronner Landgericht bisher noch kein Termin für die neue Berufungsverhandlung gegen Jochen M. bestimmt sei. Eleonore Heydel